Nachwuchs-Förderung Laserstrahlen und Bananen-DNA


Für den naturwissenschaftlichen Nachwuchs hat das Rudolf-Virchow-Zentrum für experimentelle Biomedizin an der Universität Würzburg ein Kinderlabor eingerichtet. Dort können Kinder in ihrer Freizeit in einem Forschungslabor Experimente durchführen.

"Papier isoliert und Holzklammern leiten auch nicht. Aber die Gabel leitet", sagt der zehnjährige Fabian stolz und schließt mit dem Besteck seinen Stromkreis. Das kleine Lämpchen am Ende der beiden Kabel und Fabians Augen hinter der rot umrandeten Schutzbrille leuchten. Zusammen mit anderen Acht- bis Zwölfjährigen tüftelt der eifrige Nachwuchswissenschaftler in seiner Freizeit in einem Forschungslabor für Kinder. Eingerichtet hat es vor kurzem das Rudolf-Virchow-Zentrum für experimentelle Biomedizin an der Universität Würzburg. Experimente aus der Physik, Chemie, Biologie und Medizin stehen auf dem Programm.

Schulen nicht alleine lassen mit der naturwissenschaftlichen Förderung

"Wir wollen Kindern in der Phase, in der sie besonders neugierig sind, zeigen, wie spannend Wissenschaft sein kann", sagt der Leiter des Zentrums, Martin Lohse. Auch der 47-jährige Wissenschaftler hat klein angefangen: mit einem Experimentierkasten, den er als Bub geschenkt bekam. Doch ausgestattet mit eben diesem oder wenigstens einem Hang zur Naturwissenschaft würden viele Kinder allein gelassen, meint er. "Auch Schulen haben meist nicht die Ressourcen, um Experimente durchzuführen. Dazu braucht es privilegierte Bedingungen", sagt Lohse. Diese will "Rudi’s Forschercamp" am Rudolf-Virchow-Zentrum den Buben und Mädchen bieten.

Die Laserstrahlen haben es Fabian, Benedikt und Thomas besonders angetan. Biomedizin-Student Thomas Premsler, einer von vier Studierenden im Betreuerteam, zeigt den Kindern in einem dunklen Raum, wie Spiegel oder gewölbte Linsen einen Lichtstrahl umlenken können. Fabian spritzt etwas Wasser auf das Trockeneis und in den aufsteigenden Nebelschwaden wird der Lauf des roten Laserstrahls besser sichtbar. "Woaahh - machen die das so bei ’Star Wars’?", will einer der Jungforscher im knielangen weißen Kittel fasziniert wissen. Nebenan beobachten seine Kameraden, wie eine Kompass-Nadel im Magnetfeld abgelenkt wird. "Deshalb sollte man auf einem Schiff nie einen Magneten neben den Kompass legen", stellt ein Bub fest.

Labor soll möglichst realistisch

An insgesamt vier Nachmittagen probieren die Kinder beispielsweise auch, die DNA einer Banane zu isolieren oder bringen mit Backpulver, Spülmittel und Zitronensäure einen selbst gebastelten Vulkanberg aus Sand zum Ausbruch. Die praktischen Experimente stehen im Kinderlabor im Vordergrund, die Theorie wird sozusagen nebenbei mitgeliefert. "Was hiervon bleibt, ist nicht ein einzelnes Faktenwissen, sondern die Herangehensweise und die Erkenntnis, dass Experimente Spaß machen können", sagt Institutsleiter Lohse.

Die Geräte für das Kinderlabor werden vom Reagenzglas bis zur Zentrifuge zum Teil von Unternehmen gesponsert. "Wichtig ist, dass das Labor möglichst authentisch ist", betont Projektleiterin Kerstin Endele. Insgesamt 150 Kinder - jeweils neun in einer Gruppe - dürfen bis Sommer 2005 Laborluft schnuppern. Dabei wurden nicht etwa ganze Schulklassen eingeladen. "Wir wollten gezielt einzelne Kinder ansprechen, die sich auch Zuhause für Naturwissenschaften interessieren", erklärt Endele. Die kostenlosen Kurse waren innerhalb weniger Tage nach Projektstart ausgebucht. "Die Resonanz zeigt, dass wir mit unserem Angebot richtig liegen", sagt Lohse, "Sie zeigt aber auch, wie groß der Hunger ist".

Das Rudolf-Virchow-Zentrum wurde im Januar 2002 gegründet. Es gehörte zu einem von drei bewilligten Projekten, mit denen die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) so genannte "Centers of Excellence" fördert. Insgesamt 20 Millionen Euro fließen von der der DFG in bis Mitte kommenden Jahres in das Institut. Machen die rund 80 Wissenschaftler ihre Arbeit gut, wird es weitere vier (maximal zwölf) Jahre finanziert. Die zehn Arbeitsgruppen am Zentrum, das nach dem Wissenschaftler Rudolf Virchow benannt ist, der hier vor rund 150 Jahren das Konzept der "Zellularpathologie" entwickelte, arbeiten auf dem Feld der Schlüsselproteine - Proteine, die für die Funktion von Zellen und damit für Gesundheit und Krankheit besonders wichtig sind. Zum Institut gehört auch ein Lehr- und Ausbildungsbereich. Angeboten wird ein Studiengang "Biomedizin" und eine "Graduate-School" für Doktoranden.

Von Claudia Möbus, DPA


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