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Neue Studie Schicksal der "verschwundenen" Neunten Legion enträtselt

Im Film "Centurion" verfolgt Olga Kurylenko als Rachengel die Römer.
Im Film "Centurion" verfolgt Olga Kurylenko als Rachengel die Römer.
Die Neunte Legion Hispana verschwand spurlos aus der Geschichte. Ein neues Buch bestätigt eine alte These. Die 5500 Legionäre marschierten nach Schottland und wurden im "Herz der Finsternis" aufgerieben.

Die größte Niederlage gegenüber Barbaren erlitten die Römer in Germanien, als Varus im Jahr 9 n. Chr. drei Legionen verlor. Das größte Mysterium ereignete sich aber in Britannien. Dort verschwand die Neunte Legion spurlos – 5500 Soldaten lösten sich quasi in Luft auf. Das Verschwinden der IX. Hispana beschäftigt seitdem die Fantasie nicht nur der Briten. In den letzten Jahren kreisten mehrere Filme um das Thema. In "Der Adler der Neunten Legion" versucht Marcus Flavius Aquila verzweifelt, den Adler wiederzuerlangen, den sein Vater in der Schlacht verlor. In dem blutigen Epos "Centurion" verfolgt Olga Kurylenko als Kriegerin Etain gnadenlos die überlebenden Legionäre. "Die letzte Legion" schafft das Kunststück, die verschwundene Neunte mit der Artussage zu verbinden.

Dr. Simon Elliott stellt in einem neuen Buch die verschiedenen Theorien über das Verschwinden zusammen. Er selbst hält die Annahme für wahrscheinlich, dass die Legionäre nach Norden entsandt und dort von wilden Stämmen komplett aufgerieben wurden.

Die Legionen fürchteten die Druiden

Die Eroberung der Insel verlief schleppend. Der große Caesar konnte sie nicht bezwingen. Er landete, es kam zu Kämpfen, doch dann zogen sich seine Truppen zurück. Zurück blieb eine Scheu bei den Legionären vor der unheimlichen Insel, auf der Druiden grausame Rituale praktizierten. Der wahnsinnige Caligula wollte seinen Ruhm mit einem Feldzug krönen, doch bei ihm weigerten sich die Legionen, die Schiffe zu betreten. Das Unternehmen musste abgeblasen werden.

Erst unter Kaiser Claudius wurden große Teile der Insel unterworfen. So kam auch die IX. Legion Hispana im Jahr 43 n. Chr. auf die Insel. Im Jahr 71 gründete sie York als Stützpunkt. Dort wurde sie zum letzten Mal im Jahr 108 auf einem Stadttor erwähnt.

Im Laufe der Zeit gab es mehrere Hypothesen. Etwa, dass die Legion an den Rhein verlegt wurde, dass sie wegen Feigheit aufgelöst wurde oder aber, dass sie bei einem Aufstand in der Nähe von London verloren ging. Sicher ist nur eins: Um 168 wird schriftlich festgehalten, dass die Neunte aufgehört hat zu existieren, sie fehlt in einer damaligen Truppenliste.

Aufstand zur Zeit Hadrians

Dr. Simon Elliott glaubt, dass die einfachste Erklärung meist die Beste ist. Er nimmt an, dass die klassische Theorie zutrifft. Demnach wurden die Männer in Schottland in einen Hinterhalt gelockt und in Stücke gehackt.

Den Norden der Insel konnte das mächtige Rom nie erobern, zu wild waren die Bewohner und zu unwirtlich die Umgebung. Um dauerhaft Fuß zu fassen musste das Imperium in der Lage sein, in der Nähe der Legionslager die übliche Art von Landwirtschaft zu betreiben, damit die Truppen versorgt werden konnten. In einer für die Römer unwirtlichen Einöde konnten Truppen nicht dauerhaft stationiert werden.

Im Jahr 122 n. Chr. wurde die Sechste Legion nach York verlegt. Vermutlich, um die Neunte zu ersetzen. In einer alten Aufzeichnung heißt es, dass damals "die Briten nicht unter Kontrolle gehalten werden konnten". Es kam zu großen Unruhen. Kaiser Hadrian musste Verstärkungen nach Britannien schicken, das zeigen Grabsteine aus der Zeit. Laut Dr. Elliott war die Krise so groß wie beim Aufstand der Kriegerfürstin Boudicca 60 bis 61 n. Chr.. Die kriegerische Frau vertrieb die Römer beinahe von der Insel. Ihre Krieger massakrierten und opferten fast 70.000 römische Siedler, bis ihr Heer vom römischen Statthalter geschlagen wurde.

Kein archäologischer Beweis

Die IX. Hispana hatte die Aufgabe, die nördliche Grenze des römischen Territoriums zu verteidigen. Genau wie im bekannten Kinderbuch "Der Adler der Neunten" nimmt Dr. Elliot an, dass die Legion im heutigen Schottland vernichtet wurde.

Bekannt ist, dass die Truppe schon vorher nur knapp der Vernichtung entgehen konnte. Tacitus berichtet, dass sie in den Jahren 82 bis 83 im Norden einen Feldzug unternahm und ein nächtlicher Überfall auf ihr Lager beinahe zu einer Niederlage geführt habe. Als sie später wieder in ein Gebiet eindrang, das Elliot als "Herz der Finsternis" bezeichnet, gerieten sie einen Hinterhalt, aus dem sie nicht entkommen konnten. Elliot schreibt: "Alles, was man braucht, ist ein schlechter Anführer, der zur falschen Zeit am falschen Ort ist und die falsche Entscheidung trifft, und plötzlich findet man heraus, dass die Neunte Legion bei schlechtem Wetter entlang der Highland-Grenze marschiert und allmählich von Caledoniern umzingelt ist, die auf Mord aus sind."

Die Briten verloren gegen die Römer, weil sie sich im offenen Gelände stellten, die Schotten machten diesen Fehler nicht. So eindrucksvoll eine Legion auch ist, die Mannstärke von nur 5500 macht es doch möglich, sie an einer geeigneten Stelle zu fixieren. 

In Pompeji haben sich zahlreiche erotische Darstellungen aus der Antike erhalten.

In Umgebungen aber, in denen die Legionen nicht in ihren Kampfformationen operieren konnten, war es mit der Überlegenheit schnell vorbei - wie auch der Untergang von Varus zeigt. Der Verlust der Legion dürfte auch der Grund sein, dass mit dem Bau des Hadrianwalls begonnen wurde. Er teilte das Land und sperrte die wilden Stämme vom römischen Gebiet aus.

Zweifel werden auch nach diesem Buch bleiben, denn bislang wurde der Ort der Schlacht nicht gefunden. Mit heutigen archäologischen Methoden ist es sogar möglich, die hastigen Erdbewegungen von Varus Männern beim Schanzen vor ihrem letzten Kampf aufzuspüren. Eine Schlacht, in der 5500 Legionäre fielen, muss solche Spuren hinterlassen haben.

Quelle: Roman Britain's Missing Legion


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