Wasser-Qualität Wie gut ist unser Trinkwasser?


Das Trinkwasser in Deutschland gilt als besonders sauber - und doch ist es offenbar in manchen Regionen Deutschlands mit Uran belastet. Lesen Sie hier, wie schädliche Stoffe ins Trinkwasser gelangen, und wie man sich dagegen schützen kann.
Von Nicole Simon

Im Schnitt verbraucht jeder Deutsche zwischen 120 und 200 Liter Trinkwasser am Tag - zum Trinken, Kochen oder Waschen. Durch eine strenge Trinkwasserverordnung soll eine optimale Qualität gewährleistet werden: Es muss farblos, geruchlos, geschmacklich einwandfrei und frei von Krankheitserregern sein und das wird ständig überprüft. Einer Untersuchung zufolge soll Trinkwasser jedoch in einigen Teilen Deutschlands deutlich stärker mit dem giftigen Schwermetall Uran belastet sein als bislang bekannt. Auch von bedenklichen Bleikonzentrationen ist immer wieder die Rede.

Wie wird aus Wasser Trinkwasser?

Trinkwasser wird etwa zu 64 Prozent aus Grundwasser gewonnen. In einigen Gebieten wird Oberflächenwasser aus Talsperren, dem Bodensee oder Flüssen verwendet. Ein kleiner Teil stammt zudem aus Quellen. Doch bevor es durch Pumpen und Leitungen zum Verbraucher gelangt wird es aufbereitet.

So enthält das Rohwasser noch keinen Sauerstoff, daher wird es in einer Belüftungsanlage versprüht und nimmt Sauerstoff aus der Luft auf. Im Rohwasser sind Eisen und Manganverbindungen gelöst, die aus den Gesteinen in der Erde ausgewaschen worden sind. Sie reagieren mit dem zugeführten Sauerstoff und bilden Flocken, die sich absetzen. Die restlichen Eisenflocken und das Mangan werden in Schnellfilteranlagen aus dem Wasser entfernt. Das sind große Becken mit so genanntem Filtersand. Da Flüsse oder Seen häufiger mit Bakterien oder Viren belastet sind, können diese Erreger je nach Wasserqualität zusätzlich durch Ozon oder Chlor unschädlich gemacht werden. In einigen Fällen, wenn das Wasser zu viel Calcium und Magnesium enthält -, muss es enthärtet werden. Ist es zu sauer, kann man auch das ausgleichen. Am Ende ist aus dem Rohwasser Trinkwasser geworden.

Medikamentenrückstände können bislang nur sehr schlecht aus dem Trinkwasser entfernt werden. Das Umweltbundesamt empfiehlt daher, Kläranlagen mit speziellen Mikrofiltern auszurüsten, um die Wirkstoffe heraufzufiltern. Zudem sollen Arzneimittel für ihre Umweltverträglichkeit gekennzeichnet werden.

Uran im Trinkwasser

Das giftige Schwermetall gelangt hauptsächlich auf natürlichem Weg ins Wasser. Das Wasser aus Tiefbrunnen sickert im Laufe von vielen Jahren durch uranhaltiges Gestein und wäscht Teile des Metalls heraus. Auch wenn es nur in geringem Maße radioaktiv strahlt, geht man davon aus, dass es die Nieren schädigt. Bis 2006 gab es keinen Grenzwert für eine Uranbelastung. In Flaschen abgefülltes Wasser darf heute einen Wert von zwei Mikrogramm pro Liter (2µg/L) nicht überschreiten, wenn Hersteller ihr Wasser als "säuglingsgeeignet" ausgeben. Trinkwasser in Deutschland enthält jedoch teilweise eine höhere Belastung. Das Umweltbundesamt empfiehlt daher für Trinkwasser einen allgemeinen Grenzwert von 10 Mikrogramm einzuführen.

Auch Stoffe wie Eisen, Mangan oder Cadmium gelangen natürlicherweise über den Boden ins Wasser. Hinzu kommen Rückstände aus der Landwirtschaft, etwa Nitrate aus den Düngemitteln. Nitrate sind nach Aussagen des Umweltbundesamts mittlerweile ein großes ökologisches Problem. Sie sind zwar nicht direkt gesundheitsgefährdend, können jedoch auf Dauer dazu führen, dass sich Schwermetalle vermehrt im Boden ansammeln.

Gifte aus Rohren, Leitungen und Installationen

Ein gesundheitliches Problem sind vor allem alte Bleileitungen. Die Aufnahme kleiner Bleimengen über längere Zeit hinweg beeinträchtigt die Blutbildung und Intelligenzentwicklung von Ungeborenen, Säuglingen und Kleinkindern. Aus diesem Grund wurde der Grenzwert für Blei im Trinkwasser zum 1. Dezember 2003 von 40 auf 25 Mikrogramm pro Liter gesenkt. Ab 1. Januar 2013 sinkt der Wert weiter auf dann 10 Mikrogramm pro Liter. Zusätzlich müssen Bleileitungen für Wasser bis Ende November 2013 in jedem deutschen Haushalt entfernt und ersetzt werden. Verunreinigt und belastet werden kann das Trinkwasser auch durch Nickel, Zink und Chrom aus Armaturen. Kupfer gelangt meist über die Wasserleitungen ins Trinkwasser.

Wenn Wasser über längere Zeit in den Rohren steht, können sich leicht Krankheitserreger wie Legionellen vermehren. Legionellen sind Bakterien, die in geringer Konzentration überall in der Umwelt vorkommen. Bei alten und immungeschwächten Personen können sie unter anderem schwere Lungenentzündungen hervorrufen. Zudem verändern bestimmte Materialien Geschmack und Geruch des Wassers .

Wer überprüft die Qualität?

Verantwortlich für die Qualität unseres Trinkwassers sind die Wasserversorgungsunternehmen der einzelnen Länder. So werden etwa in Berlin von den Wasserwerken monatlich 180 Stellen aufgesucht und Wasserproben entnommen. Die Wasserproben werden auf alle 49 Stoffe getestet, für die es Grenzwerte gibt. Dazu zählen Cadmium, Quecksilber, Kupfer und Nickel genauso wie bestimmte Bakterien oder Pflanzenschutzmittel. Zusätzlich prüft das Gesundheitsamt die Wasserqualität.

Was kann man selbst tun?

Hat man den Verdacht, dass das Trinkwasser etwa durch die Leitungen und Armaturen im eigenen Haushalt belastet ist, kann das örtliche Gesundheitsamt eine Qualitätsanalyse durch ein Analyselabor veranlassen. Aber auch die Wasserwerke sind zur Auskunft über die allgemeine Wasserqualität verpflichtet. Meist sind die aktuellen Testwerte auf ihren Internetseiten zu finden. Auch einige Institute bieten die Analyse von Trinwasser in Haushalten an. Hermann Dieter vom Umweltbundesamt hält diese Untersuchung jedoch für überflüssig, da sie Geld kostet und wahrscheinlich nicht mehr Informationen beinhaltet, als die Nachfrage bei den Wasserwerken ergeben würde. Um die Belastung möglichst gering zu halten, sollten etwa 200 ml Wasser ablaufen, bevor man es trinkt oder etwa zum Kochen einsetzt. Denn hat das Wasser länger als vier Stunden in der Hausleitung gestanden, können Bakterien die Qualität beeinträchtigt haben. Frisches Wasser erkennt man daran, dass es etwas kühler ist. Erscheint das Wasser trüb, verfärbt oder hat es einen ungewöhnlichen Geschmack, sollte man das sofort dem Gesundheitsamt melden.


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