Hirnforschung Stress kurbelt das Gedächtnis an

Wissenschaftler testeten an Mäusen wie sich Stress auf das Erinnerungsvermögen auswirkt
Wissenschaftler testeten an Mäusen wie sich Stress auf das Erinnerungsvermögen auswirkt
© Colourbox
An Erlebnisse, die verbunden sind mit Stress oder Angst, kann man sich viel leichter erinnern als an neutrale Situationen. Wissenschaftler haben in einem Experiment an Mäusen herausgefunden welche Mechanismen dafür verantwortlich sind, dass Stresssituationen sich tiefer in das Gedächtnis eingraben.

Der Botenstoff Noradrenalin im Gehirn ist verantwortlich dafür, dass mit Emotionen verbundene Ereignisse leichter im Gedächtnis bleiben. Das schließen amerikanische Wissenschaftler aus Experimenten an Mäusen. Demnach erhöhen Angst oder Stress den Noradrenalinspiegel im Gehirn. Dadurch werden mehr für das Erinnern wichtige Moleküle an die Oberfläche der Nervenzellen gebracht und ermöglichen so, dass die Mäuse sich leichter an bestimmte Situationen erinnern. Ihre Ergebnisse stellen die Forscher um Hailan Hu vom Cold Spring Harbor Laboratory in New York im Fachmagazin "Cell" vor

Um den Noradrenalinspiegel im Gehirn der Mäuse künstlich zu erhöhen, spritzten die Wissenschaftler den Tieren Adrenalin. Anschließend setzten sie die Mäuse für zwei Minuten in einen Käfig, um sie an die neue Umgebung zu gewöhnen. Diese Prozedur wiederholten sie am darauf folgenden Tag, versetzten den Mäusen dabei aber einen leichten Stromschlag. Am dritten Tag beobachteten sie, wie sich das Verhalten der Mäuse im Käfig verändert hatte: Die Tiere erstarrten vor Schreck und wagten es nicht mehr, sich zu bewegen. Sie erinnerten sich an den Stromstoß im Käfig, sagen die Forscher.

Kokain wirkt ähnlich stressfördernd wie Neoadrenalin

Eine Vergleichsgruppe von Mäusen, der vor den Versuchen kein Adrenalin gespritzt worden war, zeigte am dritten Tag des Experimentes allerdings deutlich weniger Angst im Käfig. Offenbar erinnerten sie sich nicht mehr so gut an den Stromschlag, betonen die Forscher. Wurden die Versuchstiere dagegen vor dem Experiment in eine mit Fuchsurin getränkte Kiste gesetzt, zeigten sie das gleiche Ausmaß an Angst, wie die Tiere, denen zuvor Adrenalin gespritzt worden war. Der Fuchsurin versetze die Mäuse in eine Stresssituation, auch das erhöhe die Noradrenalinkonzentration im Gehirn, betonen die Wissenschaftler.

Wahrscheinlich verändert das Noradrenalin ein für das Gedächtnis wichtiges Eiweiß in den Nervenzellen. Dieses werde so häufiger vom Inneren der Zelle an ihre Oberfläche transportiert. Wenn sich die Mäuse nun eine neue Information merken sollen, wie beispielsweise den Stromschlag im Käfig, stehen ihnen viel mehr Moleküle auf der Zelloberfläche zur Verfügung, die für die Verarbeitung dieser Information zuständig sind. So bleibe diese Situation den Mäusen leichter im Gedächtnis. Allerdings beeinflusst nicht nur Noradrenalin dieses Eiweiß der Nervenzellen. Auch bestimmte Medikamente oder Kokain wirken ähnlich. Die Forscher erhoffen sich deshalb, auch mehr darüber zu lernen, wie solche Stoffe Lernen und Gedächtnis beeinflussen.

DDP DDP

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