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Naturdoku "Unsere Erde": Faszinierende Kreaturen vor der Kamera

40 Kamerateams waren fünf Jahre lang unterwegs, drehten an mehr als 200 Orten. Sie froren bei minus 30 Grad in der Arktis, flogen mit dem Helikopter durch Sandstürme in Afrika und düsten im Militärjet um den Gipfel des Mount Everest. Am 7. Februar kommt die aufwendigste Natur-Doku aller Zeiten in die Kinos.

Von Horst Güntheroth

Der Ort hat beste Lage: mildes Klima, angenehme Atmosphäre, reichlich Wasser. Die Adresse: dritter Planet des Sonnensystems, eine kosmische Kugel namens "Erde". Der Himmelsball ist eine Oase im Weltraum, der einzige bekannte Platz im Universum, der etwas ganz Besonderes hervorgebracht hat - Leben.

Und was für welches! Fantastische Kreaturen zu Wasser, zu Land und in der Luft. Diese wunderbaren Geschöpfe sind die Hauptdarsteller in einem neuen Film. Im Auftrag von BBC Worldwide und der Greenlight Media AG drehten die britischen Regisseure Alstair Fothergill und Mark Linfield die bislang aufwendigste und teuerste Natur-Doku aller Zeiten; am 7. Februar kommt sie in die Kinos. "Unsere Erde" heißt das Epos, eine Liebeserklärung an den Planeten. "Der Film hat meine Sicht auf den Globus verändert, weil mir klar wurde, wie einzigartig unsere Heimat ist", sagt Linfield, "ich hoffe, er wird das gleiche Gefühl bei den Zuschauern erzeugen." Bestimmt.

Filmmusik von den Berliner Philharmonikern

In 98 Minuten geht es im Leinwand-Spektakel vom Nord- zum Südpol, durch die verschiedensten Klimazonen mit ihren exotischen Bewohnern. Atemberaubend allein die grandiosen Landschaften. Doch erst recht die Wesen, die sie bevölkern: Eisbären und Elefanten, Buckelwale und Steinadler, Wölfe und Wildhunde, Schimpansen und Paradiesvögel. Und jede Menge mehr. Berauschende Bilder hat die Kamera von allen eingefangen. Die Musik zum Film kommt von den Berliner Philharmonikern, den Kommentar spricht Ulrich Tukur.

Die Produktionszeit für das Mammut-Unternehmen währte fünf Jahre, 40 Aufnahmeteams waren unterwegs in unwegsamstem Gelände - vom Regenwald in Papua-Neuguinea bis in die kargen Höhen des Himalaya. An insgesamt 206 Orten in 26 Ländern wurde gefilmt. Mehr als 4000 Drehtage kamen zusammen, allein 250 Tage Luftaufnahmen. Das Projekt verschlang über 40 Millionen Euro, inklusive einer parallel produzierten TV-Serie.

Standby bei minus 30 Grad

Dabei kamen viele der Bilder keineswegs nur durchs endlose Warten auf den richtigen Augenblick zustande, sondern durch den richtigen Kniff. So musste etwa für die Eisbären-Aufnahmen die Kamera mit dem 800-Zoom-Objektiv bei arktischen Temperaturen von unter minus 30 Grad ständig warm gehalten werden und auf standby laufen, um sofort loslegen zu können, wenn sich etwa ein Bärenbaby vor der Schneehöhle zeigte. Um die Jagd des Weißen Hais auf Robben oder des Geparden auf eine Gazelle einzufangen, wurde eine Spezialkamera umgebaut, die sonst nur bei Crashtests in der Automobilindustrie eingesetzt wird - eine Superzeitlupe von 2000 Bildern pro Sekunde war der Lohn.

Stellten sich schon die Hubschrauberflüge durch die Sandstürme über den afrikanischen Elefanten als ein gefährliches Abenteuer heraus, so war es erst recht der Trip mit dem Militärjet zum Dach der Welt. Um den eindrucksvollen Zug der Paradieskraniche über den Himalaya zu filmen, düste ein Kamerateam mit der nepalesischen Luftwaffe zum Mount Everest - nur durch einen Sturzflug von 10.000 auf 1000 Meter konnte der Pilot seinen bewusstlosen Flugingenieur von der Höhenkrankheit kurieren.

"Unsere Erde" porträtiert Tiere in unberührter, sich selbst überlassener Natur. Dabei blendet der Film die erfolgreichste Spezies des Planeten aus. Das Wesen, das längst eine Menge von seiner Umwelt zerstört und zahlreiche Arten ausgerottet hat: Homo sapiens, der Mensch. Immerhin taucht dieser Schädling am Ende dann doch noch auf - mit dem bedrohlichen Klimawandel. So bekommt das Werk eine Botschaft. "Unser Film", sagt Fothergill, "soll den Zuschauer ermutigen, etwas dafür zu tun, unseren schönen, aber zerbrechlichen Planeten zu erhalten".

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