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UN-Artenschutzkonferenz: Merkel verspricht eine halbe Milliarde Euro

Mit zusätzlich einer halben Milliarde Euro jährlich will Deutschland den globalen Schutz der Wälder voranbringen - vor allem die tropischen Regenwälder sollen mithilfe dieses Geldes geschützt werden. Das kündigte Kanzlerin Angela Merkel auf der UN-Artenschutzkonferenz in Bonn an.

Um das Abholzen der Wälder zu stoppen, will Deutschland von 2009 bis 2012 insgesamt 500 Millionen Euro bereitgestellen - ab 2013 dann jährlich diese Summe. "Wir brauchen eine Trendwende beim Artenschutz", sagte die Kanzlerin in ihrer Rede zur Eröffnung des entscheidenden sogenannten Ministersegments der UN-Artenschutzkonferenz. Seit dem 19. Mai beraten in Bonn rund 6000 Delegierte über den weltweiten Schutz der Artenvielfalt. Geplant ist unter anderem ein globales Netz von Schutzgebieten, das bis 2010 vor allem zum Schutz der Wälder aufgebaut werden soll.

"Wir müssen uns mit aller Kraft dafür einsetzen, die Lebensgrundlagen der gesamten Erde langfristig zu bewahren", sagte Merkel. Ihre Ankündigung zusätzlicher Milliardenhilfen für den Waldschutz wurde von den Vertretern der mehr als 190 Staaten mit großem Beifall quittiert. Bereits im Vorfeld der Konferenz hatte auch Norwegen eine halbe Milliarde Euro für den Waldschutz angeboten.

"Das ist das von allen erhoffte starke Signal der Kanzlerin an die Staatengemeinschaft", erklärte Jörg Roos, Sprecher der Umweltorganisation WWF. "Jetzt müssen andere Länder nachziehen." Laut WWF würden diese neuen Gelder nicht ausreichen, um den Verlust der Artenvielfalt bis 2010 zu bremsen. Nach einer Berechnung des Umweltverbandes investiert die Weltgemeinschaft derzeit etwa 3,8 bis 6,3 Milliarden Euro in Schutzgebiete - erforderlich sind jedoch 20 bis 30 Milliarden Euro.

Laura Ledwith von Umweltverband "Conservation International" war begeistert vom Versprechen der Bundeskanzlerin: "Sie hat jetzt die Messlatte höher gelegt. Ich hoffe sehr, dass andere Länder dem Beispiel Deutschlands folgen werden."

Artenvielfalt und Klimawandel

Merkel verwies in diesem Zusammenhang auch auf den Klimaschutz, da die Entwaldung zu 20 Prozent zum weltweiten Kohlendioxid-Ausstoß beitrage - mehr als die globalen Verkehrsemissionen insgesamt.

"Lassen Sie uns von Bonn aus ein starkes, überzeugendes Signal an die Weltgemeinschaft senden", sagte Merkel weiter. Sie verteidigte in ihrer Rede auch die geplante stärkere Nutzung von Bioenergie. Es dürften dafür jedoch weder Wälder gerodet werden noch andere negative Auswirkungen entstehen. Die Debatte über Kriterien für die nachhaltige Erzeugung von Biomasse ist einer der Streitpunkte der UN-Konferenz.

Streit ums Geld

Umweltminister Gabriel rief in seiner Rede dazu auf, den Schutz der Artenvielfalt und wirtschaftliche Entwicklung zusammenzubringen. Es sei unfair, zum Beispiel aus genetischen Ressourcen der Entwicklungsländer Medikamente herzustellen, "ohne einen fairen Ausgleich dafür zu organisieren". In der Nacht zum 28. Mai sei ein konkretes Verhandlungsmandat vereinbart worden, auf dessen Grundlage nun bis 2010 ein Abkommen über einen gerechten Vorteilsausgleich für die Nutzung genetischer Ressourcen geschlossen werden solle. "Wir haben einen konkreten Text und einen konkreten Fahrplan", sagte Gabriel. Auf ein solches Abkommen über ein "Access-and-Benefit-Sharing" (ABS) dringen vor allem Schwellen- und Entwicklungsländer, die damit einen besseren Schutz vor "Biopiraterie" durch Unternehmen aus Industriestaaten erreichen wollen. In Kreisen der Verhandlungsteilnehmer hieß es jedoch, dass eine Entscheidung über rechtlich verbindliche Zahlungen vertagt worden sei. Es solle erst später entschieden werden, ob es tatsächlich einen bindenden Vertrag gebe - oder nur freiwillige Regelungen.

DPA/bub / DPA
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