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Vogelgrippe-Erreger: Zu tief in der Lunge für Husten und Niesen

Forscher glauben nun zu wissen, warum die Vogelgrippe nicht einfach von Mensch zu Mensch überspringt: Der Erreger nistet sich tief in der Lunge ein. Derweil hat die Bundesregierung ein millionenschweres Forschungsprogramm beschlossen.

Forscher haben eine mögliche Ursache dafür gefunden, warum das gefährliche Vogelgrippevirus H5N1 nicht so leicht wie das gewöhnliche Grippevirus von Mensch zu Mensch übertragen wird. Während menschliche Influenzaviren bevorzugt Zellen der oberen Atemwege befallen, nisten sich die Erreger der Vogelgrippe vor allem in den tiefen, feinsten Lungenverästelungen ein, berichten zwei Forschergruppen in den Fachjournalen "Nature" und "Science". Dies bedeute, dass ein Infizierter das Virus weniger leicht durch Husten oder Niesen verbreite.

Vorliebe für andere Moleküle

Menschen- und Vogelgrippeviren docken an leicht unterschiedlichen Molekülvarianten auf der Oberfläche von Atemwegzellen an, berichtet eine Gruppe um Kyoko Shinya von der Universität von Wisconsin in Madison im britischen Fachblatt "Nature". Beim Menschen findet sich die von den Vogelgrippe-Erregern bevorzugte Variante vor allem in den tief liegenden Lungenbläschen (Alveolen). Dies könnte nach Ansicht der Forscher erklären, warum die H5N1-Übertragung von Mensch zu Mensch selten bleibt, obwohl sich der Erreger in den menschlichen Lungen gut vermehren kann.

Ähnlich sieht es auch bei Mäusen, Frettchen, Makaken und Hauskatzen aus, wie ein niederländisches Team um Ab Osterhaus und Thijs Kuiken von der Erasmus-Universität Rotterdam in einer Online-Vorabveröffentlichung des Journals "Science" berichtet. Der Virenbefall nahm bei diesen Säugetieren kontinuierlich vom tiefen Lungentrakt zur Luftröhre hin ab. Vor allem bei Katzen - und in geringerem Umfang auch bei Frettchen - ähnele das Infektionsmuster demjenigen bei Menschen, schreiben die Niederländer. Diese Tiere seien daher vermutlich die besten Modellorganismen für für H5N1-Infektionen bei Menschen.

Sollte das Vogelgrippevirus jedoch die Fähigkeit erlangen, Zellen in weiter oben liegenden Teilen der Atemwege zu befallen, könne dies ein entscheidender Schritt zu einer drohenden Pandemie sein, warnen die Forscher um Shinya.

Breitband-Impfstoff bis 2007

Für den Fall einer Pandemie ist Deutschland nach Angaben der Bundesregierung vorbereitet. Für die weitere Erforschung der Tierseuche wird die Regierung außerdem insgesamt 60 Millionen Euro bereitstellen. Unter anderem soll ein neuer Impfstoff für Menschen entwickelt werden. "Damit sind wir in der Lage, die Bevölkerung zu impfen, noch ehe das Virus mutiert ist", sagte Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD). Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts könnte ein solcher "Breitband-Impfstoff" frühestens Ende 2007 vorliegen.

Bundesagrarminister Horst Seehofer (CSU) will die Forschung über Ursache und Ausbreitung der Vogelgrippe verstärken. "Es gibt erhebliche Wissenslücken." Bisher sei unklar, warum Hühner schnell an der Seuche sterben, Singvögel aber nicht betroffen seien.

Das Friedrich-Loeffler-Institut will trotz abnehmender Funde infizierter Vögel in Deutschland keine Prognose für die weitere Ausbreitung abgeben. "Möglicherweise können infizierte Zugvögel aus dem Süden zu uns gelangen", warnte Präsident Thomas Mettenleiter. Seehofer betonte: "Zur Entwarnung besteht überhaupt kein Anlass."

DPA / DPA