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Klimawandel: Grönlandeis könnte schneller schmelzen

Die Folgen des Klimawandels könnten noch deutlich dramatischer ausfallen als bisher angenommen. Das berichtet eine internationale Forschergruppe unter Beteiligung Potsdamer Wissenschaftler. Die Klimaschutzprogramme könnten demnach vor allem eines sein: nicht ausreichend.

Ihre Ergebnisse veröffentlichte das Team um Stephen Schneider von der US-amerikanischen Stanford Universität in den "Proceedings" der nationalen Akademie der Wissenschaften (PNAS). Hans-Martin Füssel vom Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung (PIK) sagte: "Wir müssen die Risiken negativer Auswirkungen des Klimawandels auf Mensch und Natur heute höher einschätzen als noch vor einigen Jahren".

Es zeige sich, dass vor allem sensible Ökosysteme wie tropische Korallenriffe empfindlicher auf die globale Erwärmung und den Anstieg der Kohlendioxidwerte reagieren als bisher angenommen. Die Klimaforscher beobachteten zum Beispiel eine dramatische Versteppung des Amazonas-Regenwaldes, dessen Rodung dem Boden auf ewig Mineralstoffe entziehe. Ein neuer Regenwald könne dort nicht mehr wachsen. Außerdem muss das Schmelzen des Grönlandeises aus Sicht der Experten neu eingeschätzt werden. Auf Grundlage aktueller Daten könnte es sich viel schneller zurückziehen als erwartet.

Erst vor einer Woche hatte der US-Forscher Christopher Field darauf hingewiesen, dass der Mensch derzeit trotz aller Bemühungen zur Eindämmung des Ausstoßes klimaschädlicher Gase mehr Kohlendioxid in die Atmosphäre entlässt als noch in den 90er Jahren. Der Ausstoß an Kohlendioxid stieg demnach seit 2000 um 3,5 Prozent jährlich. In den 90er Jahren betrug die Zunahme nur 0,9 Prozent, erklärte Field.

Ereignisse wie Hurrikan "Katrina" und die Hitzewelle von 2003 in Europa, die zehntausende Menschen das Leben gekostet haben soll, hätten gezeigt, dass die Fähigkeit zur Anpassung geringer sei als erwartet, erklärten die IPCC-Forscher. Extreme Wetterereignisse wie Dürreperioden, Hitzewellen und tropische Wirbelstürme würden heute häufiger und mit größeren Folgeschäden auftreten, als noch zu Beginn des Jahrzehnts vermutet worden war. Für weite Landstriche der Erde erwarten die Forscher extreme Temperaturen, in Indien und Australien bis zu fünfzig Grad Celsius.

Das Autorenteam hat unter anderem den Ausstoß von Treibhausgasen und den globalen Temperaturanstieg der vergangenen Jahre beobachtet. Die Werte lägen im oberen Bereich früherer Prognosen des Weltklimarats IPCC, heißt es in dem Bericht. Die Forscher beziehen sich in ihrer Studie auf den dritten Bericht des IPCC aus dem Jahr 2001.

Die Regierungen müssten auf den Wandel mit nachhaltigeren Klimaschutzprogrammen reagieren, fordern die Forscher. Ansonsten werde die Natur unumkehrbar geschädigt. "Die Zielvorgaben der EU stellen lediglich ein Minimalziel dar", sagte PIK-Direktor Hans Joachim Schellnhuber. Um Klimaschäden einzudämmen, hatte sich die Europäische Union auf ein Klimaschutzprogramm geeinigt. Bis zum Ende des Jahrhunderts soll die Temperatur demnach um nicht mehr als zwei Grad ansteigen. Laut Schellnhuber ist dies nicht ausreichend.

An der Studie waren Wissenschaftler aus den USA, Indien, Deutschland, Kanada, Simbabwe, Australien, Bangladesch, Kuba und Belgiens beteiligt.

DPA/AP / AP / DPA