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Streit um Millionengewinn: Der "Fall Knut" geht vor Gericht

Rangelei um Berlins Lieblingseisbären: Weil der Tierpark Neumünster an den Millionengewinnen des Berliner Zoos durch Knut beteiligt werden will, zieht er nun vor Gericht. Was Pinguine mit dem Streit zu tun haben und ob Knut auch weiterhin in Berlin bleiben darf.

6,8 Millionen Euro hat Eisbär-Liebling Knut in die Kassen des Berliner Zoos gespült. Der Tierpark Neumünster fordert nun eine Beteiligung an den Einnahmen, denn Knuts Vater Lars ist ein Neumünsteraner und wurde 1999 nach Berlin ausgeliehen. In einem Vertrag soll damals vereinbart worden sein, dass das erste lebende Junge zurück nach Schleswig-Holstein geht. Berlins Zoo-Chef Bernhard Blaszkiewitz hat in der Hauptversammlung der Zoo-Aktionäre in Berlin eine finanzielle Beteiligung von Neumünster jedoch strikt verweigert: "Die in Neumünster wollten Geld von uns, aber der Vertrag zwischen den Zoos gibt das nicht her. Die bekommen ein paar Pinguine, und dann ist die Sache in Ordnung." Da eine Einigung nicht mehr zu erwarten ist, soll nun ein Richter entscheiden.

"Was wird aus unserem Liebling?", fragten unterdessen Initiatoren einer Unterschriftenaktion auf der Hauptversammlung. Sie hätten für Knut als "Dauer-Berliner" schon fast 10.000 Solidaritätserklärungen beisammen. Der Vertreter des Zoo- Fördervereins Jürgen Brückner kritisierte den Berliner Zoo-Chef: Er sei "in hohem Maß nicht interessiert gewesen am Knut-Rummel". Doch zur Erleichterung des Beifall spendenden Publikums sagte Blaszkiewitz, wenn es nach ihm ginge, könne Knut "noch sehr lange in Berlin bleiben".

Knut bleibt in Berlin

Im Grunde wartet der Zoo Berlin jetzt ab, wie in Neumünster entschieden wird. Eines ist jedoch klar:"Knut gehört dem Tierpark Neumünster", bestätigte Blaszkiewitz. Der dortige Zoo-Chef Drüwa zeigt in diesem Punkt - anders als beim Streit ums Geld - jedoch Verhandlungsbereitschaft. "Es geht um das Tier, das ist das Entscheidende. Wir reißen ihn doch nicht so einfach von dort weg, wo er sich wohlfühlt. Wir warten, bis er endgültig abgenabelt ist. Wenn Berlin ihn dann behalten will, reden wir darüber", sagte Drüwa. Nach DPA-Informationen zeichnet sich vor diesem Hintergrund ab, dass Knut in diesem Jahr erst einmal in Berlin bleiben wird.

Im "Umfeld" von Knut war in den Wandelgängen und auf den Treppen des Friedrichstadtpalastes noch eine andere wichtige Personalie zu vernehmen. Die Zoo-Leitung ließ verlauten, dass an einigen in Internetforen kursierenden Gerüchten nichts dran sei, wonach Knuts Ziehvater Thomas Dörflein nicht mehr im Dienst oder sogar entlassen worden sei. Dörflein sei lediglich krank gewesen und gehe jetzt wieder seinen Pflichten nach.

Eisbär Knut war am 5. Dezember 2006 geboren worden. Sein Bruder, der mit ihm zur Welt kam, starb nach vier Tagen. Und da Mutter Tosca ihren Nachwuchs nicht annahm, musste Tierpfleger Thomas Dörflein Knut von Hand aufziehen. Weltweit hatten Millionen Menschen Anteil am Schicksal des kleinen Bären genommen.

DPA / DPA