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Berühmtes Affen-Selfie: Warum die zwei Gorillas aufrecht wie Menschen für ein Selfie posieren

Sie stehen aufrecht und blicken in die Kamera: Ein Foto von zwei Gorillas im Virunga Nationalpark im Kongo wird seit Tagen im Internet geteilt. Doch die Aufnahme ist nur auf den ersten Blick lustig. Sie hat einen traurigen Hintergrund.

Gorilla-Selfie

Zwei Gorillas des Virunga Nationalparks in Kongo begeistern seit Tagen die Netzgemeinde. Ranger haben Ende vergangener Woche ein Selfie der Tiere auf Facebook veröffentlicht. Die Bildüberschrift lautet "Ein ganz normaler Tag im Büro". Doch "normal" ist an dieser Aufnahme wenig.

Vielen Usern fällt das ungewöhnliche Verhalten der Gorillas auf. Sie scheinen für die Kamera zu posieren - aufrecht stehend wie Menschen. Warum tun sie das?

Bei den Tieren handelt es sich um zwei weibliche Berggorillas, die Ndakazi und Ndeze heißen. Die beiden wurden als verwaiste Jungtiere im Sommer 2007 aufgefunden, ihre Mütter wurden von Wilderern umgebracht. Seitdem wachsen die Tiere in einem speziellen Zentrum für verwaiste Berggorillas auf, dem Senkwekwe Center

Innocent Mburanumwe ist stellvertretender Direktor des Virunga Nationalparks und erklärt im Gespräch mit "BBC Newsday", dass Primaten in freier Wildbahn üblicherweise nicht aufrecht auf zwei Füßen stehen. Sie würden das nur in Ausnahmefällen tun - etwa wenn sie sehr neugierig seien und sich einen Überblick verschaffen wollen. 

Berggorillas ahmen Menschen nach

Im Fall von Ndakazi und Ndeze sei das anders, da die Tiere von Menschenhand aufgezogen wurden. "Sie denken also, dass diese Ranger ihre Eltern seien", so Innocent Mburanumwe. Die Tiere haben demnach gelernt, Verhaltensweisen von Menschen nachzuahmen, weil sie von frühster Kindheit an an Menschen gewöhnt waren. Dazu gehört auch: aufrecht zu stehen.

Diese Einschätzung teilt Frans de Waal, Wissenschaftler auf dem Gebiet der Primatologie. Wie er der "Washington Post" verriet, ist es durchaus üblich, dass Tiere die Mimik oder die Körperhaltung ihrer menschlichen Pfleger nachahmen. Für Primaten trifft das ganz besonders zu, da ihr Körperbau dem von Menschen "ähnlich" sei, was das Verhalten erleichtere. 

Der Grund, warum Gorillas menschliches Verhalten imitieren sei nicht "weil sie denken, dass es Spaß macht", betont de Waal. Sondern weil "sie sich mit denen identifizieren, die sich um sie kümmern."

Ranger sprechen Warnung aus

Angesichts des Hypes um das Foto warnen die Ranger des Nationalparks davor, die Gefahren, die von Berggorillas ausgehen, zu unterschätzen. "Wir möchten betonen, dass sich diese Gorillas in einem abgeschlossenen Zufluchtsort für verwaiste Gorillas befinden, in dem sie seit ihrer Kindheit leben", heißt es in einem Facebook-Post. "Es sind außergewöhnliche Umstände, in denen das Foto entstanden ist. Es ist niemals erlaubt, sich einem Gorilla in freier Wildbahn zu nähern."

 Berggorillas gelten als stark vom Aussterben bedroht. Nach Angaben des WWF  leben rund 1000 Tiere in freier Wildbahn, etwa im Ost-Kongo an der Grenze zu Ruanda und Uganda. Zuletzt hatte sich die Population der Tiere deutlich erholt.

Doch das Überleben der Tiere ist keineswegs gesichert. Die Berggorillas werden nach wie vor durch Abholzung, Wilderei und Draht- oder Seilfallen bedroht. Diese Fallen werden üblicherweise für Antilopen aufgestellt, aber sie können auch für Berggorillas zur tödlichen Gefahr werden. Der WWF zählte und zerstörte zuletzt 380 solcher Fallen allein im Virunga-Nationalpark. 

Quellen: BBC Newsday / WWF / Washington Post

ikr