Wunderbares Graz Der Terminator fremdelt


Das österreichische Graz rühmt sich, ein Zentrum der Menschenrechte zu sein. Zu dumm, dass Arnold Schwarzenegger, der berühmteste Sohn der Stadt, von Amts wegen Menschen exekutieren lässt. Nun wird sein Name vom lokalen Stadion entfernt - und die Politik steht Kopf.

"Es ist eine Tragik", klagte Alfred Gerstl, als ihn die österreichische Presse auf die Reaktion seines alten Freundes und konservativen Gesinnungsgenossen Arnold Schwarzenegger ansprach. "Einen Menschen wie ihn, der in seinem Büro neben der US-Flagge auch die steirische hängen hat, trifft das sehr." Schwarzenegger, von dem man seit "Terminator" annahm, er bestehe aus Computerchips und Stahl, hat also doch eine gefühlige Seite.

Zumindest in eigener Sache. Den ehemaligen Gangster Stanley "Tookie" Williams, der sich im Knast zum Kinderbuchautor und Friedensprediger wandelte, ließ er gnadenlos hinrichten. Alle Proteste und Bittbriefe konnten den Schwarzenegger, den amtierenden Gouverneur von Kalifornien, nicht umstimmen. Ähnlich wird er vermutlich auch mit dem nächsten Todeskandidaten verfahren: Clarence Ray Allen, 76 Jahre alt, blind und an den Rollstuhl gefesselt. Der alte Mann soll am 16. Januar 2006 sterben.

Die Eiche schlägt zurück

Zu dumm, dass seine Heimatstadt Graz nicht in Texas liegt, sondern in der österreichischen Steiermark. Obendrein residiert dort das Europäischen Trainings- und Forschungszentrum für Menschenrechte und Demokratie. Und, für Arnie noch fataler: Im Gemeinderat haben Sozialdemokraten, Grüne und Kommunisten eine Mehrheit. Nach dem Fall Williams beschlossen Sie, es dem uneinsichtigen Terminator zumindest symbolisch heimzuzahlen: Der Arnie-Schriftzug auf dem örtlichen Stadion sollte verschwinden. Im kommenden Januar sollte der Beschluss offiziell gefasst werden.

Doch die "steirische Eiche", so Arnies Spitzname in der Region, bekam Wind von der politischen Sache und kam dem Beschluss zuvor. In einem Brief an den Grazer Bürgermeister Siegfried Nagl erklärte der Muskelmann verschnupft: "Um den verantwortlichen Politikern der Stadt Graz weitere Aufregungen zu ersparen, entziehe ich ihnen ab sofort das Recht, meinen Namen im Zusammenhang mit dem Liebenauer Stadion zu verwenden. […] Ich erwarte, dass der Schriftzug bis zum Jahresende 2005 entfernt wird und mein Name in Zukunft zu keinerlei Graz-Werbezwecken benutzt werden darf." Den Ehrenring der Stadt, den Schwarzenegger 1999 verleihen bekam, schickte er auch gleich zurück. Das saß.

80 Prozent Zustimmung?

Seitdem ist der Katzenjammer gigantisch - jedenfalls bei Bürgermeister Nagl, der für die konservative ÖVP Politik macht und die Umbenennung des Stadions selbstredend abgelehnt hatte. Nagl bangt nun um das schöne Geld der Arnie-Pilger, die in Graz dem Schweißgeruch des Meisters nachschnuppern. Der Schaden werde die Region "hunderte Millionen Euro" kosten, klagte Nagl im österreichischen Rundfunk. Man habe mit Arnies Namen selbst im fernen China geworben. Außerdem könne es nicht sein, dass ein Volksheld von den "Wichtigtuern" der Linken abgesägt würde. "Mindestens achtzig Prozent der Menschen stehen hinter ihm", so Nagl in der Tageszeitung "Die Presse". Eilig antwortete er Schwarzenegger mit einem Brief, in dem er sich für das "provinzielle Vorgehen" seiner Grazer Widersacher entschuldigte und seine Loyalität bekundete: "Zu einem Freund und großen Bürger unserer Stadt steht man auch, wenn es einmal die eine oder andere Verunstimmung gibt und zieht seinen Namen nicht in den Schmutz." Er hoffe, Arnies "I'll be back" schon bald wieder in Graz zu hören.

Ob es dazu kommt, ist allerdings mehr als fraglich. Die Grünen wollen im Nationalrat einen Entschließungsantrag einbringen, demzufolge Arnold Schwarzenegger die österreichische Staatsbürgerschaft aberkannt werden soll. Im Gesetz sei schließlich festgehalten, dass derjenige kein Österreicher sein könne, der im Dienste einer fremden Macht stehe oder dem Ansehen des Landes schweren Schaden zugefügt habe. Für die Grünen hat sich Schwarzenegger durch seinen Einsatz für die Todesstrafe moralisch vollständig disqualifiziert. Auch Bürgermeister Nagl, ein konservativer Christ, ist ein erklärter Gegner der Todesstrafe - aber da es um das liebe Geld geht, zeigt er eine gewisse mentale Flexibilität.

Ein neuer Name für das Stadion

Die Österreicher selbst nehmen das Gefetze in der steirischen Politik offenbar mit dem landestypischen Schmäh hin. Der "Kurier" kommentierte: "Viele Steirer und auch andere Österreicher haben sich Schwarzenegger übermäßig angebiedert. Nun glauben sie, sich für ihn genieren zu müssen. Das eine ist so überflüssig wie das andere. Heldenverehrung nur nach dem Tod ist eben weniger riskant." Und im Internet machte die Zeitung ein Forum auf, in das Bürger Namensvorschläge für das Ex-Schwarzenegger-Stadion posten können.

"Wie wäre es mit 'Micky Maus Stadion'?", schreibt Richard Gutbruck aus Villach. "Micky hat noch nie etwas Böses getan und wird das auch in Zukunft nicht tun. Das Problem allfälliger Namensänderung wäre somit für die nächsten 500 Jahre gelöst." Ein anderer Nutzer schlägt den ehrenwerten Namen "Mahatma Ghandi Stadion" vor, ein dritter plädiert sarkastisch für "Karl Marx-Freundschaft-Ausländer-Stadion", weil dieser Name die Grazer Linke sicherlich erfreuen würde. Das Posting von Hans Werwig aus St. Pölten hingegen klingt fast salomonisch: "Ich würde das Stadion einfach in 'Anabolika-Stadion' umbenennen. Somit wäre das Namensproblem gelöst und würde trotzdem einem großen 'steirischen Spitzensportler' zu Ehre gereichen."

Lutz Kinkel

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