HOME

Handaufzucht in Nürnberg: Zoo trennt Eisbärbaby von Mutter

Nach dem Tod zweier Jungtiere im Nürnberger Tierpark wird das dritte Eisbärenbaby nun doch mit der Flasche aufgezogen. Zu diesem Schritt entschlossen sich die Verantwortlichen, nachdem Eisbärweibchen Vera ihr Baby überraschend aus der Wurfhöhle trug und versuchte, es auf dem Gelände zu verstecken

Die Pfleger im Nürnberger Tiergarten haben das verbliebene Eisbärbaby von seiner Mutter Vera getrennt. Es soll jetzt per Hand aufgezogen werden. Weil die Mutter das Bärenjunge aus der Wurfbox holte und offensichtlich keinen sicheren Platz mehr für das Baby fand, habe sich der Tiergarten zum Einschreiten entschlossen, sagte Direktor Dag Encke. "Die Sicherheit des Jungtieres geht jetzt vor", sagte der stellvertretende Tiergartendirektor Helmut Mägdefrau. Das Mitte Dezember geborene Eisbärbaby sei "piccobello propper" in Ordnung und wirke kerngesund, die Chancen für einen Erfolg der Handaufzucht seien gut. Die Mutter habe sich bisher hervorragend darum gekümmert, was aber wegen ihrer Nervosität nun nicht mehr gewährleistet sei. Offensichtlich sei das Weibchen von einem Kamerateam gestört worden, das unerlaubterweise bis in die Nähe der Wurfhöhle vorgedrungen sei.

Noch kurz vor dem Einschreiten hatten die Verantwortlichen ihre bisherige Haltung gegen Kritik verteidigt. Vermutlich waren die beiden kleinen Bären krank und wurden daraufhin von ihrer Mutter aufgefressen. Vize-Tiergartenchef Helmut Mägdefrau hatte Forderungen, man hätte bereits die Jungtiere von Vilma retten müssen, als "haltlos" zurückgewiesen. Der Tiergarten habe nach den Richtlinien des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms "absolut richtig gehandelt", sagte er. Dass der Tiergarten seine Position nun geändert habe, begründete Encke damit, dass das Baby von Vera eindeutig überlebensfähig sei. Es sei "wohlauf und hervorragend ernährt". Vermutlich handle es sich um ein männliches Jungtier. Es werde aber auf keinen Fall den Namen "Knut" bekommen, bekräftigte Encke.

Tierschützer kritisieren Zoohaltung

Als Reaktion auf den Tod der beiden Babys forderten Tierschützer ein Ende der Eisbärhaltung in Zoos. "Eine artgerechte Haltung dieser großen Landraubtiere ist in Gefangenschaft grundsätzlich nicht möglich und führt zu unnötigem Tierleid", kritisierte die Organisation Europäischer Tier- und Naturschutz. Der Tod der Nürnberger Eisbärenbabys markiere das "blutige Ende" der Ära Knut in Deutschland. Schuld am Tod sei der Versuch des Tierparks, um jeden Preis von der Medienhysterie um Knut zu profitieren. Nürnbergs Zoodirektor Dag Encke hatte indes stets betont, sich mit Werbung für den Eisbärennachwuchs so lange zurückhalten zu wollen, bis die Jungtiere die auf sechs Wochen angesetzte kritische Phase überlebt hätten. Während dieser Zeit entscheidet sich, ob die Muttertiere ihren Nachwuchs annehmen und aufziehen oder nicht.

Unterdessen hofft der Berliner Zoo, in dem Eisbär Knut"mit der Hand aufgezogen wurde, auf neuen Nachwuchs. "Wenn die Eisbären Nancy, Katjuscha und Tosca tatsächlich schwanger sind, müssen die Babys bis spätestens Mitte Januar da sein", sagte Zoo-Tierarzt André Schüle. Alle Weibchen waren im Frühjahr von Eisbär Lars, Knuts Vater, gedeckt worden. Man könne nicht sagen, ob die Eisbären schwanger seien, erklärte Schüle. Weil die Jungtiere so klein seien, bekämen Eisbären keinen dicken Bauch. Der berühmte Eisbär Knut erfreue sich bester Gesundheit und wiege inzwischen 120 Kilogramm, sagte der Tierarzt

AP/DPA/AP/DPA