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ÖLPEST: Der Ölsturm vor Spanien

Nach dem Untergang des Großtankers »Prestige« im Atlantik drohte ein schweres Unwetter in der Nacht zum Donnerstag weiteres Öl an die Nordwestküste Spaniens zu spülen. Ein etwa 32 Quadratkilometer großer Ölteppich wird schon bald Galicien erreichen.

Nach dem Untergang des Großtankers »Prestige« im Atlantik drohte ein schweres Unwetter in der Nacht zum Donnerstag weiteres Öl an die Nordwestküste Spaniens zu spülen. Wegen des Sturms mit Windgeschwindigkeiten bis zu 110 Kilometern in der Stunde könnte ein etwa 32 Quadratkilometer großer Ölteppich »schon bald« in Galicien an Land getrieben zu werden, warnten die Behörden in La Coruña. Drei Spezialschiffe stünden zwar zum Abpumpen der schwarzen Flut bereit. Sie könnten aber nicht bei schwerer See eingesetzt werden. Wegen des Unwetters mussten auch anderswo an der Küste die Säuberungsarbeiten eingestellt werden.

Ölteppich drei mal so groß wie das Saarland

Gleichzeitig trieb das Unwetter das giftige Schweröl von der Küste Portugals weg. Der riesige Ölteppich, den die »Prestige« bei ihrem Untergang am Dienstag zurückgelassen hatte, zerfiel unterdessen in mindestens vier kleinere. Er war ursprünglich mit rund 7800 Quadratkilometern drei Mal so groß wie das Saarland. Die kleineren Ölteppiche waren am späten Mittwochabend zwischen 90 und 200 Kilometern entfernt. Experten warnten, mehrere Ölteppiche seien schwieriger zu bekämpfen. Das Fischfangverbot wurde bereits ausgeweitet.

Weiteres Öl sei aus dem in 4000 Metern Tiefe liegenden Wrack aber nicht ausgetreten. Es sei zu hoffen, dass das Öl in dem kalten Wasser sich verfestige und nicht mehr an die Oberfläche gelange.

Bereits 300 Kilometer verschmutzt

Die Nordwestküste Spaniens ist bereits auf einer Länge von fast 300 Kilometern verschmutzt, wie Umweltminister Jaume Matas sagte. Eine Fläche von 6,5 Millionen Quadratmetern sei betroffen, darunter 90 Strände. »Die Auswirkungen dieses Desasters sind noch längst nicht überwunden«, betonte er. Es werde mindestens ein halbes Jahr dauern, die Gegend zu säubern. Die Region soll zum Notstandsgebiet erklärt werden. Die Schäden allein in Spanien werden mittlerweile auf fast 150 Millionen Euro geschätzt.

Vor dem Untergang des 26 Jahre alten Tankers rund 250 Kilometer vor der Küste gelangten nach Schätzungen bis zu 15.000 Tonnen Schweröl ins Meer. In den Tanks sind noch mehr als 60.000 Tonnen. An der »Todesküste« in Galicien kämpften bis zum Abend Tausende von der Armee unterstützte Helfer gegen die Ölpest, zusätzliche Öl-Sperren wurden ausgebreitet. Hunderte ölverschmierte oder verendete Seevögel wurden bereits eingesammelt, einige davon in Portugal. 40 Prozent der artgeschützten Vögel der Region könnten sterben, hieß es.

Spanien will Geld vom Reeder

Spanien hat unterdessen rechtliche Schritte gegen die griechische Reederei der »Prestige« eingeleitet und von der Versicherungsfirma des Schiffes eine Bankbürgschaft von 60 Millionen Euro zur Abdeckung der ersten Schäden gefordert. Madrid will zudem mehrere Länder für die Ölpest zur Verantwortung ziehen, darunter Großbritannien, da der Tanker auf dem Weg in die britische Kolonie Gibraltar gewesen sei, und Griechenland, wo die Reederei sitzt.