Absturz der Maschine von Lech Kaczynski Ermittler schließen technische Ursache aus

Wer ist schuld am Absturz der Präsidentenmaschine? Nach der Auswertung des Stimmrekorders ist für die russischen Ermittler klar: Das Flugzeug Kaczynskis war in einwandfreiem Zustand.

Die russische Staatsanwaltschaft schließt eine technische Ursache für den Absturz des Flugzeugs mit dem polnischen Präsidenten Lech Kaczynski an Bord aus. Die Maschine vom Typ Tupolew TU-154 sei in einwandfreiem Zustand gewesen, sagte Chefermittler Alexander Bastrykin am Sonntag. Nach Auswertung des Stimmenrekorders im Flugzeug gebe es in den aufgezeichneten Gesprächen zwischen dem Piloten und dem Tower keine Hinweise auf technische Probleme.

Vielmehr sei der Pilot von Kaczynskis Maschine mehrfach auf die schlechte Wetterlage und den Nebel hingewiesen worden, sagte der Chefermittler. Trotzdem habe der Pilot vier Landeversuche unternommen. Keiner der Insassen, darunter ein großer Teil der polnischen Führungselite, überlebte den folgenden Absturz. Außer Kaczynski und seiner Frau Maria starben auch der polnische Generalstabschef Franciszek Gagor, Nationalbankchef Slawomir Skrzypek, Vize-Außenminister Andrzej Kremer sowie zahlreiche Parlamentarier und nahezu die gesamte Führung der polnischen Armee.

"Die Welt hat noch nie eine solche Tragödie erlebt"

Während die Ermittlungen fieberhaft weiterlaufen, steht Polen derzeit unter Schock. Zum Gedenken an die 96 Todesopfer des Absturzes hielt das ganze Land am Sonntagmittag für zwei Minuten inne. Als die Sirenen um 12 Uhr überall heulten, blieben Menschen auf der Straße stehen, mitten im Verkehr stoppten Autos. Vor dem Parlament in Warschau würdigte Ministerpräsident Donald Tusk seinen früheren politischen Widersacher mit einem Kniefall. "Die moderne Welt hat noch nie eine solche Tragödie erlebt", hatte er bereits am Samstag gesagt, wo er im westrussischen Smolensk gemeinsam mit dem russischen Ministerpräsidenten Wladimir Putin am Unglücksort Blumen niederlegte.

Tausende Kerzen, Kränze und Blumen säumten auch die Prachtallee vor dem Präsidentenpalast im Zentrum von Warschau. Auch in der Nacht zum Sonntag riss der Strom der Menschen, die dem Staatsoberhaupt die letzte Ehre erweisen wollten, nicht ab. Tausende beteten, sangen patriotische Lieder, weinten oder machten sich gegenseitig Mut.

Trauer um "die Elite der Nation"

Auch viele junge Leute, die nicht unbedingt zur Wählerschaft des nationalkonservativen Präsidenten zählten, zeigten Betroffenheit. "Er war unser Präsident, unabhängig von unseren Meinungen", sagte Malgorzata Blasik, die nach eigenen Angaben keine Anhängerin von Kaczynskis rechtskonservativer Politik war.

Der frühere Präsident Lech Walesa, der sonst immer eine schnelle Antwort auf jede Frage parat hat, suchte lange nach den richtigen Worten. Bei diesem Flugzeugabsturz sei "die Elite der Nation" gestorben, sagte der Friedensnobelpreisträger und einstige Arbeiterheld.

Leichen des Präsidentenpaars in Warschau erwartet

Mittlerweile wurden alle Opfer geborgen und mit zwei Hubschraubern nach Moskau geflogen, wo sie identifiziert werden sollten. Die Leichen des polnischen Staatschefs und seiner Frau Maria sollen jedoch direkt in die polnische Hauptstadt Warschau überführt werden, wo die Särge am Sonntagnachmittag erwartet werden.

Für Polens politische Klasse wurde der Tod so vieler Spitzenpolitiker und Staatsbeamten zum Testfall. Um die Kontinuität der Macht zu erhalten, übernahm Parlamentspräsident Bronislaw Komorowski gemäß der Verfassung die Geschäfte des Staatsoberhaupts. Innerhalb von zehn Wochen sollen nun vorgezogene Präsidentenwahlen stattfinden. Ursprünglich sollte das neue Staatsoberhaupt erst im Herbst gewählt werden.

Die Unglücksmaschine war auf dem Weg nach Katyn, wo Polen und Russen gemeinsam der Opfer eines Massakers auf der Zeit des Zweiten Weltkriegs gedenken wollten. 1940 hatten dort Russen etwa 20.000 Polen umgebracht und so quasi die gesamte Elite des Landes ausgelöscht.

AFP/DPA DPA

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