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Ölteppich im Golf von Mexiko: BP soll für "nationale Katastrophe" zahlen

An der Küste Louisianas ist eine Umweltkatastrophe kaum noch zu verhindern. Der Ölteppich, der seit Tagen im Golf von Mexiko schwimmt, hat inzwischen die Region des Mississippi-Deltas erreicht. Die Wut auf den Mineralölkonzern BP wächst.

Neun Tage nach der Explosion auf der Bohrinsel "Deepwater Horizon" hat der Ölteppich im Golf von Mexiko am frühen Freitagmorgen die Küstengewässer am Mississippi-Delta erreicht. Wo die ersten Ölklumpen an Land gespült werden, kann die Küstenwache erst sagen, wenn es wieder hell ist. "Es ist sehr schwierig in der Nacht, vor allem wegen des großen Gebiets, das betroffen sein könnte", sagte ein Sprecher der Behörde.

An der Küste des US-Bundesstaates Louisiana bereiteten sich die Einsatzkräfte weiter auf das Eintreffen des riesigen Ölteppichs vor. Um die Küsten zu schützen, ist eine große Zahl von Öl-Barrieren ausgelegt worden. Winde hatten das Öl am Donnerstag schneller als zunächst erwartet vor das Wildschutzgebiet Pass-A-Loutre am Mississippi-Delta getrieben.

Damit droht der Südküste der USA die schwerste Umweltkatastrophe seit Jahrzehnten. Hunderte von Fisch-, Vogel- und anderen Arten sind akut bedroht. Ebenfalls gefährdet sind Austernbänke und die Fanggründe für Krustentiere. Der Gouverneur von Louisiana, Bobby Jindal, rief den Notstand aus. "Das gibt Anlass zu ernster Sorge", sagte David Kennedy von der Meeresschutzbehörde NOAA. "Ich bin schockiert. Das ist eine sehr, sehr große Sache."

"Seit 30 Minuten können wir es riechen"

"Seit etwa 30 Minuten können wir es riechen", sagte ein Austernzüchter am Donnerstag in der Ortschaft Empire an der Küste von Louisiana. "Jetzt wissen wir, dass es näher kommt und uns hier treffen wird."

Am Mittwoch wurde klar, dass das Öl aus der Ölbohrplattform ungehindert aus drei verschiedenen Lecks strömt. Am Tag fließen so rund 5000 Barrel (795.000 Liter) ins Meer - fünf Mal so viel wie anfangs vermutet. Inzwischen wird es für möglich gehalten, dass das Ausmaß der Tankerkatastrophe der "Exxon Valdez" übertroffen werden könnte. Damals flossen 1989 im Prinz-William-Sund in Alaska 41,64 Millionen Liter Öl ins Meer. Im Golf von Mexiko könnte dieses Ausmaß in etwa drei Monaten erreicht sein - so lange dürfte es nach Schätzungen dauern, bis ein zweites Bohrloch fertiggestellt ist, um den Druck von der zerstörten Ölplattform zu nehmen.

Mineralölkonzern BP gerät unter Druck

Unterdessen wächst der Druck auf den Mineralölkonzern BP. US-Präsident Barack Obama betonte, dass BP für die Bekämpfung des Ölteppichs zur Kasse gebeten werde. Außerdem wurden erste Schadensersatzklagen von Krabbenfischern eingereicht. "Wir sind wirklich angewidert", sagte der Austernzüchter Byron Marinovitch. "Wir glauben nichts mehr, was von BP gesagt wird."

Die 64 Kilometer vor der Küste gelegene "Deepwater Horizon" explodierte am 20. April. Dabei kamen vermutlich elf Arbeiter ums Leben. Die Männer werden vermisst.

APN/AFP