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Golf von Mexiko: Ölschwaden in der Tiefsee entdeckt

Auch nach 50 Tagen ist kein Ende der Ölpest am Golf von Mexiko in Sicht. Die US-Behörde für Ozeanographie hat jetzt bestätigt, dass weit entfernt von der versunkenen Bohrplattform große Ölschwaden unter Wasser treiben.

Was passiert, wenn Rohöl in 1500 Metern Tiefe ins Meer sprudelt? Es steigt auf, bildet einen Ölteppich. Doch ein Teil bleibt offensichtlich unter Wasser. Die US-Behörde für Ozeanographie (Noaa) bestätigte jetzt, dass es weit entfernt von der Unfallstelle zwei große Unterwasser-Ölschwaden gibt, die von dem Unglück herrühren. Die Konzentration der Ölrückstände ist zwar gering, doch schon das Ausmaß der Schwaden stellt ein Problem dar. Laut einem Bericht der "New York Times" breitet sich eine der Wolken über 5,5 Kilometer aus und ist bis zu 460 Meter hoch. Biologen befürchten zum Beispiel, dass Eier und Embryos sterben, wenn sie sich längere Zeit in diesen Unterwasserwolken treiben. Von den Folgen des "Deepwater Horizon"-Untergangs sind also auch Meerestiere bedroht, die in größeren Tiefen leben.

Eine Unterwasser-Schwade befindet sich nach Angaben von Noaa-Chefin Jane Lubchenko gut 260 Kilometer von der Unglücksstelle entfernt, eine andere rund 78 Kilometer. Dass die Existenz der Ölwolken bestätigt wurde, ist ein weiterer Schlag für BP. Der Ölkonzern hatte noch vergangene Woche behauptet, dass keine Schwaden unter Wasser vorhanden sind.

Am Montag hatte die für Wildtiere zuständige Behörde (U.S. Fish and Wildlife Service) von mehr als 1000 ölverschmierten Vögeln berichtet, die - tot oder lebendig - an der Küste gefunden worden seien. Von der Ölpest sind bisher hauptsächlich die Strände und Marschen von Louisiana betroffen, aber auch in Alabama, Mississippi und Florida wird immer mehr schweres Öl angeschwemmt.

Bis zu 185.000 Tonnen Öl im Meer

BP pumpt zurzeit einen Teil des aus dem Steigrohr am Meeresboden austretenden Öls auf ein Schiff. Wie Admiral Thad Allen, der Chef der US-Küstenwache, sagte, konnte die tägliche Menge mittlerweile auf gut 2000 Tonnen (rund 2,3 Millionen Liter) gesteigert werden. Wie viel Öl aus dem Leck kommt, ist aber nach wie vor unklar: Nach offiziellen Schätzungen könnten es bis zu 3400 Tonnen täglich sein. Wissenschaftler glauben, es ist noch mehr. Insgesamt könnten bisher schlimmstenfalls rund 185.000 Tonnen im Meer gelandet sein, rechnete die "New York Times" aus. Das entspricht rund 214 Millionen Litern.

Wie schnell BP das Leck schließt, mag sogar der Ölkonzern selbst nicht mehr abschätzen. Bis Montag oder Dienstag kommender Woche solle der größte Teil aufgefangen werden, sagte BP-Chefingenieur Doug Suttles am Dienstag - dann werde nur noch ein "relatives Rinnsal" ins Meer fließen. BP wollte dann aber nicht zu seiner Aussage stehen und erklärte kurz nach Suttles' Interview, es werde länger dauern, bis man den Ölstrom als Rinnsal bezeichnen könne. Das Unternehmen sei jedoch optimistisch, dass im Laufe der Woche messbare Fortschritte erzielt werden könnten, erklärte BP.

DPA/Reuters/bub / DPA / Reuters