HOME

Stern Logo Geschichte

Rom: Villa der Prätorianer-Garde bei U-Bahnbau gefunden - so luxuriös lebten die alten Römer

Der Bau der neuen U-Bahn im Rom kommt nur langsam voran. Nun stieß man auf die Luxus-Villa eines Kommandeurs der legendären Prätorianer-Garde. Der Militär ließ sich von 14 Zimmern, Innenhof, Brunnen und Fußbodenheizung verwöhnen. 

Das Gebäude wurde um das Jahr 140 herum errichtet, in der Blütezeit unter den Kaiser Trajan und Harian.

Das Gebäude wurde um das Jahr 140 herum errichtet, in der Blütezeit unter den Kaiser Trajan und Harian.

Für alle Pendler, die auf eine neue Nahverkehrsstrecke angewiesen sind, ist der Bau der neuen C-Linie U-Bahn in Rom eine Katastrophe. Für Archäologen ist er ein Fest. Niemals sonst hätten sie die Chance, sich 12 Meter unter der Erdoberfläche durch die antiken Überreste zu wühlen, direkt unter der heutigen Bebauung.

Vor zwei Jahren wollte man eine U-Bahn-Station ausheben. Damals stieß man auf die Baracken eines Militärpostens, beim Ausschachten des Tunnels wurde ein reich ausgestattetes Haus gefunden. Die Wissenschaftler vermuten, dass in der Anlage Truppen der Prätorianer-Garde kaserniert waren. Die Prätorianer waren für den Schutz des Kaisers und der Stadt verantwortlich, andere Legionen durften die Region um Rom nicht betreten. Die Kommandeure der Garde waren ein wichtiger innenpolitischer Faktor, sie konnten Kaiser stützen oder stürzen. Ein Kommandant der Prätorianer-Garde hat vermutlich in dem Luxus-Hausgelebt.

Der Fundort liegt in der Nähe der Lateranbasilika - Basilica San Giovanni in Laterano.

Der Fundort liegt in der Nähe der Lateranbasilika - Basilica San Giovanni in Laterano.

Gut erhaltenes Prunkstück

Auch nach der Entdeckung des Postens hätten "wir uns nicht träumen lassen, dass wir ein Haus mit einem zentralen Innenhof finden würden", mit Brunnen und mindestens 14 Räume, sagte Simona Morretta, die zuständige staatliche Archäologin, auf einer Konferenz. Ein Raum soll sogar beheizbar gewesen sein. Das Domus - so der römische Name für ein Stadthaus - ist bemerkenswert gut erhalten. "Die Dekorationen waren hauptsächlich intakt, sowohl die gemusterten Mosaikböden als auch die mit Fresken bemalten Wände."

Um das Domus zu transportieren, wird das Haus aus seiner Umgebung herausgeschält.

Um das Domus zu transportieren, wird das Haus aus seiner Umgebung herausgeschält.

Das etwa 2000 Jahre alte Haus verfiel nicht einfach. In der spätrömischen Epoche, kurz vor dem Bau der aurelianischen Mauer im Jahr 271, wurden Mauern und Dach des Gebäudes in Höhe von etwa 1,80 Metern abgetragen und der Rest des Hauses mit Schutt verfüllt. Das neue Niveau des Viertels lag nun über den Resten, das stolze Haus wurde quasi begraben.

Bei der Ausgrabung wurden zudem seltene Holzartefakte entdeckt, wie zum Beispiel Holzformen, die zum Bau von Fundamenten verwendet wurden, sowie Balken. "Normalerweise finden wir in Rom nur selten Holzreste", sagte Frau Morretta. Durch die U-Bahnlinie ist man in eine Tiefe vorgedrungen in der Holz fast 2000 Jahre überdauern konnte. Nun hofft Morretta auf weitere Funden: "Wir müssen noch vier weitere Meter graben. Wir haben keine Ahnung, was wir finden werden."

Der Chef des Anti-Korruptionsbüro ANAC, Raffaele Cantone, versicherte , dass das Domus der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werde und an seiner Fundtstelle wieder aufgebaut werde.,

Der Chef des Anti-Korruptionsbüro ANAC, Raffaele Cantone, versicherte , dass das Domus der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werde und an seiner Fundtstelle wieder aufgebaut werde.,

Wird am gleichen Ort erhalten

Doch was wird nun mit den Fundstücken passieren? Sie verzögern den Bau der Bahn, halten ihn aber nicht auf. Das Domus wird in großen Segmenten abgetragen und in Containern zwischengelagert. Wenn die Amba-Aradam-Station fertig wird, werden die Segmente zurückkehren, dann wird das Domus im Herzen der Station wieder aufgebaut – sichtbar für alle Fahrgäste. Mittlerweile sind 21 von 24 Stationen der Linie C in Betrieb. Die Amba-Aradam-Station soll im Jahr 2022 eröffnet werden.

Das Haus wurde vermutlich von einem hohen Offizier bewohnt,

Das Haus wurde vermutlich von einem hohen Offizier bewohnt,


Kra
Themen in diesem Artikel
Auf welche Rechtsgrundlage beziehen sich die Münchner Finanzämter im jüngsten Steuerskandal?
Gestern in Report: Münchener Mittelständler, die zum Beispiel Werbung bei Google gekauft haben, sollen auf gezahlte Werbung bei Google eine Quellensteuer von 15 Prozent zahlen, und zwar zunächst rückwirkend für die Jahre 2012 und 2013. Das Geld, so die Betriebsprüfer des Finanzamts München, könnten sich die Steuer ja von Google zurückholen. Klingt skurril. Klingt nach einer Sauerei. ich habe mir deshalb den 50a ESTG durchgelesen, was wenig Freude macht. Dort steht erstens: "Die Einkommensteuer wird bei beschränkt Steuerpflichtigen im Wege des Steuerabzugs erhoben", was bedeutet, dass (um im Beispiel zu bleiben) Google der Steuerschuldner ist und sich das Finanzamt dorthin wenden soll und unter Abschnitt 7: "Das Finanzamt des Vergütungsgläubigers kann anordnen, dass der Schuldner der Vergütung für Rechnung des Gläubigers (Steuerschuldner) die Einkommensteuer von beschränkt steuerpflichtigen Einkünften, soweit diese nicht bereits dem Steuerabzug unterliegen, im Wege des Steuerabzugs einzubehalten und abzuführen hat, wenn dies zur Sicherung des Steueranspruchs zweckmäßig ist. " Nach diesem Text muss das Finanzamt von Google diese Anordnung treffen und nicht das Münchner. Ich bin mir sehr sicher, dass das Finanzamt in Irland nicht tätig geworden ist. Was also könnte die Rechtsgrundlage für diese extreme Auslegung einer Vorschrift sein, die ursprünglich dazu gedacht war, dass Veranstalter von Rockkonzerten die Steuern für die ausländischen Musiker abführen (was ja vernünftig ist)?