Umweltproblem Chinas unersättlicher Hunger nach Kohle


China ist weltweit der größte Kohleförderer, verbraucht 30 Prozent der gesamten Kohle und ist der zweitgrößte CO2-Produzent der Welt. Doch der Energiehunger des Milliardenvolkes wächst und wächst.

China verbraucht zu viel Kohle und noch zu wenig. In den Provinzen werden die Vorräte auf Halde nur noch in Tagen gezählt. Kraftwerke können nicht genug Kohle bekommen, um den Hunger des Milliardenvolkes und seines Wirtschaftswunders nach Energie zu sättigen. Nach den USA ist China aber heute schon der zweitgrößte Produzent klimaschädlichen Kohlendioxids. Als Entwicklungsland muss der weltweit größte Kohleförderer allerdings seine Emissionen nach dem Kyoto-Protokoll nicht drosseln. China täte sich auch schwer damit. "Wir sind sehr stark abhängig von der Kohle", sagt Direktor Huang Shengchu vom Institut für Kohleinformationen in Peking. "Es ist unmöglich, sich mittel- und langfristig von dieser Abhängigkeit zu befreien."

Ein Viertel der Energieproduktion stammt aus Kohle

Zwei Drittel der Energie wird in China aus Kohle gewonnen. In keinem Land der Erde wächst der Verbrauch schneller. In diesem Jahr dürfte die Produktion um 21 Prozent auf 1,7 Millionen Tonnen steigen. Wegen seines starken Eigenbedarfs verringerte der zweitgrößte Kohleexporteur seine Ausfuhren dieses Jahr um mehr als zehn Prozent und brachte den Weltmarkt in Aufruhr.

Weltweit stammt etwa ein Viertel der Energieproduktion aus der Kohle. Der Kohleverbrauch werde weiter steigen, sagt Prof. Alfons Kather, Energieexperte an der Technischen Universität Hamburg- Harburg. Daher müssten möglichst effiziente Kraftwerke gebaut werden, womit China immerhin begonnen habe. Es gebe in Shanghai bereits ein Kraftwerk, dessen Wirkungsgrad besser sei als derjenige des jüngsten Kohlekraftwerks in Deutschland.

Energienotstand in China

Rund die Hälfte der Kohlekraftwerke in Deutschland sei älter als 25 Jahre, schätzt Kather. "Wenn man diese alten Kraftwerke durch solche heutiger Technologie ersetzen würde, könnte man jeweils 30 Prozent Kohlendioxid einsparen." Ein andere Möglichkeit zum Klimaschutz sei es, das Treibhausgas Kohlendioxid aus den Kraftwerken abzuscheiden und unter der Erde zu lagern. "Bevor wir die Technologie einsetzen, müssen wir aber geklärt haben, dass es auch dort unten bleibt."

In China wird der Energienotstand auch mit neuen Kraftwerken noch drei bis vier Jahre andauern. Im ersten Quartal hatten nur 5 der 31 Provinzen, Regionen und unabhängigen Metropolen keinen Stromausfall. Die Produktion wird gestört. Investoren sind besorgt. Alles hängt von der Kohle ab. "China hat viel Kohle, aber wenig Gas und Öl. Kohle ist für uns die sicherste und billigste Energieform", sagt Direktor Huang Shengchu. 67 Prozent der Energie in China wird aus Kohle gewonnen. Erdöl macht 20 Prozent und Wasserkraft 8 Prozent aus. Der Kohleanteil wird in 10 bis 20 Jahren immer noch mehr als die Hälfte betragen, ohne dass der Verbrauch zurückgehen kann, da die Energieerzeugung insgesamt steigen wird.

China ist heute schon der zweitgrößte Energieverbraucher der Welt

China trägt zwar nur zu vier Prozent zur Wirtschaftsleistung der Welt bei, verbraucht aber 30 Prozent aller Kohle. Die Effizienz insgesamt ist noch schlecht. Der Energieverbrauch im Vergleich zur Wirtschaftsleistung liegt drei Mal höher als der Weltstandard. In Kraftwerken wird vorwiegend stark schwefelhaltige Kohle mit oft veralteter Technik verbrannt. Über einem Drittel des Landes fällt saurer Regen, den auch Japan und Südkorea abbekommen. Das staatliche Umweltamt (SEPA) sieht einen "unmöglichen Auftrag" darin, den Schwefeldioxid-Ausstoß in Schach zu halten, und beziffert die Schäden auf 110 Milliarden Yuan (11 Milliarden Euro) im Jahr.

Schon heute ist China der zweitgrößte Energieverbraucher der Welt. Die 1,3 Milliarden Chinesen verbrauchen pro Kopf aber bislang erst ein Achtel der Energie, die etwa ein Amerikaner in Anspruch nimmt. Würde das Milliardenvolk gleichziehen, überstiege allein sein Kohlendioxid-Ausstoß das, was heute weltweit in die Erdatmosphäre geht. Allerdings: Würde jeder Weltbürger das ausschweifende amerikanische Konsumverhalten übernehmen, müsste es die Erde nach einer Schätzung ohnehin sechs Mal geben.

Andreas Landwehr, DPA


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