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Japans Walfang: Wie Walfleisch auf dem Teller landet

Vor einem Monat kehrte die japanische Walfangflotte nach der Jagd im Südpolarmeer wieder in ihre Heimat zurück - mit 551 getöteten Zwergwalen an Bord. Nach Angaben der Umweltorganisation Greenpeace schmuggelten Besatzungsmitglieder Walfleisch von Bord, das an Restaurants verkauft wurde.

Mit wissenschaftlichem Interesse begründen die Japaner den jährlichen Einsatz ihrer Walfangflotte. Allein zu "Forschungzwecken" also sollten in diesem Jahr rund 850 Zwergwale und 50 Finnwale erlegt werden. Kommerzieller Walfang ist weltweit seit 1986 geächtet. Nur indigenden Völkern ist Walfang in gewissem Maße erlaubt - und möglich ist eben auch der Fang zu "wissenschaftlichen Zwecken". Das Fleisch der Meeressäuger darf allerdings später verkauft werden - und landet in Japan auf dem freien Markt. Doch nicht nur das: Nach Angaben der Umweltschutzorganisation Greenpeace sollen dieses Jahr Besatzungsmitglieder der Flotte Walfleisch in großem Stil unterschlagen haben.

Greenpeace-Aktivisten hätten am 15. April dokumentiert, wie diverse Kartons, die als persönliches Gepäck gekennzeichnet waren, vom Fangschiff "Nisshin Maru" abgeladen wurden. In einem der Kartons, den die Umweltschützer sicherstellten, hätten sich 23 Kilogramm Walfleisch befunden. Marktwert: 3000 US-Dollar. Das Fleisch habe man der japanischen Staatsanwaltschaft übergeben. Laut Greenpeace schmuggelten Besatzungsmitglieder 20 solcher Kartons von Bord. "Kyodo Sempaku", das verantwortliche Unternehmen, sei darüber informiert. Auch das Institut für Walforschung (ICR), das den angeblich wissenschaftlichen Walfang verantwortet, soll von den weitreichenden Regelverstößen gewusst haben. Das Institut finanziert sich ausschließlich aus japanischen Steuermitteln und dem offiziellen Verkauf von Walfleisch.

Einsatz im Südpolarmeer

"Eine öffentliche Untersuchung in Japan muss jetzt das Ausmass des Skandals zeigen", sagt Greenpeace-Meeresexperte Thilo Maack. "Offensichtlich steckt unter der Maske der Wissenschaft die Fratze der Geldgier. Der Walfang muss sofort beendet werden. Er fordert die deutsche Regierung auf "noch mehr Druck zu machen".

Der Einsatz der japanischen Fangflotte war dieses Jahr von mehreren Zwischenfällen überschattet. Nicht nur das Greenpeace-Schiff "Esperanza" verfolgte die Walfänger, um deren Einsatz zu dokumentieren, sondern auch ein Schiff der Organisation "Sea Shepherd". Im Januar enterten zwei "Sea Shepherd"-Mitglieder ein Fangschiff, im März bewarfen die Umweltschützer die Walfänger mit Buttersäure. Zudem beobachtete die Besatzung der "Oceanic Viking", einem Schiff der australischen Regierung, das Treiben der japanischen Fangflotte auf See. Die Australier fotografierten auch, wie die Walfänger zwei Zwergwale an Bord zogen. Das Schießen solcher erschreckenden Bilder wollen die Walfänger unbedingt vermeiden. Die zahlreichen Zwischenfälle sorgten dafür, dass die Japaner ihre gesetzte Fangquote nicht erfüllen konnten. Statt 850 Zwergwalen erledigten sie nur 551.

bub