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Stiftung Warentest - Werbung mit Testergebnissen: Tricks der Anbieter

Etwa 100 Schummeleien pro Jahr werden juristisch verfolgt.

Nur 5,99 Euro für ein Stahlbügelschloss mit test-Qualitätsurteil Gut? Den Prüfern der Stiftung Warentest kamen bei diesem Lidl-Angebot Zweifel. Immerhin war es schon zwei Jahre her, dass sie das Sekura KB 302 auf dem Prüfstand hatten, da kostete es noch 13 Euro. Ein Nachtest brachte die Wahrheit ans Licht. Denn in wenigen Minuten war das Teil geknackt, der Befund eindeutig: Das "Schnäppchen" war ein völlig anderes Produkt. Es hätte niemals das Gut tragen dürfen.

Insgesamt sind Schummeleien bei der Werbung mit Testurteilen eher selten. In der Regel stimmt das genannte Testurteil. Doch etwa 100 Fälle pro Jahr werden juristisch verfolgt. Meist stoppen die Anbieter nach einer Abmahnung ihre Werbung, mitunter wird vor Gericht geklagt.

Ein paar Beispiele für Tricksereien:

  • Hersteller verändern das Produkt nach dem Test. So zeigten Nachprüfungen bei Matratzen teils gravierende Abweichungen. Material wurde eingespart, der Bezug geändert, ebenso der Härtegrad. Bei sechs Matratzen reichte es für das ursprüngliche Gut nicht mehr.
  • Das test-Qualitätsurteil wird auf die ganze Modellreihe oder ähnliche Angebote übertragen, die gar nicht getestet wurden.
  • Der angebliche Testsieger ist gar keiner. In Wahrheit haben andere Produkte im Test besser abgeschnitten.
  • Der Test ist veraltet. Ein Discounter warb für eine Waschmaschine, die ihr Gut schon 2002 erhalten hatte. Inzwischen hatte es aber längst neue Tests mit verschärften Prüfkriterien gegeben.
  • Häufig prangt das Sehr gut werbewirksam auf der Verpackung. Doch Titel, Monat und Jahr der Veröffentlichung fehlen oder sind unleserlich. Das ist nicht erlaubt: Der Verbraucher muss die Untersuchungsergebnisse nachprüfen können.

Katalog mit klaren Kriterien

Die Stiftung Warentest hat einen Katalog mit klaren Kriterien für die Werbung mit Testurteilen aufgestellt. Sie stehen im Internet unter https://www.test.de/unternehmen/werbung. Für Hinweise auf unlautere Werbung ist die Stiftung Warentest dankbar.

Um einen Verstoß verfolgen zu können, sind folgende Angaben nötig:

  • Volle Anschrift des Unternehmens.
  • Original der Werbung, also Prospekt, Broschüre, Verpackung.
  • Bei Werbung im Internet einen Screenshot anfertigen: Taste "Druck" rechts oben auf der Tastatur, dann zum Beispiel in Word ein neues Dokument öffnen und Befehl "Einfügen". Dazu das Datum sowie den Namen des Erstellers.
  • Bei Werbung auf Plakaten ein Foto machen. Dazu die Angabe, wann, wo und von wem das Foto gemacht wurde.

Irreführende Werbung können Sie melden an: Verbraucherzentrale Bundesverband, Kollektiver Rechtsschutz, Markgrafenstraße 66, 10969 Berlin, recht@vzbv.de

Stiftung Warentest
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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.