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Partnersuche bei Grillen: Die Beine der Jungfrauen

Ohne ihre Vorderbeine läuft bei Grillen nichts in Sachen Partnersuche. Das scheint der Grund zu sein, warum jungfräuliche Grillenweibchen so sehr an diesen Gliedmaßen hängen.

Gefangene Grillen können genau wie manche Spinnentiere im Notfall ein Bein abwerfen, um zu entkommen. Wie bereitwillig die Insekten zu dieser drastischen Strategie greifen, hängt dabei von ihrem Familienstand ab, hat ein südafrikanisch-australisches Forscherpaar nun entdeckt: Jungfräuliche Grillenweibchen opfern ihre Vorderbeine sehr viel zögerlicher als Artgenossinnen, die bereits einen Partner gefunden haben. Ursache dafür ist nach Ansicht der Forscher die immens wichtige Rolle, die das vordere Beinpaar bei der Partnersuche spielt: Da es die Hörorgane der Insekten trägt, können die Weibchen nur mit zwei Beinen Lockrufe eines Männchens lokalisieren. Über ihre Studie berichten die beiden Biologen in der Fachzeitschrift "Biology Letters" der Royal Society.

Der Verlust eines Beins ist für eine Grille immer ein harter Schlag, hatten Philip Bateman von der Universität von Pretoria und Patricia Fleming von der Universität in Murdoch bereits in einer früheren Studie festgestellt. Verlieren die Tiere beispielsweise ein Hinterbein, wird nicht nur ihre Laufgeschwindigkeit beeinträchtigt, sondern auch ihre Fähigkeit, Sprünge zu machen. Muss ein Bein des mittleren Beinpaars geopfert werden, verlangsamt das ebenfalls drastisch die mögliche Fluchtgeschwindigkeit.

Nach der Paarung trennt sie sich schneller vom Bein

Am härtesten trifft die Tiere jedoch der Verlust eines der hochspezialisierten Vorderbeine: Schon beim Wegfall eines ihrer Hörorgane büßen die Grillen ihre Fähigkeit ein, die Richtung, aus der ein Geräusch kommt, zu bestimmen. Aus diesem Grund opfern sowohl Männchen als auch Weibchen prinzipiell lieber ihre hinteren oder mittleren Beine als ihre Vordergliedmaßen. Dieses Zögern ist jedoch bei den Weibchen stärker ausgeprägt als bei den Männchen, entdeckten die Forscher nun: War ein Vorderbein in einer Falle gefangen, brauchten die Weibchen deutlich länger, um sich für das Abstoßen dieses Beins zu entscheiden als die Männchen.

Außerdem wägen sie offenbar Kosten und Nutzen dieser Selbstverstümmelung sehr sorgfältig ab: Haben sie noch keine Gelegenheit zur Paarung gehabt, ist ihr oberstes Ziel das Aufspüren eines Partners, und so können sie nur im äußersten Notfall auf ihre Vorderbeine verzichten. Folgerichtig warten sie selbst dann, wenn ein Vorderbein nicht mehr zu befreien ist, sehr lange ab, bevor sie es abstoßen - obwohl sie durch das längere Verweilen in der Falle ein größeres Risiko eingehen. Hat ein Weibchen dagegen bereits eine Paarung hinter sich, gibt es sein Bein deutlich schneller auf.

DDP / DDP
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