Erforschung der Arktis Wettlauf um die Schätze unterm ewigen Eis


Mit Volldampf in die letzte unberührte Schatzkammer der Erde: Die USA wollen im Wettlauf mit den Russen bei der Erforschung der Arktis die Nase vorn haben.
Von Gisela Ostwald/DPA

Den Männern an Bord der "Healy" stehen harte Tage bevor. Einen guten Monat müssen sich die 25 Forscher und 100 Besatzungsmitglieder des US-Eisbrechers im Arktischen Ozean gegen klirrende Kälte, dichtes Packeis und voraussichtlich auch Polarstürme behaupten. Die gleichen Herausforderungen erwarten ihre kanadischen Kollegen an Bord der "Louis S. St-Laurent".

Beide Forscherteams vermessen im Auftrag der Regierungen den Meeresboden im so genannten Kanada-Becken (Canada Basin). Ihr Ziel rechtfertigt die harten Bedingungen der erneuten Polarexpedition. Mit den Messdaten wollen die USA und Kanada im zusehends schärfer werdenden Wettlauf um die Bodenschätze der Arktis ihren Anspruch auf Öl- und Gasvorkommen zementieren. Russland hatte bereits Ende Juli einen Eisbrecher und ein Forschungsschiff zur Abgrenzung seiner Kontinentalplatte auf den Weg geschickt.

2030 schon eisfrei?

Fossilienfunde geben zu erkennen, dass ein subtropisches Klima in der Arktis vor etwa 40 Millionen für eine reiche Fauna sorgte. Dann kühlte sich die Erde ab und bildete Eiskappen an den Polen. Jetzt schmilzt das Eis wieder, und zwar in einem rasanten Tempo. Allein 2007 verlor das Gebiet rund um den Nordpol mehr als eine Million Quadratkilometer Eis. Im Herbst 2008 lag die Temperatur um satte fünf Grad über dem Normalwert. Wenn der Trend anhält, dürfte das Gebiet nach Einschätzung der US-Wetter- und Ozeanbehörde NOAA schon 2030 im Sommer eisfrei sein.

Damit wäre der Zugang zu den letzten noch nicht angetasteten Rohstoffreserven der Erde möglich. Bis zu 30 Prozent der bisher unentdeckten Gasvorkommen weltweit und mehr als ein Zehntel der unentdeckten Ölvorkommen könnten von der schmelzenden Eisdecke freigegeben werden. Fünf Anrainerstaaten, die USA und Kanada, Russland, das von Dänemark vertretene Grönland und Norwegen, haben die besten Chancen, durch ihre Lage zu Nutznießern der Bodenschätze zu werden.

Selbst China zeigt Interesse an der Arktis

Greenpeace fordert ein rechtsverbindliches Abkommen für die Arktis. Für ein Vertragswerk, das die Nutzung der Ressourcen regeln würde, ist offiziell der Arktische Rat zuständig. Ihm gehören außer den fünf Polarstaaten auch Island, Schweden, Finnland und einige Nichtregierungsorganisationen an. Weitere Länder, darunter auch Deutschland, dürfen als ständige Beobachter an den Verhandlungen des Arktischen Rates teilnehmen. Die EU sucht Anschluss an den Kreis, und selbst China zeigt zunehmend Interesse an der Arktis.

Allerdings gilt das Gremium als politisch schwach. Mehr Gewicht wird den Treffen beigemessen, zu denen die fünf Anrainer regelmäßig unter Ausschluss aller anderen Länder und sogar der betroffenen Arktis-Einwohner zusammenkommen. Die jüngsten Expeditionen sind ein deutliches Signal dafür, dass der Fünferclub das Rennen um die Ressourcen unter dem "ewigen Eis" am liebsten allein unter sich austragen würde.


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