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Nach Peta-Kritik Überpopulation an Flachlandgorillas: Europäische Zoos stehen vor einem Problem

Gorillas Überpopulation
Gorillaweibchen Yene mit ihrem Mädchen Kesha neben dem Silberrücken Assumbo 2020 in der Außenanlage des Rostocker Darwineums 
© Bernd Wüstneck / Picture Alliance
Europäische Zoos beherbergen inzwischen eine große Zahl an Flachlandgorillas, weil sich die Tiere über die Jahre stark vermehrt haben. Peta warnt die Zoos davor, Tötungen als Lösung in Betracht zu ziehen. Die Zoos stehen vor einem Problem.

Dieser Beitrag erschien zuerst bei RTL.de

Verkehrte Welt: Während westliche Flachlandgorillas in freier Wildbahn vom Aussterben bedroht sind, leben in europäischen Zoos und Tierparks zu viele von ihnen. Das könnte drastische Konsequenzen haben: So überlegen Zoobetreiber laut "Guardian" nun, männliche Flachlandgorillas zu töten.

Zu viele Gorillas und illegale Vorhaben

Das gehe aus bislang geheimen Dokumenten der "European Association of Zoos and Aquaria" (EAZA) hervor, die dem "Guardian" vorliegen. Die EAZA ist ein Verband, der Zoos, Aquarien in Europa und dem Nahen Osten betreibt. In den 70 Zoos der Organisation lebten 463 Tiere, davon 212 männliche und 250 weibliche Gorillas − zu viele.

Der Ausweg: Mit Keulen, Kastration oder der getrennten Haltung von männlichen Gorillas könne die Überpopulation wieder eingedämmt werden. So räume der Gorilla-Aktionsplan ein, dass die Keulung "das am besten geeignete Instrument wäre, wenn man es streng vom biologischen Standpunkt aus betrachtet."

Weiter heißt es in dem Dokument, dass die Entscheidung jedoch in der Öffentlichkeit unpopulär sein könnte. Denn in vielen Ländern sei diese Option umstritten und in einigen unter bestimmten Umständen sogar illegal.

Peta kritisiert die europäischen Zoos: "Betreiben keinen Artenschutz"

Tatsächlich ließ die Kritik an dem Vorhaben nicht lange auf sich warten: "Diese Tötungspläne zeigen erneut, dass Zoos keinen Artenschutz betreiben und die Menschenaffen auswildern, sondern nur für eigene Zwecke züchten − und töten, wenn sie zu viel Platz brauchen", beklagt die Tierschutzorganisation "Peta" auf ihrer Internetseite.

Immer lauter werden nun Rufe nach Auswilderungen der seltenen Gorillas. Primatologe Ben Garrod erklärt im "Guardian", dass das schwierig sei. "Die Auswilderung eines großen Säugetiers ist mit so vielen Überlegungen und Schwierigkeiten verbunden, und Menschenaffen sind eine besonders riskante Gruppe", so Garrod.

Gorillas könnten Krankheitserreger, an denen auch Menschen erkranken, in sich tragen. Sollten diese Krankheiten dann in wilde Gorillapopulationen eingeschleppt werden, könnten die Auswirkungen verheerend sein. Daher bräuchten Tiere, die ausgewildert werden, einen Lebensraum abseits des Menschen und idealerweise entfernt von anderen Gorillas.

"Wir haben nicht das Recht, sie so zu behandeln"

Er sieht grundsätzlich eher ein anderes Problem: "Ich würde fragen, warum jeder Zoo so viele Gorillas züchten kann, dass eine Keulung sogar als notwendig erachtet wird. Töten wir die Babys oder alten Tiere oder überschüssigen Männchen? Dies sind soziale, empfindungsfähige und kultivierte Tiere. Wir haben nicht das Recht, sie auf diese Weise als Überschuss zu behandeln. Solche Tiere ohne nachhaltiges und ethisches Ergebnis zu züchten, ist gelinde gesagt rücksichtslos und muss angegangen werden."

Eine EAZA-Sprecherin bestätigte dem "Guardian" die Tötungspläne als "Teil des Managementplans". Die Zoos würden aber eine Auswilderung unterstützen, wenn die Bedingungen dafür geeignet seien. Sie erklärte auch, dass es bislang keine Tötung gab und der Verband diese aktuell auch nicht klar empfehlen würde.

jmu / RTL.de

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