HOME

Wildtiere im Winter: Die Kältespezialisten

Ihr Blut enthält Frostschutz, ihre Federn imprägnieren sie selbst und dem Sturm blicken sie mutig ins Auge: Wildtiere sind die reinsten Überlebenskünstler und trotzen Schnee und Kälte.

Bei der momentanen Kälte möchte man keinen Hund vor die Tür schicken. Doch anders als Haustiere und Menschen haben Wildtiere keinen heimeligen Ofen zum Kuscheln. Brauchen sie auch nicht. Denn viele sind wahre Kältespezialisten und haben wirksame Strategien gegen den Frost entwickelt, erklärt Nationalpark-Ranger Wolfgang Förster-Hahn im schleswig-holsteinischen Tönning.

Vögel zum Beispiel schützen sich mit einem dichten Federkleid vor den rauen Nordwinden mit Regen, Schnee, und Frost. Dabei blicken sie stets "mutig" dem Sturm ins Auge: "Bei Sturm sieht man auf den Sandbänken oft mehrere hundert Möwen ausgerichtet wie Soldaten die Schnäbel gegen den Wind gerichtet", sagt Förster-Hahn. Würden die weißen Vögel seitlich oder mit dem Rücken zum Wind stehen, könnte ein Windstoß das Federkleid wie einen Regenschirm aufklappen und die wärmende Luft davon blasen.

Enten imprägnieren ihre Federn mit Talg

Auch Enten können bei Frost stundenlang und munter im eiskalten Wasser paddeln, ohne zu frieren. "Sie fetten ihr Gefieder mit einem talgartigen Sekret aus der Bürzeldrüse ein", erklärt Förster-Hahn. Sie verteilen das ölige Sekret mit dem Schnabel oder mit den Beinen im gesamten Gefieder und machen es wasserundurchlässig.

"Das Wasser perlt ab, gleichzeitig schließen die Enten eine Luftschicht zwischen ihren wärmenden Daunen und den Wasser abweisenden Deckfedern ein." Die Luft wirke wie eine Schwimmweste und trägt die Enten stundenlang auf dem Wasser.

Genialer Trick gegen kalte Füße

Selbst kalte Füße stören die Vögel nicht. Grund ist ein genialer Trick der Natur: Das Blut der Störche und vieler anderer Vögel wird in einem "Wärmetauscher" abgekühlt, bevor es in die Füße gelangt, erklärt der Leiter des Tierparks Eekholt, Wolf-Gunthram von Schenk.

Dieses Netz besteht aus schier unendlich vielen Blutadern. Dabei liegen die Arterien, die das Blut vom warmen Körper in die kalten Füße bringen, eng neben den Venen, die das kalte Blut zurück in den Körper leiten. Das kalte, aufsteigende Blut aus den Vogelfüßen kühlt das warme Blut auf dem Weg in die Füße ab, so dass immer nur kaltes Blut in den Füßen ankommt. Auf dem Rückweg aus den eisigen Füßen wird das kalte Blut wieder aufgeheizt.

Frostschutzmittel in der Körperflüssigkeit

Doch wie sieht es mit der Nahrung aus? Vögel müssen im Winter nichts Tiefgefrorenes fressen, erklärt Förster-Hahn. So leben zum Beispiel die Herzmuscheln nur wenige Zentimeter tief im Wattboden - kein wirklicher Schutz vor Frost. "Normalerweise führt Gefrieren zu irreparablen Schäden." Doch Herzmuscheln überlisten die Naturgesetze mit einem genialen Trick: Ihre Körperflüssigkeit enthält eine Art Frostschutzmittel. Die gelösten Eiweiße und Salze in den Zellen senken den Gefrierpunkt um einige Grade: "Sie sind wirksam wie das Streusalz auf der Straße."

Und die Würmer? Der Wattwurm zum Beispiel flieht vor dem Frost in die Tiefe und buddelt sich ein: "Dort harrt er aus, bis der Winter vorbei ist", sagt Förster-Hahn.

Wolfgang Runge/DPA / DPA
Themen in diesem Artikel