Pilotprojekt Strom aus der tödlichen Tiefe des Sees


Am Kivu-See in Ruanda leben zwei Millionen Menschen mit einer ständigen Bedrohung. Unter dem See befinden sich riesige Gasmengen, die zu explodieren drohen. Forscher wollen die tödliche Gefahr jetzt für wirtschaftliche Zwecke nutzen: Das Gas soll der Stromversorgung dienen.

Es war eine rätselhafte Katastrophe, als am 15. August 1984 mitten im Manoun-See im Westen Kameruns etwas explodierte. Kurz darauf waberten große Mengen des geruch- und farblosen Gases Kohlendioxid durch die Luft Kameruns und entfalteten ihre tödliche Wirkung: 37 Menschen starben. Doch was war geschehen? Wie war es zu der Explosion gekommen und woher kam das Gas? Wissenschaftler standen vor einem Rätsel - bis sich zwei Jahre später ein ähnliches, noch tödlicheres Desaster abspielte, diesmal am Nyos-See.

Es gab wieder eine Explosion, es waberte wieder Kohlendioxid und es starben wieder Menschen. Insgesamt über 1800. Nach diesem Ereignis kamen Wissenschaftler dem tödlichen Phänomen auf die Spur. Der Nyos-, ähnlich wie der Manoun-See, hatte sich vor Jahrtausenden im Krater eines stillen Vulkans gebildet, der im Laufe der Zeit zwar keine Lava mehr ausspuckte dafür aber immer mehr Kohlendioxid. Dieses entwich nicht, sondern sammelte sich unter dem See in einer Kammer, bis es schließlich explosionsartig freigesetzt wurde.

Gas soll zur Stomproduktion genutzt werden

Die tödlichen Folgen eines solchen Naturphänomens könnten jederzeit auch die zwei Millionen Anwohner des Kivu-Sees in Ruanda treffen, denn auch hier befinden sich in der Tiefe des Sees riesige Gasvorkommen. Sollten sie explodieren, käme dies einem Inferno gleich. Doch Schweizer Forscher haben jetzt eine Lösung im Kampf gegen die drohende Gefahr gefunden. Die Forscher des Wasserforschungsinstituts des ETH-Bereichs, der Eawag, wollen das unter dem See lagernde Gas kontrolliert für ein Kraftwerk nutzen. Es soll in der Region die Stromversorgung auf Jahrzehnte hinaus sichern. Gleichzeitig soll durch die kontrollierte Nutzung das Risiko eines Gasausbruchs langfristig eingedämmt werden.

Die Eawag begleitet im Auftrag der Regierung Ruandas und der holländischen Commission for Environmental Impact Assessment die Planung der Methanausbeutung am Kivu-See. Die Ressourcen, die den Forschern für diesen Plan zur Verfügung stehen, sind üppig: Rund 250 Milliarden Kubikmeter Kohlendioxid und 55 Milliarden Kubikmeter Methan sollen sich unter dem See befinden. Und die Forscher haben in den letzten Jahren nachgewiesen, dass die Konzentrationen sogar noch weiter steigen. So haben die Methanwerte gegenüber den 70er Jahren um bis zu 20 Prozent zugenommen. Experten schätzen den Wert der Gasreserven im Kivu-See auf rund 16 Milliarden Franken (9,5 Milliarden Euro).

Auftrag für Kraftwerk wurde bereits vergeben

Ruandas Regierung hat bereits einer südafrikanischen Firma die Konzession für ein entsprechendes Kraftwerk erteilt, das bereits 2008 starten soll. Das Prinzip hinter der geplanten Methangewinnung ist einfach: In die Tiefe des Sees wid ein Rohr gelegt. Das Seewasser strömt wegen der im Rohr entstehenden Gasblasen von selbst nach oben. An der Oberfläche angekommen, sprudelt es dann aus dem Wasser. Anschließend muss es nur noch vom Kohlendioxid getrennt werden, um es am Ende zur Stromproduktion nutzen zu können.

Bevor es aber mit der Methanausbeutung richtig losgehen kann, werden in der laufenden Woche noch die genauen Rahmenbedingungen ausgehandelt, damit sowohl die Stabilität der Schichtung als auch der Seeökologie jederzeit unter Kontrolle bleibt. Neben einem Computermodell, das das Verhalten des Sees simuliert, erarbeiten die Forscher auch ein Konzept zu dessen Dauerüberwachung.

DDP/hes DDP

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