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Raumsonde "LCROSS": Silber im Mondstaub gefunden

Kohlendioxid, Ammoniak, Silber: Auf dem Mond gibt es nicht nur große Wasservorkommen, sondern auch viele weitere Elemente und Verbindungen. Das zeigt die Analyse des gezielten Einschlags einer Mondsonde.

Die Mondoberfläche ist reichhaltiger als gedacht. Das zeigt die Analyse des gezielten Einschlags der Mondsonde "LCROSS" vom 9. Oktober 2009. In dem aufgewirbelten Mondstaub stießen die Forscher nicht nur auf das gesuchte Wasser, sondern unter anderem auch auf Kohlenmonoxid, Kohlendioxid, Ammoniak, Schwefelwasserstoff - und überraschenderweise auch auf Silber. Allerdings fanden sich von dem Edelmetall nur winzige Mengen - nicht genug, um hinzufliegen und es abzubauen, wie Peter Schultz von der Brown University in Providence (Rhode Island) betont. Schultz stellte nun mit mehreren Teams Analysen des Einschlags im US-Fachjournal "Science" vor.

Die "LCROSS"-Mission war vor allem darauf ausgerichtet, Wasser auf dem Mond nachzuweisen. Dazu wurde eine ausgebrannte Raketenstufe des Satelliten gezielt in den Cabeus-Krater am Südpol des Erdtrabanten geschossen, in den nie ein Sonnenstrahl scheint. Der Aufprall riss ein etwa 30 Meter breites Loch, schlug vier bis sechs Tonnen Material aus dem Boden und beförderte eine gewaltige Rauchsäule aus der Dunkelheit ans Sonnenlicht.

Komplexe Mondoberfläche

Der nachfolgende Satellit analysierte die Zusammensetzung der vom Einschlag aufgewirbelten Staubwolke. Die Forscher vermuteten Wassereis am Boden des finsteren Tiefkühlkraters, das die Sonde auch nachweisen konnte. Im analysierten Material fanden die Wissenschaftler davon etwa 155 Kilogramm. Auf der Grundlage der Sondendaten schätzten sie, dass rund fünf Prozent des Kraterinneren aus Wasser besteht. Damit könnten die Trichter am Südpol des Mondes insgesamt ähnlich viel Wasser enthalten wie der Bodensee, schätzt Ralf Jaumann vom Deutschen Institut für Luft- und Raumfahrt.

Das Edelmetall und viele der anderen gefundenen Stoffe seien vermutlich irgendwann durch Asteroideneinschläge auf dem Erdtrabanten aufgewirbelt worden und hätten sich dann in dem dunklen Tiefkühlkrater angereichert, wo der Dauerfrost sie festhalte, sagt Wissenschaftler Schultz. So hatten "Apollo"-Astronauten auch auf der erdzugewandten Seite des Mondes bereits Spuren von Gold und Silber gefunden. Die Zusammensetzung des aufgewirbelten Kraterbodens sei viel komplexer als angenommen, erläutert Schultz. "Dieser Ort sieht aus wie eine Schatzkiste voller Elemente und Verbindungen, die überall auf dem Mond freigesetzt wurden und sich in diesem Loch im ewigen Schatten angesammelt haben."

DPA/DAPD/te / DPA