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Raumfahrt Neue Hinweise auf Wasservorkommen erhöhen die Chance auf eine ständige Mondbasis

Lunar Reconnaissance Orbiter über dem Mond
Daten des Nasa-Mondsatelliten Lunar Reconnaissance Orbiter lieferten Hinweise auf sogenannte Kältefallen - Schattenregionen, in denen sich Wassereis dauerhaft halten könnte
© Nasa
In nicht allzu ferner Zukunft soll auf dem Mond eine ständige bemannte Basis entstehen. Für den dauerhaften Aufenthalt ist Wasser nötig. Zwei neue Studien deuten auf neue Vorkommen, durch die die Träume der Raumfahrer wahr werden könnten.

US-Forscher haben neue Hinweise auf Wasser auf dem Mond gefunden. Es gebe sowohl Hinweise auf Wassermoleküle überall auf der Oberfläche als auch auf Gegenden auf dem Mond, wo Wasser dauerhaft als Eis konserviert sein könnte. Das berichten zwei Wissenschaftlerteams im Fachmagazin "Nature Astronomy". Die Entdeckungen wurden am Montag von der Nasa offiziell verkündet. Wasservorkommen auf dem Mond wären insbesondere für künftige Missionen und die Errichtung einer ständigen Mondbasis wichtig. Die Nasa will schon 2024 mit der Artemis-Mission zum Erdtrabanten zurückkehren und dann auch erstmals eine Frau auf den Mond bringen.

In der ersten Studie analysierten Forscher um Casey Honniball von der University of Hawaii in Honolulu Daten des Stratosphären-Observatoriums für Infrarot-Astronomie (Sofia) - einer von der US-Raumfahrtbehörde Nasa und dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) zum fliegenden Teleskop umgebauten Boeing 747. Bei der Untersuchung des Clavius-Kraters im Süden des Erdtrabanten fanden sie Hinweise auf Wassermoleküle. Diese könnten überwiegend in Glaskügelchen oder in Spalten zwischen Geröll auf der Oberfläche konserviert sein, vermuten sie.

Zum Teleskop umgebaute Boeing SOFIA der Nasa und des DLR
Das an der Entdeckung von Wassermolekülen auf der Mondoberfläche beteiligte "fliegende Teleskop" Sofia - von der Nasa und dem DLR gemeinsam betrieben-
© Picture Alliance

"Ich habe vor Aufregung geschrien", erinnert sich Honnibal an den Moment der Entdeckung. Seine Begeisterung erklärt sich dadurch, dass "diese Form von Wasser" womöglich überall auf Oberfläche vorkommen könnte - also auch auf von der Sonne beschienenen Flächen, die nach bisheriger Auffassung während des Mondtages zu warm werden, dass es dort Wasserspeicher geben könnte. Generell gehen die Forscher davon aus, dass Wassermoleküle in polnahen Gegenden eher vorkommen als in anderen Regionen, die näher am Mondäquator liegen.

Mond: Eisvorkommen im ewigen Schatten möglich

In der zweiten Studie suchte ein Team um Paul Hayne von der University of Colorado in Boulder gezielt nach Kratern, Spalten und kleinen Flächen, in denen Wassereis vorkommen könnte. Mit Daten der Nasa-Sonde "Lunar Reconnaissance Orbiter" und theoretischen Modellen fahndeten sie nach sogenannten Kältefallen - also dauerhaft im Schatten liegenden Zonen, wo Wassereis wegen der ständigen Kälte konserviert sein könnte. Dazu zählen neben Einschlagkratern auch kleinere Stellen, die stets von Sonnenstrahlen abgeschirmt sind.

Der Untersuchung zufolge könnte auf dem Mond eine Fläche von 40.000 Quadratkilometern in ständigem Schatten liegen - das ist etwa doppelt so viel wie nach anderen Studien angenommen. Dort könnte theoretisch Wassereis lagern. Die meisten dieser Regionen liegen erwartungsgemäß in den Polregionen des Himmelskörpers, 60 Prozent der Flächen verorten die Forscher auf der Südhalbkugel.

Südpol-Krater als Kältefälle

"Wenn man sich vorstellt, auf der Mondoberfläche nahe einem der Pole zu stehen, würde man überall Schatten sehen", wird Hayne in einer Mitteilung seiner Uni zitiert. "Viele dieser kleinen Schatten könnten voller Eis sein." Als Beispiel für größere Zonen mit Wassereis nennen die Forscher den Shackleton-Krater am Südpol, der mehr als vier Kilometer tief ist und einen Durchmesser von über 20 Kilometern hat. Große Teile dieses Kraters liegen in ewigem Schatten.

Lange Zeit hatte der Erdtrabant als knochentrocken gegolten. Doch seit etlichen Jahren mehren sich wissenschaftliche Hinweise, dass der Mond doch mehr Wasser besitzen könnte als gedacht. Schon 1994 hatte die Nasa-Sonde "Clementine" Hinweise auf Wasser in schattigen Kratern geliefert. Vor zehn Jahren wies dann die Nasa-Mondmission "LCROSS" in einem ewig finsteren Krater am Südpol des Erdtrabanten Wassereis nach. Weitere Funde folgten.

Allmählich wächst die Hoffnung, dass eine ständige Mondbasis zu großen Teilen mit Wasser betrieben werden könnte, das sich bereits auf dem Mond findet. Ob und in welchem Umfang die neue entdeckten Wasservorkommen genutzt werden können, ist laut Nasa aber offen.

dho DPA

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