Nikotin Suchtfaktor "alpha4"

Ein Gen namens "alpha4" könnte dafür verantwortlich sein, dass Milliarden Menschen nicht mehr von der Zigarette loskommen. Mediziner wittern einen Ansatzpunkt gegen die Nikotinsucht.

Bei der Erforschung der Nikotinsucht hat ein internationales Forscherteam nach eigenen Angaben ein entscheidendes Gen identifiziert. Aus dem Gen "alpha4" entsteht ein Protein, das eine entscheidende Rolle spielt für das Entstehen der Sucht und jenes Wohlgefühl erzeugt, das Raucher wider aller Vernunft zur nächsten Zigarette greifen lässt. Das Gen könnte der lang gesuchte Angriffspunkt für Medikamente gegen die Abhängigkeit vom Glimmstängel sein, schreiben Henry Lester vom California Institute of Technology (Caltech) in Pasadena und Kollegen im Wissenschaftsjournal "Science" (Bd. 306, S. 1029) vom Freitag.

Nikotin imitiert den Nervenbotenstoff Acetylcholin. Das Nikotin-Molekül bindet an Rezeptoren im Gehirn, die eigentlich für Acetylcholin bereitstehen. Von diesen Acetylcholin-Rezeptoren gibt es verschiedene Subtypen. Einer davon enthält das besagte "alpha4"-Protein. Wenn nun Nikotin an diesen Rezeptor bindet, hat dies zur Folge, dass Dopamin ausgeschüttet wird. Dopamin ist ein anderer Nerven-Botenstoff, der der eigentliche Auslöser jenes Glücksgefühls ist, das Raucher nicht mehr los lässt, erläutert das Team in "Science".

Doch während Acetylcholin nach Erfüllung seiner Aufgabe von einem Enzym gespalten und zersetzt wird, bleibt Nikotin unbeschadet und regt die Dopamin-Produktion über Minuten - statt Millisekunden - an. Diese Überflutung des Hirns mit dem "Glücksbringer" Dopamin führe zur Nikotinsucht, erläutern die Forscher. Die durch Nikotin ausgelösten molekularen Signale verursachten bei hyperaktiven Mäusen jene bisher unerforschten, langfristigen Veränderungen in Nervenzellen, die die Grundlage der Nikotinsucht seien.

"Ich glaube ganz fest, dass Nikotinsucht eine der ersten Abhängigkeiten sein wird, die wir heilen können", betont Lester. Derzeit kosteten die molekularen Tricks des Nikotins noch jedes Jahr Millionen Menschen das Leben. Lesters Team, dem auch der Deutsche Johannes Schwarz von der Universität Leipzig angehört, kam dem Einfluss des Nikotins auf spezielle Rezeptoren im Hirn - und ganz speziell deren "alpha4"-Protein - im Tierversuch auf die Spur.

DPA


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