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Mathematik-Professor erklärt: Darum ist der FC Bayern so erfolgreich – und Messi der beste Fußballer der Welt

Warum sind einige Fußball-Teams so erfolgreich, während andere ständig Niederlagen einfahren? Und was macht eigentlich einen guten Fußballer aus? Mathematik-Professor David Sumpter glaubt die Antworten zu kennen – mithilfe von Zahlen.

Christiano Ronaldo und Lionel Messi spielen gemeinsam Fußball

Mathematik-Professor David Sumpter hat nachgerechnet: Wer ist der bessere Spieler - Christiano Ronaldo (links) oder Lionel Messi?

David Sumpter ist Mathematik-Professor an der schwedischen Uppsala-Universität und sagt über sich selbst, er liebe Zahlen genauso sehr wie Fußball. Der 43-Jährige hat deshalb ein Buch zu dem Thema geschrieben: "Soccermatics". Darin erklärt er, was ein gutes Spiel ausmacht – und liefert den Beweis, dass Fußball durchaus berechenbar ist.

Herr Sumpter, Ihr Buch handelt über die Beziehung zwischen Fußball und Mathematik – zwei Themen, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Was haben sie gemeinsam?

Das stimmt, auf den ersten Blick wirken sie sehr unterschiedlich: Das eine ist ein Spiel, bei dem Sportler einen Ball herumkicken – das andere mentale Leistung. Aber wenn man ein wenig tiefer in die Thematik einsteigt, gibt es große Ähnlichkeiten. Die Mathematik ist nicht so abstrakt wie wir sie uns manchmal ausmalen. Wer praktische mathematische Probleme lösen möchte, braucht räumliches Denkvermögen, das auch Fußballspieler anwenden. Auf der anderen Seite spielen im Fußball Theorie, Aufbau und Taktik eine wichtige Rolle – und das erfordert logisches Denkvermögen, das dem der Mathematik stark ähnelt.

Wie beeinflusst Mathematik das moderne Fußballspiel?

Heutzutage stehen uns viele Daten zur Verfügung – von der Position des einzelnen Spielers bis hin zu der Bewegung des Balls. Das ermöglicht es den Trainern, die Mathematik, die hinter dem Spiel steckt, genauestens zu erfassen. Ich denke, wir stehen am Anfang von dem, was diese Technologien in Zukunft leisten können. Wir werden künftig darauf achten, wie sich die Verteidigung abstimmt, wie Spieler den Ball anspielen und wie gut sie zu den besten Positionen aufschließen. Diese Infos werden Trainer künftig nutzen, um die Spieltaktik zu verbessern.

Mathematik, Statistik, Daten – das klingt alles sehr rational. Bleibt da nicht die Freude am Spiel auf der Strecke?

Fußball ist für mich eine Mischung aus drei verschiedenen Dingen: Zufall, Struktur und Magie. Nur weil wir etwas wissenschaftlich erfassen können, bedeutet das nicht, dass es deshalb an Faszination verliert. Ein großartiges Beispiel dafür ist Deutschlands Sieg über Brasilien im Halbfinale der Weltmeisterschaft 2014. Das war schlicht ein unglaubliches Ereignis.

Das DFB-Team hat damals mit einem Endergebnis von 7:1 gewonnen. Worauf führen Sie diesen Erfolg zurück?

Es lag einerseits an der Art und Weise, wie sich Deutschland auf das Spiel vorbereitet hat und andererseits war auch Glück dabei. Es passiert selten, dass so viele Tore in so schneller Abfolge erzielt werden. Für die deutschen Fans war es jedoch vor allem eines: ein Stück Magie.

Auf einen Spielausgang wie diesen hatte damals so gut wie niemand getippt – weder Spieler, noch Fans oder Buchmacher. Warum fällt es so schwer, im Fußball zuverlässige Prognosen treffen zu können?

Etwa zwei Drittel eines jeden Spiels hängen von Zufall und Glück ab. Das ist es auch, was den Fußball so spannend macht. In einem Spiel fallen meist nur wenige Tore, deswegen kann sich auch in der letzten Minute das Schicksal wenden. Über die Dauer einer Saison lassen sich zuverlässigere Prognosen machen. Bayern München etwa war in den vergangenen Jahren recht solide. Doch in einzelnen Spielen besteht immer die Chance, dass auch das schwächste Team der Liga ein Tor gegen das beste Team erzielt. Das erschwert zuverlässige Vorhersagen.

Gibt es keine Möglichkeit, treffsichere Prognosen abzuschließen?

Man kann mit dem verbleibenden Drittel eines Fußballspiels arbeiten, das nicht dem Zufall unterworfen ist. Und das ist noch eine ganze Menge. Beispielsweise kann man beobachten, wie Spieler den Ball passen und so die Strömung eines Spiels auf Basis der Mathematik erfassen. In meinem Buch beschreibe ich, wie Schweinsteigers Pass-Spiel in der Europameisterschaft 2012 Vorhersagen darüber zulässt, wie er im Finale der Weltmeisterschaft zwei Jahre später spielen wird. Es ist wie bei einer Wettervorhersage: Schweinsteiger wirbelte 2012 wie ein Tornado über den Platz – und das erhielt er sich auch bei dem WM-Finalspiel gegen Argentinien bei. Er dominierte das Spiel und führte Deutschland zum Erfolg.

Was könnte das Geheimnis hinter erfolgreichen Teams wie Bayern München sein?

Die Vorgehensweise von Bayern beruht auf Mathematik und Statistik. Sie sind das führende Team, wenn es darum geht, Daten zu sammeln und zu verarbeiten. Sie überwachen, wie sich die Spieler während des Trainings bewegen und verwenden automatische Standorterfassung. So wird überprüft, dass jeder die Vorgaben des Trainers einhält. Meiner Meinung nach gibt es jedoch derzeit kein Team – auch nicht Bayern – das die Fülle an verfügbaren Daten ausschöpft.  Es wird sicher spannend, die anstehenden Neuerungen in den kommenden Jahren zu verfolgen.

Es gibt eine Frage, die Fußballfans seit Jahren herumtreibt: Wer ist der beste Fußballer der Welt – Messi oder Ronaldo? Haben Sie aus mathematischer Sicht darauf eine Antwort?

Ja, diese Frage habe ich anhand der erzielten Tore in der spanischen Fußballliga, der La Liga, analysiert. Sowohl Messi als auch Ronaldo haben die Pichichi-Trophäe für die meisten erzielten Tore in der jeweiligen Saison gewonnen. Doch Messi hat in den Jahren 2011/2012, in seiner besten Saison, 50 Tore erzielt – ein Rekord. Ich habe errechnet, dass dies ein Ereignis ist, das wohl nur einmal im Leben auftritt. Laut aktuellem Datenmaterial kommt so etwas nur einmal alle 70 Jahre vor. Ronaldos bestes Torergebnis war einmalig für die Dauer von 30 Jahren. Das ist immer noch gut – aber kann nicht ganz mit Messi mithalten.

Haben Sie eine Lieblingsmannschaft?

Ich bin Fan des FC Liverpool, das war ich schon als kleiner Junge.

Gibt es auch dafür eine mathematische Erklärung?

Meine Mutter ist Fan dieser Mannschaft, sie entschied sich dafür, weil sie ihre Eltern ärgern wollte, die immer für Everton waren. Ich bin also in ihre Fußstapfen getreten und habe die Vorliebe auch an meinen Sohn weitergegeben. Er und seine Ur-Großmutter haben immer jede Menge Spaß, wenn sie sich über Fußball streiten.