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US-Navy: Delfine jagen Terroristen

Das US-Militär plant den Einsatz von Delfinen und Seelöwen zur Sicherung eines Militärstützpunkts in Seattle. Bereits seit den 60er Jahren trainiert die Navy Meeressäuger für Einsätze - Tierschützer protestieren.

Der Krieg gegen den Terror wird auch unter Wasser geführt. Tauchende Gotteskrieger, die US-Kriegschiffe in ihren Heimathäfen angreifen und in die Luft sprengen wollen, stellen - zumindest in den Gefahren-Analysen der US-Militärs - eine reale Bedrohung dar. Deshalb kommen jetzt Flipper und Co zum Einsatz. Die Basis Kitsap-Bangor am Puget Sound im US-Staat Washington sei ein potenzielles Ziel für Terroristen, die sich schwimmend oder tauchend nähern könnten, teilte die US-Navy mit. Daher werde erwogen, 30 Delfine und Seelöwen aus dem Meeressäuger-Programm für Patrouillen einzusetzen.

Falls ein Delfin einen Schwimmer oder Taucher entdeckt, der sich in feindlicher Absicht den Kriegsschiffen nähert, sollen die Tiere ein entsprechendes Signal absetzen, sagte ein Sprecher des Programms. Seelöwen könnten spezielle Fesseln im Maul tragen und sie am Bein einer verdächtigen Person befestigen. Ob die Tiere tatsächlich für die Patrouillen eingesetzt werden, ist noch offen.

Tierschützer protestieren

Bereits im Jahr 1989 plante die Marine einen solchen Einsatz vor der Nordwestküste. Ein Richter wies das Vorhaben aber zurück - das Wasser im fraglichen Gebiet sei zu kalt. Er folgte damit den Argumenten der Tierschützer. Das Delfinprogramm der US-Navy wird seit seinem Beginn von scharfen Protesten begleitet. Die Tiere würden bei den verschiedenen Einsätzen an fernen Orten, beim Minensuchen oder bei Einsätzen in artfremder Umgebung unnötigem Stress ausgesetzt. Dagegen stellte die Bundesbehörde für Ozeansicherheit fest, dass die Lebenserwartung eines Navy-Delfins durchschnittlich höher liege als die eines frei lebenden Tümmlers. Sie beträgt bei männlichen Tieren 30, bei weiblichen 35 Jahre. "Glückliche Delfine sind gesunde Delfine", heißt es bei der Marine dazu.

Seit dem Ende des Kalten Krieges wird aus den tierischen Unterwassereinsätzen kein Geheimnis mehr gemacht. Neben dem Schutz von Schiffen und Häfen werden sie zum Aufspüren und Markieren von Minen und zur Ortung von Marinetauchern eingesetzt. Zu ersten Kampfeinsätzen kamen Militärdelfine im Vietnamkrieg. In den späten achtziger Jahren wurden Tümmler in das Emirat Bahrain am Persischen Golf verlegt, um die Fünfte Flotte der US-Marine beim Geleitschutz für kuweitische Tanker zu unterstützen. Den bislang längsten Einsatz, von März 2003 bis September 2005, hatten zwei Delfineinheiten im Irakkrieg. Im Frühjahr 2003 gingen Tümmler im Hafen von Umm Qasr vor der irakischen Küste auf Tauchgang, um verborgene Minen aufzuspüren.

AP/tis / AP
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