HOME
Kommentar

Insekten in Gefahr: "Wer Bienen retten will, sollte Bio kaufen"

Eigentlich ist der Kampf gegen das Bienensterben ganz einfach. Wir müssen nur unsere Konsumgewohnheiten überdenken.

Tote Biene

Gefahr durch Pestizide und Insektizide: Bienen, aber auch andere Insekten, leiden

Getty Images

Eine blühende Bienenweide im Garten ist schön. Ein Insektenhotel auch. Wer sogar eine schlappe Biene mit einem Löffel Zuckerwasser aufpäppelt ist ein echter Freund der Honigsammler. Aber nichts hilft gegen den Bienentod so gut wie Bio.

In den vergangenen Wochen habe ich für den stern recherchiert, warum die Bienen sterben. Die Sache ist kompliziert. Den einen Schuldigen gibt es nicht. Und "Bienensterben" müsste eigentlich "Insektensterben" heißen. Denn die Honigbiene ist von allen Bestäubern am wenigsten gefährdet. Sie ist ein Nutztier, wird gezüchtet und ist im Bestand sicher nicht gefährdet.

Trotzdem ist es richtig, Bienen zu schützen und zu retten. Wenn es der Biene gut geht, geht es allen anderen Kriechern und Krabblern auch wieder besser.

Was also ist zu tun?

Neulich traf ich Felix Prinz zu Löwenstein auf seinem Gutshof in Hessen. Er bewirtschaftet 160 Hektar Land und gehört damit zu den Großbauern in Deutschland. Früher war er ein Landwirt, der mit Pestiziden, Herbiziden und Fungiziden die Natur bekämpfte. Heute ist er erfolgreicher Biobauer und Vorsitzender beim Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft. Er gibt eine klare Antwort auf die Frage, was den Bienen hilft: "Kaufen Sie mehr Bio, essen Sie weniger Fleisch."


Löwensteins Argument: Insekten fühlen sich auf Biohöfen wohler, als auf den Äckern der "konventionellen Bauern". Denn dort werden Insekten, Pilze und Unkräuter mit der Giftspritze verfolgt. Biohöfe sind im Vergleich dazu wahre Paradiese für Honigbienen, Wildbienen und alle anderen Insekten.

Man lernt eine Menge bei Löwenstein. Zum Beispiel: Schädlinge und Nützlinge halten sich auf dem Acker oft gegenseitig in Schach. Wenn man den Schädling killt, findet der Nützling (Florfliege, Schlupfwespe) keinen mehr zum Fressen. Eigentlich logisch.

Wenn es keine Blühstreifen zwischen den mit Gift behandelten Feldern gibt, finden Bienen und alle anderen Nützlinge weder Unterschlupf noch Nahrung.

Wenn der Randstreifen entlang des Ackers mit dem Mähwerk so raspelkurz gehäckselt wird, dass keine Blume blühen kann, dann veröden Flora und Fauna.

Wenn feuchte Wiesen trocken gelegt werden. Wenn Hecken und Sträucher abgeholzt und herausgerissen werden. Wenn Totholz gleich weggeräumt wird. Wenn dauernd Gift gespritzt wird – ja, dann hat die Biene bei uns keine Zukunft.

Biobauern sind dazu gezwungen, Nützlinge am Rand ihrer Felder zu hätscheln. Nicht weil sie bessere Bauern sind, sondern weil sie die Nützlinge brauchen, um die Schädlinge auf ihren Äckern zu dezimieren.

Bio ist aber teurer? "Ja, stimmt", sagt Löwenstein. Dann berichtet er von einem Projekt in Kopenhagen. Dort wurde beschlossen, dass in allen Kantinen der Stadt das Essen zu 90 Prozent aus Bioware gekocht werden soll. Also in Schulen, Pflegeheimen, Kindergärten, Obdachlosenasylen und natürlich auch in der Rathauskantine. Insgesamt über 66.000 Mahlzeiten pro Tag. Die Bedingung war: Das Essen darf nicht mehr kosten als vorher. "Es hat geklappt", sagt Löwenstein. Aber eines hatte sich auf den Tellern verändert: Es liegt weniger und seltener Fleisch darauf.

Sind uns die Bienen diesen Verzicht wert?

Wir Verbraucher können die Landwirte zur Veränderung zwingen. Wie? Wann immer es geht - und wann immer wir es uns leisten können, Bio kaufen.