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New York "Bitte tun Sie etwas": Hunderte Zugvögel sterben durch Aufprall am World Trade Center

Ein Zedernseidenschwanz im New Yorker Central Park (Archivbild)
Ein Zedernseidenschwanz im New Yorker Central Park (Archivbild): Für Singvögel wie diesen können die Wolkenkratzer in der Millionenmetropole zu einer tödlichen Falle werden.
© Peter R. Barber / Picture Alliance
Dass Vögel mit den Glasfassaden moderner Hochhäuser kollidieren und sterben, ist ein bekanntes Problem. Doch was sie jetzt am World Trade Center in New York entdeckte, schockierte sogar eine erfahrene Tierschützerin.

In New York sind Hunderte Zugvögel gegen die Glasfassaden der neuen Türme des World Trade Centers geflogen und gestorben. Aufmerksam auf das Phänomen machte eine ehrenamtliche Mitarbeiterin der National Audubon Society, einer gemeinnützigen Umweltorganisation, die sich für den Schutz von Wildvögeln und deren Lebensräumen in der Region einsetzt. Melissa Breyer postete auf Twitter ein Video, dass sie beim Einsammeln von zahlreichen toten Vögel zeigt und Fotos der Tierkadaver.

Tierschützerin sammelt 226 Tote Vögel auf

"Ich habe das 65 Minuten lang gemacht und eine Runde um @4WTC und @3NYWTC gedreht – den Großteil davon vor Sonnenaufgang. Bitte können wir die Lichter während der Vogelwanderung ausschalten???", bat Breyer in ihren Tweets. Und an das offizielle Twitter-Konto des World Trade Centers gerichtet:  @_WTCOfficial  – das Licht kann ausgeschaltet werden, die Fenster können bearbeitet werden. Bitte tun Sie etwas. @4WTC  und @3wtcnewyork lasst dies nicht euer Vermächtnis sein."

Die Zahl der toten Vögel sei in dieser Woche besonders hoch, aber Vogeleinschläge an Manhattans Wolkenkratzern seien ein Dauerproblem, das Audubon seit Jahren dokumentiert habe, sagte Kaitlyn Parkins, stellvertretende Direktorin für Naturschutz und Wissenschaft der Umweltorganisation, der Nachrichtenagentur Associated Press (AP). Stürmisches Wetter in der Nacht von Montag auf Dienstag habe zu den Todesfällen beigetragen.

"Wir hatten einen großen Sturm, eine Art von seltsamem Wetter und viele Vögel, und das ist sozusagen die perfekte Kombination, die zu Zusammenstößen zwischen Vögeln und Fenstern führen kann", erklärte Parkins. "Es scheint, als hätte der Sturm die Vögel tiefer fliegen lassen, als sie es sonst getan hätten, oder ihnen einfach die Orientierung geraubt." Die Auswirkungen von nächtlichem Licht auf Vögel seien ebenfalls ziemlich stark, vor allem wenn es bewölkt sei.

Breyer, die nach eigenen Angaben 226 tote Vögel von den Bürgersteigen rund um das World Trade Center aufsammelte, sagte AP zufolge, die Erfahrung sei "überwältigend" gewesen. "Sobald ich zu den Gebäuden kam, waren die Vögel überall auf dem Bürgersteig. Wenn ich nach Norden blickte, waren die Gehsteige buchstäblich mit Vögeln bedeckt."

Audubon forderte die Eigentümer der WTC-Gebäude und anderer Wolkenkratzer auf, zur Verringerung des Vogelsterbens die Beleuchtung nachts zu dimmen und das Glas so bearbeiten, dass es für die Vögel besser sichtbar ist. "Machen Sie es so, dass sie es sehen und erkennen können, dass es eine solide Barriere ist, die sie nicht durchfliegen können", bat Parkins.

Appelle an die WTC-Eigentümer

Ein Sprecher der Durst Organization, die das One World Trade Center mitentwickelt hat, erklärte in einer E-Mail an Associated Press: "Die ersten 200 Fuß des One WTC sind mit Glaslamellen umhüllt, die nicht reflektierend sind. Diese Konstruktion wurde gewählt, weil sie Vogelschlag, der meist unterhalb von 200 Fuß auftritt und häufig durch reflektierendes Glas verursacht wird, stark reduziert."

Eine Sprecherin von Silverstein Properties, dem Bauträger von drei weiteren WTC-Wolkenkratzern, teilte der Nachrichtenagentur mit: "Uns liegen die Wildvögel und der Schutz ihres Lebensraumes in den fünf Stadtbezirken sehr am Herzen. Da wir wissen, dass künstliche nächtliche Beleuchtung im Allgemeinen Zugvögel anlocken und desorientieren kann, ermutigen wir unsere Büromieter aktiv, ihre Lichter nachts auszuschalten und ihre Jalousien herunterzulassen, wo immer dies möglich ist, insbesondere während der Wandersaison."

In New York City sterben jedes Jahr zwischen 90.000 und 230.000 Vögel durch die Kollision mit Glasscheiben von Gebäuden, wie der US-Sender National Public Radio unter Berufung auf Audubon-Untersuchungen berichtet. Landesweit könne ihre Zahl laut einer Studie aus dem Jahr 2019 bei einer Milliarde liegen. Zweimal im Jahr steigt die Zahl der tödlichen Kollisionen demnach deutlich an: Wenn die Vögel auf dem Weg zu und von ihren Winterquartieren in Mittel- und Südamerika durch die Großstädte ziehen.

Quellen: Associated Press, National Public Radio, Melissa Breyer auf Twitter

mad

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