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Teilreport des IPCC Das sind die wichtigsten Aussagen des neuen Weltklimaberichts

Hitze und Überflutung in Kalifornien
Überflutungen in San José in Kalifornien 2017, aktuell wird der Golden State von Dürre und Waldbränden geplagt. Natur-Katastrtophen lassen sich laut dem neuen Weltklimabericht nun direkt auf den Klimawandel zurückführen.
© Noah Berger / AFP
Die Klimakrise verschärft sich schneller als ohnehin befürchtet. Naturkatastrophen sind auf die globale Erwärmung zurückzuführen und sie werden zunehmen. Die wichtigsten Aussagen des neuen Weltklimaberichts.

Der Weltklimarat IPCC hat erstmals seit 2014 neue, grundlegende wissenschaftliche Bewertungen zum Stand der Entwicklung des Klimawandels veröffentlicht. Der erste Teil des neuen IPCC-Sachstandsberichts zeigt eindeutig, dass die globale Erwärmung schneller voranschreitet als bisher bereits befürchtet – und dass der Mensch diese Entwicklung maßgeblich zu verantworten hat.

Ein Überblick über die wichtigsten Erkenntnisse:

Schnellerer Temperaturanstieg

Der Anstieg der durchschnittlichen Oberflächentemperatur der Erde beträgt in allen von den Experten durchgespielten fünf Szenarien bereits um das Jahr 2030 rund 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter. Das ist ein ganzes Jahrzehnt früher als bislang angenommen.

Bis Mitte des Jahrhunderts wird die im Klimaabkommen von Paris formulierte 1,5-Grad-Grenze demnach überall überschritten werden. Einen Hoffnungsschimmer gibt es in weiter Ferne: Im optimistischsten IPCC-Szenario sinkt die Durchschnittstemperatur nach einem Anstieg über 1,5 Grad bis 2100 wieder auf 1,4 Grad über vorindustriellem Niveau.

Naturkatastrophen als direkte Folge

Naturkatastrophen, wie sie sich aktuell in vielen Regionen der Welt ereignen, sind laut IPCC direkt auf die Klimaerwärmung zurückzuführen. Die erhöhten Wahrscheinlichkeiten bestimmter extremer Wetterereignisse können demnach mittlerweile deutlich präziser berechnet werden. Wissenschaftler stellten beispielsweise fest, dass die Rekordhitze an Nordamerikas Westküste im Juni ohne den Einfluss des Klimawandels "praktisch unmöglich" gewesen wäre.

Rasch steigender Meeresspiegel

Die Pegel der Weltmeere sind seit 1900 um etwa 20 Zentimeter angestiegen und allein im vergangenen Jahrzehnt hat sich die Geschwindigkeit des Anstiegs nahezu verdreifacht. Maßgeblich verantwortlich dafür ist nicht mehr das Abschmelzen der Gletscher, sondern es sind die schwindenden Eisschilde der Pole.

Wenn der globale Temperaturanstieg auf zwei Grad begrenzt wird, wird der Anstieg des Meeresspiegels im Laufe dieses Jahrhunderts einen halben Meter betragen und bis 2300 sogar fast zwei Meter. Im ungünstigsten Szenario wird der Anstieg um zwei Meter sogar bereits um das Jahr 2100 erreicht.

Der Meeresspiegelanstieg ist grundsätzlich unaufhaltsam, wie ein Blick in die weit entfernte Vergangenheit zeigt: Als die Erdatmosphäre das letzte Mal so warm war wie heute, vor etwa 125.000 Jahren, lag der Meeresspiegel fünf bis zehn Meter höher. Aber auf einen langsameren Anstieg kann in Küstennähe besser reagiert werden.

Der Golfstrom schwächelt

Die Atlantische Umwälzzirkulation (AMOC), auf die auch der Golfstrom zurückzuführen ist, schwächt sich ab und dieser Trend wird sich "sehr wahrscheinlich" im Laufe des 21. Jahrhunderts fortsetzen. Die Wissenschaftler schließen nicht aus, dass die Meeresströmungen, die den globalen Wärmetransfer von den Tropen in die nördliche Hemisphäre regeln, gänzlich zum Erliegen kommen. Dadurch würden die Winter in Europa bedeutend kälter werden.

Natürliche CO2-Senken kommen an ihre Grenzen

Seit etwa 1960 haben Wälder, Böden und Ozeane 56 Prozent der stark gestiegenen, vom Menschen verursachten CO2-Emissionen absorbiert. Aber die natürlichen CO2-Senken kommen den IPCC-Experten zufolge an ihre Grenzen. Der von ihnen aufgenommene Anteil der ausgestoßenen Treibhausgase wird im Laufe des Jahrhunderts voraussichtlich spürbar abnehmen.

Fokus auf Methanausstoß

Methan ist nach CO2 das zweitwichtigste Treibhausgas. Der Mensch setzt zum einen beim Abbau fossiler Brennstoffe in der Erde gespeichertes Methan frei. Zweite große Quelle ist die Viehhaltung. Die Experten warnen, dass bei anhaltend hohem Methanausstoß die Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens nicht erreichbar sind.

Regionale Unterschiede

Einige Gebiete erwärmen sich schneller als andere. In der Arktis zum Beispiel wird die Durchschnittstemperatur an den kältesten Tagen voraussichtlich dreimal so schnell ansteigen wie die globale Erwärmung. Auch die Meeresspiegel steigen überall, an manchen Küsten wird dies den IPCC-Experten zufolge aber deutlich stärker zu spüren sein als an anderen.

Folgenschwere Veränderungen nicht ausgeschlossen

Der IPCC warnt vor "unwahrscheinlichen, aber folgenschweren" Veränderungen im Klimasystem, sogenannten Kipppunkten: Das komplette Abschmelzen eines ganzen Eisschildes könnte den Meeresspiegel dutzende Meter steigen lassen. Sibirische Permafrostböden könnten Milliarden Tonnen Treibhausgas freigeben. Der Amazonas-Regenwald könnte zur Savanne werden. "Abrupte Reaktionen und Kipppunkte des Klimasystems (...) können nicht ausgeschlossen werden", heißt es in dem Bericht. Die Folgen wären weitgehend unabsehbar, aber definitiv katastrophal.

dho / Patrick Galey und Marlowe Hood AFP

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