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Eisbärenbaby: "Schneeweiß wie eine Flocke"

Auch die zweite Nacht ohne Mutter hat das Eisbärenbaby im Nürnberger Tiergarten gut überstanden. Und schon wird der Zoo mit Namensvorschlägen überhäuft. "Flocke" wird das kleine Bärenkind von einem Pfleger genannt.

"Es ist ein absolut ruhiges und braves Baby", schwärmt Tiergarten-Vizechef Helmut Mägdefrau. Schlafen, trinken, schlafen - das kennzeichnet den Rhythmus des Eisbärenbabys, das im Nürnberger Tiergarten mit der Hand aufgezogen wird. Auch die zweite Nacht ohne seine Mutter hat es problemlos überstanden. Vom Rummel drumherum bekommt die Kleine bisher nichts mit. Sie wird von der Öffentlichkeit streng abgeschirmt. Unterdessen steigt das Eisbären-Fieber à la Knut unaufhaltsam: Viele tausend Tierfreunde in Deutschland nehmen Anteil an der Entwicklung der kleinen Eisbärin, schicken gute Wünsche und machen Namensvorschläge. Medien aus aller Welt interessieren sich für das winzige Bärchen.

Durstig nuckelt die Kleine an ihrem Fläschchen. Inzwischen verlangt sie alle drei Stunden nach ihrer Milch, trinkt jeweils 80 Milliliter und wiegt bereits 2000 Gramm. Tierarzt Bernhard Neurohr ist optimistisch: "Herztöne, Lungengeräusche sowie Magen- und Darmgeräusche sind völlig normal", hat er festgestellt.

Vier Tierpfleger wechseln sich rund um die Uhr bei der Betreuung des Jungtiers ab, nehmen es in den Arm und knuddeln es. Die kleine Eisbärin scheine sich zu freuen, wenn sie Körperwärme spüre, berichtet Mägdefrau. Sehen kann sie die Welt um sich herum allerdings noch nicht: Die Augen des rund vier Wochen alten Babys sind weiterhin geschlossen. Doch ein kleiner Spalt öffnet sich langsam. Die Bewegungen sind noch ziellos und unbeholfen. "Es kann zurzeit nur tapsen, strampeln und schreien", schildert Mägdefrau.

Man gehe von einem stabilen Immunsystem aus, da das Eisbärenbaby dank der Muttermilch in den ersten Wochen gut versorgt wurde, sagt Mägdefrau. Auch die unvorsichtige Behandlung durch die Mutter, die das Baby zwei Tage zuvor mehrmals fallen ließ, habe der kleinen Eisbärin anscheinend nicht geschadet. "Wir sind optimistisch. Es gibt aber immer ein gewisses Restrisiko. Es könnte trotzdem noch zu Infektionskrankheiten oder Entwicklungsstörungen kommen."Der Tiergarten sucht aber bereits einen Spielgefährten für das Kleine. Dazu stehe man im Kontakt etwa mit dem Zoo in Moskau. "Man könnte die beiden dann zusammen aufziehen und später in ein gemeinsames Gehege verlegen", hofft Mägdefrau.

Offiziell hat das Eisbärmädchen zwar noch keinen Namen. Tierpfleger Horst Mausner sagte dem Fernsehsender N24 jedoch, er nenne das Tier "Flocke". "Ich habe sie heute in den Händen gehabt und sie angeschaut, schneeweiß wie eine Flocke. Für mich ist sie jetzt die Flocke", sagte er laut Pressemitteilung. Der für den Tiergarten Nürnbergs zuständige zweite Bürgermeister Horst Förther weist darauf hin, dass das Jungtier erst dann einen Namen erhalten soll, wenn es sicher überlebt. Dieser Name soll in einem noch nicht näher bestimmten Wettbewerb ermittelt werden, an dem die Bevölkerung teilnehmen kann. Nach Angaben von Nürnbergs Pressesprecher Siegfried Zelnhefer wurden schon jetzt unaufgefordert zahlreiche Vorschläge an die Stadt und den Tiergarten geschickt. "Eine Namensgebung wird jetzt aber sicher nicht stattfinden", betont er. Beim Bayerischen Rundfunk gingen laut Internetseite bereits 2000 Namensvorschläge ein. Ganz oben auf der Hitliste stehen Bärbel, Franka, Gerchla und Paula. Auch erste Angebote zur Vermarktung der Eisbärengeschichte als Film oder Buch sollen vorliegen.

DPA/AP