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Vor 3000 Jahren Mumifizierte Papageien offenbaren düstere Seite unserer Geschichte

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Diese mumifizierten Papageien erzählen von einer dunklen Seite unserer Geschichte: Wissenschaftler haben die mehr als 3000 Jahre alten Vögel untersucht, um mehr über das Leben der frühen Völker in Südamerika zu verstehen. Dabei sind sie auch auf grausame Praktiken gestoßen.   
  
Wir wissen heute nur wenig über die Zeit vor dem Inka-Reich. Damals lebten in der Region des heutigen Chile, Boliviens und Peru verschiedene Stämme. Sogar in lebensfeindlichen Gebieten wie der Atacama-Wüste im nördlichen Chile siedelten Menschen.  
  
Die Forscher José Capriles und Calogero Santoro haben in einer Studie neue Hinweise auf den Alltag dort entdeckt. Die Archäologen untersuchten mit ihrem Team 27 Tiere von fünf verschiedenen Fundstellen im nördlichen Chile.  
  
Capriles: "Unsere Analyse zeigt, dass damals verschiedene Arten von Papageien aus dem Osten über die Anden zu diesen Menschen kamen.  Dafür nutzten die Menschen Lama-Karavanen. Diese Form des Handels hatte in der Zeit 1100 bis 1400 vor Christus ihren Höhepunkt. Es gab einen regen Austausch zwischen den unterschiedlichen Völkern in dieser Region."
  
Das Handelsgebiet reichte über Tausende Kilometer von der Pazifikküste bis zum Amazonas.  Die sogenannten Pica-Tarapaca-Kulturen, die in der Atacama-Wüste lebten, sprachen unterschiedliche Sprachen. Sie führten Kriege, tauschten aber auch Waren. Davon erzählen die mumifizierten Vögel.  


"Wir haben die überraschende Entdeckung gemacht, dass die Vögel wohl mit Mais gefüttert worden sind, der mit Guano gedüngt wurde. Einige der Orte sind Oasen in der Mitte der Wüste. Damit sie mehr Ertrag haben, haben die Menschen aus diesen Regionen große Mengen von Seevogel-Kot mithilfe der Lamas von der Küste in die Wüste gebracht. Damit haben sie den Wüstenboden fruchtbar und viel ertragreicher gemacht."
  
Auch das Halten von Vögeln wird durch den fruchtbaren Boden in der Wüste möglich. Anhand der Überbleibsel der Papageien können die Forscher aufzeigen, wie das Leben der Vögel dort aussah.   
  
Santoro: "Ihr Leben war elend. Wir haben einen unserer ersten Papageien einem Ornithologen gezeigt und er wurde sehr traurig, als er ihn sah. Die Federn waren bis auf das untere Gefieder herausgezogen, der Schnabel gestutzt und die Füße des Tieres zusammengewachsen – so dass es sich nicht von dem Stock, auf dem es saß wegbewegen konnte."  
  
Die Papageien galten damals als spirituelle Symbole, ihre Federn waren ein Zeichen von Status.  Sie wurden in aufwendigen Verfahren mumifiziert und einflussreichen Personen ins Grab beigelegt.   
  
Das bedeutet allerdings nicht, dass sie auch gut behandelt wurden. Als lebende Federnspender seien sie häufig gerupft worden, so die Forscher. Damit sie sich in der monotonen Gefangenschaft nicht selbst verletzten, wurde den intelligenten Tieren der Schnabel gestutzt.    
  
  
Santoro: "Die Menschen damals haben die Tiere ebenso gemanagt wie die Produkte, die sie besaßen. Da gibt es nichts zu idealisieren." 
  
Dass das Leben vor 3000 bis 4000 Jahren in harmonischem Einklang mit der Natur stattfand, ist also nicht mehr als eine romantische Fantasie. Fest steht: Die tierischen Mumien sind auch heute für uns ein Schatz. Leben und Tod waren in der damaligen Perspektive der Menschen nicht voneinander getrennt. Die aufwendige Mumifizierung sollte die Körper der Toten für lange Zeit im Diesseits bewahren. Heute sind sie unser Tor, um das Leben lange vergessener Kulturen genauer zu verstehen.  


Quelle: Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America
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Wissenschaftler  haben die Überbleibsel von mehr als 3000 Jahre alte Papageien untersucht, um mehr über das Leben der frühen Völker  in  Südamerika zu verstehen. Gefunden wurden die Tiere in alten Grabstätten in der Atacama-Wüse. Aber wie kamen die Vögel dorthin? Die Archäologen rekonstruieren, wie die Vögel lebten, und machen dabei eine grausame Entdeckung. 

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