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Umfrage zu Nikotinsucht Gute Gelegenheit zum Aufhören: Corona-Pandemie macht viele Menschen zu Nichtrauchern

Coronavirus: Ein Mann raucht eine Zigarette
Etwa jeder vierte Erwachsene in Deutschland raucht - Männer etwas häufiger als Frauen
© serdjophoto / Getty Images
Endlich von den Zigaretten loskommen – das wünschen sich viele Raucher. Eine Umfrage in Großbritannien zeigt nun: Die Corona-Pandemie war für viele offenbar ein guter Zeitpunkt, um das Laster loszuwerden.

Schockbilder auf Zigarettenverpackungen und Verbot von Tabakwerbung: Die Politik lässt sich vieles einfallen, um den Anteil der Raucher an der Bevölkerung weiter zu drücken. Nun kommt Hilfe von ungewöhnlicher Stelle: Ausgerechnet die Corona-Pandemie dürfte viele Raucher dazu gebracht haben, fortan mit dem Qualmen aufzuhören, wie Zahlen der britischen Anti-Tabak-Organisation "Ash" zeigen. Demnach sind allein in Großbritannien schätzungsweise eine Million Menschen in Corona-Zeiten zu Nichtrauchern geworden.

Die Hochrechnung bezieht sich auf eine repräsentative Befragung von 10.000 Menschen, die zwischen Mitte April und Mitte Juni zu ihren Rauchgewohnheiten interviewt wurden. Knapp die Hälfte der Befragten, die in den zurückliegenden vier Monaten mit dem Rauchen aufgehört hatten, gab an, dass die Pandemie eine Rolle bei ihrer Entscheidung gespielt habe. Neben gesundheitlichen Bedenken wurde auch der erschwerte Zugang zu Tabak in Zeiten von Isolation und Lockdown als Gründe für den Rauchstopp genannt. Einige Raucher hatten zudem mit dem Qualmen aufgehört, weil sie nicht mehr in Gesellschaft rauchen konnten. 

Zahlen des University College London bekräftigen die Umfrage-Werte. Die Forscher hatten seit dem Jahr 2007 jeden Monat rund 1000 Menschen zu ihren Rauchgewohnheiten befragt. Während der Coronakrise stieg der Anteil der befragten Raucher, die zu Nichtrauchern wurden, auf 7,6 Prozent – den höchsten Stand seit Beginn der Umfrage vor mehr als zehn Jahren. Im jährlichen Schnitt hatten dagegen nur rund 5,9 Prozent der Raucher angegeben, von ihrem Laster losgekommen zu sein.

Viele junge Menschen entschieden sich für Rauchstopp

Besonders erfreulich: Vor allem viele junge Erwachsene in der Altersgruppe zwischen 16 und 29 Jahren nutzten die Krise, um von ihrem Laster loszukommen. Die Quote der neuen Nichtraucher lag in dieser Atersgruppe laut "Ash" bei 17 Prozent und in realen Zahlen laut Hochrechnung bei rund 400.000. Damit ist der Wert mehr als doppelt so hoch als in der Altersklasse 50+ (7 Prozent). Der Anteil der Menschen zwischen 30 und 49 Jahren liegt dazwischen (13 Prozent).

Für Deborah Arnott, Ash-Geschäftsführerin, sind diese Zahlen zwar erfreulich, aber noch kein Grund zum Jubeln: "Über eine Million Raucher haben es womöglich geschafft, mit dem Rauchen aufzuhören, seit Covid-19 Großbritannien erreicht hat, aber weitere Millionen haben weiter geraucht." In Großbritannien leben Schätzungen zufolge rund sieben Millionen Raucher, die Zahl stammt aus dem Jahr 2019.

Gesteigertes Rauchverlangen bei anderen

Gute Gründe, mit dem Rauchen aufzuhören, gibt es genügend: Experten zufolge könnten Raucher ein erhöhtes Risiko für schwere Verläufe mit dem Coronavirus haben. Auch das Robert Koch-Institut (RKI) stuft Raucher als Risikogruppe für schwere Verläufe ein, die Evidenz sei allerdings noch schwach. Als unbestritten gilt, dass Rauchen zu zahlreichen Folgekrankheiten führen kann: Lungenkrebs, Lungenkrankheiten und Krankheiten des Herz-Kreislauf-Systems zählen dazu. Diese können den Körper im Kampf gegen Covid-19 zusätzlich schwächen.

Doch nicht alle Raucher können von einem positiven "Covid-Effekt" auf ihr Rauchverhalten berichten, wie jüngst der "Guardian" publik machte. Demnach rauchten schätzungsweise rund 2,2 Millionen Menschen in Großbritannien mehr Zigaretten als vor der Corona-Krise. Eine Frau nannte gegenüber der Zeitung "Ängste" und "Langeweile" als Gründe für ihr gesteigertes Rauchverlangen. Ob und wie sich diese Zahlen auf Deutschland übertragen lassen, ist unklar.

Quelle:BBC / Action on Smoking and Health (Ash)Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) / Robert Koch-Institut (RKI) / Guardian

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ikr

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