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Ernährung: "Friss-die-Hälfte" ist kein Jungbrunnen

Kalorienarme Ernährung kann das Leben nicht verlängern, zumindest nicht bei Affen, zeigt eine Studie. Aber immerhin ist die "Friss-die-Hälfte-Taktik" vorteilhaft für Gesundheit und Figur.

Die Quelle der ewigen Jugend zu finden: Ein Traum vieler Forscher und nicht zuletzt die Hoffnung derjenigen, die sich reihenweise unters Messer legen um ihr jugendliches Aussehen zu konservieren. Wie einfach wäre es, wenn dies durch eine bestimmte Ernährungsweise möglich wäre. Studien an Mäusen und Ratten haben gezeigt, dass eine kalorienreduzierte Diät das Leben verlängert. Für unsere nächsten Verwandten, die Affen, scheint dies allerdings nicht zu gelten. Auch ein jahrelanges Maßhalten beim Essen sorgte nicht dafür, dass sie länger lebten. Dies zeigt eine Langzeitstudie mit Rhesusaffen.

Die Affen auf Diät waren zwar dünner als die Kontrolltiere und bei ihnen traten einige Alterskrankheiten etwas später ein. Das hatte aber keine deutlichen Auswirkungen auf ihre Lebenserwartung, heißt es in den Ergebnissen einer Studie, die nun in der Fachzeitschrift "Nature" veröffentlicht wurde.

Weniger Kalorien sind kein Garant für ein längeres Leben

Das US-amerikanische National Institute on Aging (NIA) hatte die Langzeitstudie mit Rhesusaffen (Macaca mulatta) 1987 begonnen. Die Forscher setzten eine Gruppe der Tiere auf Diät und verglichen ihre Lebensdauer mit ihren normal ernährten Artgenossen. Wenn die Primaten in Gefangenschaft leben und genug zu futtern bekommen, werden sie im Durchschnitt 27 Jahre alt; einzelne Tiere leben sogar 40 Jahre. "Eine Diät mit 30 Prozent weniger Kalorien hat in jüngeren und älteren Rhesusaffen die Überlebensfähigkeit nicht verbessert", schreibt nun das Team um den Experimental-Gerontologen Rafael de Cabo vom NIA.

In einer ersten Untersuchungsgruppe waren die Tiere bereits zu Beginn der Studie 16 bis 23 Jahre alt. Die asketisch lebenden Tiere hätten insgesamt nicht länger gelebt als die Tiere in der Kontrollgruppe, schreiben die Forscher. "Weder Männchen noch Weibchen profitierten von der Kalorienreduktion." Nichtsdestotrotz habe es Super-Greise in der Untersuchungsgruppe gegeben: Von den Tieren, die spät auf Diät gesetzt wurden, lebten vier länger als 40 Jahre; in der Kontrollgruppe gelang das einem Tier. "Die Kalorienreduktion hat aber weder die durchschnittliche noch die maximale Lebensspanne im Vergleich zur Kontrollgruppe erhöht. Diese Affen scheinen von der exzellenten Pflege profitiert zu haben", so die Forscher.

In einer zweiten Untersuchungsgruppe wurden 86 Rhesusaffen ab einem Alter von einem bis 14 Jahren beobachtet: Von 40 auf Diät gesetzten Tieren seien bislang acht (20 Prozent) an Alterskrankheiten gestorben, von den 46 nicht hungernden Kontroll-Tieren elf (24 Prozent). Abgesehen von dem recht kleinen Unterschied seien diese Zahlen noch nicht endgültig, schreiben die Forscher. "Die meisten der noch lebenden Tiere werden in den kommenden zehn Jahren sterben." Die Wahrscheinlichkeit, dass in den nächsten fünf bis zehn Jahren ein signifikant anderer Effekt auf das durchschnittliche Überleben auftreten wird, sei allerdings sehr gering.

Diät hat Vorteile für die Gesundheit

Auch wenn es das Leben nicht verlängert: Umsonst war das Hungern nicht. Die Diät habe nämlich Vorteile für die Gesundheit gebracht. Bei den wenig fressenden Tieren traten später Alterskrankheiten auf. Zudem sei unter den mageren Tieren aus der jüngeren Gruppe auch die Immunantwort auf eine Entzündung in der Mundhöhle besser gewesen und Krebs sei seltener aufgetreten.

Die Ergebnisse der NIA-Studie widersprechen allerdings denen einer anderen Studie, merken die Forscher an. Erste Resultate einer noch laufenden Studie am Wisconsin National Primate Research Center (WNPRC) zeigen einen lebensverlängernden Effekt bei einer 30-prozentigen Kalorienreduktion.

Wie sind diese gegensätzlichen Ergebnisse zu erklären? Eine Möglichkeit sei die Zusammensetzung der Diät, vermuten die Forscher. Zum anderen unterscheiden sich die Fütterungsarten der Kontrolltiere. In der NIA-Studie bekamen die Tiere lediglich genau portionierte Mahlzeiten. Die Kontrollaffen der WNPCR-Studie hingegen konnten soviel fressen, wie sie wollten.

as/DPA / DPA