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Hurrikan bedroht US-Ostküste: Was "Sandy" so gefährlich macht

1500 Kilometer Durchmesser: Hurrikan "Sandy" gehört zu den größten Wirbelstürmen seit Beginn der Messungen. Neben heftigen Windböen bedrohen vor allem gewaltige Wassermassen die Ostküste der USA.

Allein die schiere Größe von Hurrikan "Sandy" ist furchteinflößend: 1500 Kilometer Durchmesser umfasst der tropische Wirbelsturm, der sich unaufhaltsam der Ostküste der USA nähert. "Das ist schon ganz enorm", sagt Dorothea Paetzold vom Deutschen Wetterdienst. Gemessen an der Fläche, stehe "Sandy" damit bereits jetzt gemeinsam mit dem Hurrikan Lili, der 1996 auftrat, auf dem zweiten Platz. Nur Olga (2001) war mit etwa 2000 Kilometern Durchmesser noch größer.

"Schwierig ist für die Amerikaner die Berechnung der genauen Zugbahn", erläutert Paetzold. Von Westen nähere sich in höheren Luftschichten ein Tief. "Und Tiefdruckgebiete kurbeln immer die Zirkulation an." Wenn beide Wetterphänomene aufeinandertreffen, wird "Sandy" an Kraft gewinnen. Im Laufe des Abends (Ortszeit) soll der Sturm südlich von New York an Land treffen. Nach Einschätzung des Hurrikanzentrums in Florida wird das Auge des Sturms im südlichen New Jersey, gute 100 Kilometer südlich des "Big Apple", die Küste erreichen.

Bis zu 400 Liter Regen pro Quadratmeter möglich

Mit enormen Schäden ist zu rechnen: Neben heftigen Windböen drohen vor allem Überflutungen. Nach Computerberechnungen könnte es bis Mittwoch 300 bis 400 Liter pro Quadratmeter regnen, so die DWD-Expertin. Und das in einem Gebiet mit Städten wie Washington, Philadelphia, Boston und der Millionenmetropole New York.

Das Nationale Hurrikanzentrum befürchtet ein Anschwellen des Sturmes und warnt neben starken Regenfällen und Hurrikan-starken Böen an der Küste auch vor heftigen Schneefällen in den Appalachen. Das Unwetter nimmt an Stärke zu: Waren um 2 Uhr morgens Ortszeit noch Windgeschwindigkeiten von 120 Kilometern pro Stunde gemessen worden, haben diese inzwischen 150 km/h erreicht.

"Normalerweise kennen wir, dass Hurrikans über Florida ziehen, über Kuba oder den Golf von Mexiko", erläutert Paetzold vom DWD. Aber es komme auch immer mal vor, dass die Ostküste der Vereinigten Staaten erwischt werde. "Das ist nicht ganz so häufig wie in den übrigen Regionen, aber eben möglich."

Laut DWD ist der Monstersturm "Sandy" für Ende Oktober sehr ungewöhnlich: "Eigentlich ist die Hurrikan-Zeit vorbei." In diesem Fall seien äußerst große Luftmassengegensätze für das erwartete Jahrhundert-Unwetter verantwortlich: Der warme Hurrikan treffe auf die kalte kontinentale Luftmasse.

Europa bleibt von solchen Stürmen verschont

Die Menschen in Europa müssen sich aber vor solchen Stürmen nicht fürchten. Es sei praktisch unmöglich, dass ein derartiger Wirbelsturm etwa Deutschland erreiche, sagte Wolfgang Seifert vom DWD in Hamburg. Wie der Experte erklärte, entstehen Hurrikane nur dort, wo die Wassertemperatur über 27 Grad beträgt - also im subtropischen Atlantik - und ziehen dann meistens in die Golfregion.

Bevor sie in Europa aufschlagen könnten, müssten die Riesenstürme über den Atlantik ziehen - dabei würde sie das kältere Wasser abschwächen. "Hurrikane im klassischen Sinn gibt es hier nicht", sagt Seifert. Allerdings könne es zu sehr heftigen Unwettern kommen.

Julia Kilian, DPA / DPA