Raumfahrt "Columbia"-Katastrophe versetzt Raumfahrt schweren Rückschlag


Bei der Nasa-Tragödie kamen alle sieben Astronauten ums Leben, ein Trümmerregen ging über Hunderte Kilometer nieder. Schuld war wahrscheinlich ein technischer Defekt.

Nach dem Absturz der US-Raumfähre "Columbia" und dem Tod der sieben Besatzungsmitglieder hat bei der amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA die Ursachenforschung begonnen. Die schlimmste Katastrophe der Raumfahrt seit 17 Jahren wurde weltweit mit Trauer und Fassungslosigkeit aufgenommen. Sie hat zugleich der bemannten Raumfahrt einen schweren Rückschlag versetzt. Vermutlich wegen eines technischen Defekts wurde die "Columbia" am Samstag nach dem Wiedereintritt in die Erdatmosphäre in Tausende Stücke zerrissen.

Trümmerregen über mehrere Bundesstaaten

Die Trümmer gingen um Umkreis von mehreren hundert Kilometern nieder. Die sieben Astronauten an Bord, darunter der erste israelische Raumfahrer, waren sofort tot. Die NASA setzte eine unabhängige Expertenkommission ein, der Fachleute aus den Streitkräften und mehreren Behörden angehören. Außerdem leiteten die NASA und das amerikanische Parlament eigene Untersuchungen ein. Ein terroristischer Anschlag wurde schon bald nach dem Absturz ausgeschlossen.

Hausgemachte Katastrophe?

Im Mittelpunkt der offenen Fragen stand ein Zwischenfall beim Start der Raumfähre am 16. Januar. Damals hatten sich Teile der Isolation eines Außentanks gelöst und mehrere Kacheln des Hitzeschildes der linken Tragfläche beschädigt. Die NASA hatte dies zunächst als unerheblich eingestuft. Der Leiter des Raumfährenprogramms, Ron Dittemore, sagte jedoch am Samstagabend, es könne nicht ausgeschlossen werden, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Defekt der Hitzeschild-Kacheln und der Katastrophe gebe.

1.600 °C Hitze

Zum Zeitpunkt ihres Auseinanderbrechens am Samstag kurz nach 15.00 Uhr MEZ war die "Columbia" gerade erst in die Erdatmosphäre eingetreten und hatte in 62.000 Metern Höhe den Punkt erreicht, an dem sie den höchsten Temperaturen des gesamten Fluges ausgesetzt war. Dem Schutz gegen die Hitze von mehr als 1.600 Grad Celsius dienen rund 20.000 an der Außenhaut des Raumgleiters angebrachte Hitzeschild-Kacheln.

Autogroßes Trümmerteil

Neben zahllosen Trümmerteilen wurden in Texas auch verkohlte Körperteile von Astronauten geborgen. Der Absturz der Wrackteile erstreckte sich über 1.280 Quadratkilometer in Texas und Louisiana. Die Raumfähre überquerte dieses Gebiet von Westen kommend auf dem Weg zum Kennedy-Raumfahrtzentrum in Cape Canaveral in Florida. Das größte gefundene Teil war so groß wie ein Auto.

Präsident kondolierte Familien

US-Präsident George W. Bush sprach den Angehörigen der Astronauten sein Beileid aus und trat mit einer kurzen Ansprache an die Öffentlichkeit. NASA-Direktor Sean O’Keefe traf mit den Hinterbliebenen zusammen, die zur Landung zum Kennedy-Raumfahrtzentrum gekommen waren. Sechs der sieben Astronauten waren verheiratet, fünf von ihnen hatten Kinder.

Ausbau der ISS gefährdet

Der Absturz der 1981 gebauten "Columbia" zum Ende ihres 28. Flugs gilt als schwerer Schlag für das Raumfährenprogramm. "Es wird sicherlich eine Pause für künftige Flüge geben, bis wir die letzte Ursache der Katastrophe gefunden haben", sagte Dittemore. Gefährdet ist damit auch der Ausbau der Internationalen Raumstation (ISS). Die derzeit drei ISS-Besatzungsmitglieder könnten allerdings mit Hilfe der russischen Sojus-Kapsel zur Erde zurückkehren, die an der Raumstation angedockt ist. Am Sonntag startete eine unbemannte russische Versorgungskapsel zur ISS. Der Start war seit längerem vorgesehen.

Starts erstmal ausgesetzt

In diesem Jahr waren noch sechs Raumfährenstarts geplant, der nächste für den 1. März. Nach der Explosion beim Start der Raumfähre "Challenger" am 28. Januar 1986 - damals kamen ebenfalls sieben Astronauten ums Leben - waren die Flüge für zwei Jahre ausgesetzt worden.

Wie kommen Bewohner zur ISS?

Es stellt sich schon die Frage, ob neue Bewohner dann mit russischen Kapseln wieder zur Station gebracht werden können. Zum einen leidet das russische Raumfahrtprogramm unter massiven Geldnöten, so dass der Platz in den Versorgungskapseln bereits zwei Mal an Touristen verkauft werden musste. Zum anderen ist unklar, ob neben den Astronauten auch genügend Lebensmittel und andere Versogungsgüter mit den kleinen Kapseln nach oben geschafft werden können.

Große Bauteile passen nur in US-Shuttles

Ganz ausgeschlossen ist bereits, dass die Station nur mit den russischen Raumschiffen weiter ausgebaut werden kann. Die großen Bauteile passen nur in die Shuttles. Damit würde sich der ohnehin dem Zeitplan hinterher hinkende Ausbau der Station auf lange Zeit weiter verzögern. Eine Alternative zu den Shuttles gibt es auch nicht. Zwar bemüht sich die NASA seit Jahren um ein Nachfolgemodell, doch die Sparzwänge ließen schon mehrere Projekte versanden.

Unmittelbar nach dem Unglück zeigt sich die NASA allerdings hoffnungsvoll, dass die Katastrophe kein Ende des Programms bedeutet.


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