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Studie von Altersforschern: Wer reich ist, genießt sein Alter neun Jahre länger als ein armer Schlucker

Wohlhabend zu sein, erhöht die Erwartung auf ein schmerz- und beschwerdefreies Leben um neun Jahre, sagt eine Studie. Während Reiche auch mit 80 Jahren noch ihr Leben genießen können, beginnt die Phase der Gebrechlichkeit bei Ärmeren mit kaum über 70 Jahren.

Das Foto zeigt nicht ganz die Realität, doch Wohlstand fördert die Lebenserwartung.

Das Foto zeigt nicht ganz die Realität, doch Wohlstand fördert die Lebenserwartung.

Getty Images

Forscher haben das Geheimnis eines langen und gesunden Lebens gelüftet. Die Lösung ist ganz einfach: "Sei wohlhabend und du lebst zehn Jahre länger." Das hört sich an wie ein schlechter Witz. Doch es ist seit Längerem bekannt, dass Wohlstand und Lebensdauer miteinander korrelieren. Das Robert-Koch-Institut sieht einen direkten Zusammenhang zwischen Krankheit und Einkommen. Von Erkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Diabetes oder chronischen Lungenerkrankungen sind Ärmere häufiger betroffen. Reiche können einen langen Lebensabend genießen. Arme werden hingegen früh hinfällig.

Langzeitstudie

Eine Studie, die im "Journal of Gerontology" veröffentlicht wurde, liefert zu der Annahme gesicherte Daten. Die Daten stammen aus den USA und Großbritannien und dürften auch auf Deutschland übertragbar sein, da die Forscher keine signifikanten Unterschiede zwischen beiden Ländern ausmachen konnten. Schon dieser Befund erstaunt, da das Gesundheitssystem der USA zu weiten Teilen auf dem Einkommen der Patienten basiert, während die Briten ein öffentliches Gesundheitswesen haben, welches jedem Bürger offensteht. Für die Studie wurden Daten von 10.754 beziehungsweise 14.803 Erwachsenen im Alter von 50 Jahren ausgewertet. Die Briten nahmen an der Longitudinalstudie des Alterns (ELSA) teil, die US-Bürger an der amerikanischen Health and Retirement Study (HRS). Die Daten wurden ab dem Jahr 2002 erhoben und über einen Zeitraum von zehn Jahren verfolgt.

Beschwerdefreies Leben

Die Forscher untersuchten nicht die verbleibende gesamte Lebenserwartung, sondern die Zeit, die den 50-Jährigen noch für ein beschwerdefreies Leben bleibt. Sie untersuchten also Jahrgänge, die vor 1952 geboren wurden. Dr. Paola Zaninotto, die Hauptautorin der Studie, sagte: "Während die Lebenserwartung ein nützlicher Indikator für Gesundheit ist, ist die Lebensqualität im Alter ebenfalls entscheidend. Durch die Messung der gesunden Lebenserwartung können wir die Anzahl der Lebensjahre, die wir in einem günstigen Gesundheitszustand oder ohne Behinderung verbringen, schätzen."

Mehrere äußere Faktoren beeinflussen die beschwerdefreie Lebenserwartung, aber der dominante Faktor ist der Wohlstand. Er wurde auf der Basis des Netto-Gesamtvermögens gemessen. Dann wurden Vergleiche zwischen dem reichsten und dem am wenigsten wohlhabenden Drittel angestellt. Die Vergleichsgruppen sind mit 33 sehr groß gewählt. Es wurden also nicht kleine Gruppen extrem Reicher und extrem Armer verglichen.

Neun Jahre Differenz

Die reichsten Männer im Alter von 50 Jahren können demnach noch mit etwa 31 "gesunden" Jahren rechnen. Man könnte sagen, sie können statistisch gesehen ihr Leben bis 81 unbeschwert genießen. Bei armen Männern sind es nur etwa 22 Jahre, was einem Alter von 72 entspricht. Bei den Frauen findet sich das gleiche Muster, nur dass ihre "Gesundheitserwartung" für beide Gruppen etwas länger als die der Männer ist. Sie beträgt 83 und 74 Jahre. Auch das ist ein erstaunlicher Befund, denn die "Gesundheitserwartung" von Frauen ist demnach kaum höher als die der Männer. Und in den Jahrgängen vor 1952 war es durchaus noch üblich, dass Frauen deutlich weniger gearbeitet haben und weniger rauchen und trinken, als die Männer. In Deutschland liegt die Gesamtlebenserwartung dieser Jahrgänge etwa vier bis fünf Jahre auseinander.

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Da nur Personen mit mindestens 50 Lebensjahren in die Studie aufgenommen wurden, ergeben sich nur Erkenntnisse über das Leben von Älteren. Frühere Tode werden ausgeblendet und daher zwischen den Gruppen nivelliert. Da anzunehmen ist, dass das Risiko eines frühen Todes unter 50 bei den Ärmeren auch höher ist als bei den Wohlhabenden, dürfte ihre Lebenserwartung noch stärker unter der der Reichen liegen.

Bündel an Ursachen

Als Ursachen für die Unterschiede kommen sehr unterschiedliche Faktoren infrage. Zu den klassischen Erklärungen zählen der Anteil schwerer körperlicher Arbeit und schlechtere medizinische Versorgung. Es wird aber auch angenommen, dass Lebensweisen und Gewohnheiten einen großen Einfluss haben - Arme und Reiche sich also in Punkten wie gesunder Ernährung, sportlicher Aktivität, Tabak- und Alkoholkonsum unterscheiden. Überträgt man die Ergebnisse der Studie auf das deutsche Rentensystem, erkennt man die politische Brisanz. Bei einem Renteneintritt von 65 Jahren blieben einem vermögenslosen Mann im Durchschnitt nur sieben Jahre beschwerdefreier Ruhestand, der Reiche kann dagegen mit 16 schönen Jahren rechnen. Das ist mehr als das Doppelte.

Quelle: Journal of Gerontology
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