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Erfolg für BP Ölleck ist dicht - aber halten die Ventile?


Laut BP ist das Ölleck im Golf von Mexiko erstmals dicht. Doch selbst wenn die neue Vorrichtung wie nach Plan funktionieren sollte - es handelt sich nur um eine Zwischenlösung. Und es könnten neue Lecks entstehen.

Lange hatte die Welt auf diese Nachricht gewartet. Am Donnerstag meldete BP endlich: Erstmals seit drei Monaten strömt dank einer Abdichtkappe kein Öl mehr aus dem Leck geschlagenen Bohrloch im Golf von Mexiko. Nach all den Fehlschlägen, all den zerstörten Hoffnungen und nicht gehaltenen Versprechungen - endlich ein Lichtblick für die Bevölkerung. Auch US-Präsident Barack Obama, dessen Umfragewerte infolge der Katastrophe abgerutscht waren, sprach von einem positiven Zeichen

Für Entwarnung ist es allerdings noch zu früh: Am Freitag sollen Tests zeigen, ob die neue Abdeckung des Bohrlochs in rund 1,6 Kilometer Meerestiefe dem Druck des Öls standhält. Zwar gelang es den Ingenieuren, mit Hilfe von ferngesteuerten Robotern alle drei Ventile eines meterhohen Auffangzylinders zu schließen. Doch immer wieder betont BP-Manager Ben Wells, dass dies noch keinesfalls der endgültige Sieg gegen die Plage ist, bei der seit dem 20. April täglich bis zu 8200 Tonnen Rohöl ins Meer fließen. Möglicherweise könne das Leck in 1500 Meter Tiefe nur vorübergehend geschlossen werden. Zunächst bleibe es lediglich zu Testzwecken versiegelt. Diese Tests würden bis zu 48 Stunden dauern - sie sind entscheidend für das weitere Vorgehen.

Der Thriller geht weiter

"Wir befinden uns erst am Anfang der Tests", betont Wells immer wieder. Geklärt werden soll, ob das Steigrohr in der Tiefe bei einer Schließung des Lecks dem Druck standhält oder ob es neue Lecks gibt. Alle sechs Stunden wollen die Experten nun den Druck messen. Außerdem sollen seismische Messungen rund um das Bohrloch am Meeresboden den BP-Experten frühzeitig anzeigen, wenn sich neue Lecks bilden sollten. "Die nächsten Stunden sind kritisch für das weitere Vorgehen", heißt es bei BP. Der Thriller an der Golfküste geht weiter.

Die laufenden Tests seien damit vergleichbar, dass jemand seinen Daumen auf das Ende eines Gartenschlauchs lege, sagte ein pensionierter hochrangiger Vertreter der US-Küstenwache. Wenn sich der Druck nicht erhöhe, gebe es anderswo noch eine Öffnung. Nach der Testphase werde BP vermutlich das Öl wieder ausströmen lassen, um täglich bis zu rund 80.000 Barrel auf Schiffe zu pumpen.

Endgültige Lösung durch Entlastungsbohrungen

Und selbst wenn die neue Vorrichtung wie nach Plan funktionieren sollte - es handelt sich lediglich um eine Zwischenlösung. Vollständig verschließen sollen die Quelle Entlastungsbohrungen mehrere Kilometer unter dem Meeresboden. Damit wird aber frühestens Ende Juli oder Anfang August gerechnet.

Und erst kürzlich warnte die Regierung: Bereits in den vergangenen drei Monaten sei so viel Öl in den Golf von Mexiko geflossen, dass die Rettungs- und Aufräumarbeiten zumindest bis in den Herbst dauern werden. Weite Teile der US-Küste sind verseucht, darunter das ökologisch sensible Mississippi-Delta. Viele Badestrände sind durch Teer verschmutzt. Nach wie vor seien etwa 30 bis 35 Prozent der Küstengewässer für die Fischerei gesperrt.

Kurse steigen, Teilverkauf kommt voran

Die Aktien des wegen der Katastrophe in Bedrängnis geratenen Ölmultis BP reagierten mit Kursgewinnen auf die Nachricht vom dichten Leck. Gleichzeitig kommt das Unternehmen offenbar bei dem geplanten Verkauf von Unternehmensteilen voran. Der Konzern und seine Berater seien dabei, die letzten Formalitäten zu regeln, berichtet die "Financial Times". Voraussichtlich noch vor der Veröffentlichung der Quartalszahlen am 27. Juli dürften die ersten Verkäufe bekanntgegeben werden, schrieb die Zeitung. BP braucht Geld, um die Folgen der Öl-Katastrophe zu beseitigen. Der Konzern hofft, durch die Trennung von Beteiligungen 20 Milliarden Dollar (rund 15,5 Milliarden Euro) erlösen zu können.

fw/dho/DPA/AFP/AP AP DPA

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