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AFGHANISTAN: Hinrichtung nicht ausgeschlossen

Die Lage der in Afghanistan inhaftierten »Shelter-Now«-Mitarbeiter spitzt sich zu. Möglicherweise steht ihnen eine Verurteilung nach der Sharia bevor. Die Todesstrafe scheint nicht ausgeschlossen.

Wenig Hoffnung für die in Afghanistan inhaftierten Shelter Now Mitarbeiter. Sie werden nach den Worten von Taliban-Justizchef Nur Mohammad Sakib auf der Grundlage der Scharia verurteilt, was auch die Todesstrafe bedeuten könne.

Hinrichtung nicht ausgeschlossen

Die Nachrichtenagentur AIP zitierte Sakib am Mittwoch mit den Worten: »Wenn die Tat eine Gefängnisstrafe erfordert, werden sie ins Gefängnis kommen, erfordert die Tat eine Hinrichtung, werden sie gehängt.« Der Prozess werde fair sein, und die Angeklagten könnten einen eigenen Rechtsbeistand wählen. Den Mitarbeitern der Hilfsorganisation Shelter Now International, darunter vier Deutsche, wird christliche Missionierung vorgeworfen.

Mögliche Strafe vorerst geheim

»Wir werden nichts über das Strafmaß sagen, bevor das endgültige Urteil gefällt wurde«, sagte Sakib weiter. Das letzte Wort hat nach Taliban-Angaben deren Chef Mullah Mohammad Omar unabhängig von der Entscheidung des Gerichts. Wie lange das Verfahren dauern wird und wie die genaue Prozedur ist, blieb jedoch bislang unklar.

Botschaftsvertreter wurden abgewiesen

Diplomaten aus Deutschland, Australien und den USA waren am Mittwoch am Gericht erschienen, um die Interessen ihrer Landsleute zu vertreten. Eingelassen wurden sie jedoch nicht. Nach 30 Minuten vergeblichen Wartens vor dem Gerichtsgebäude zogen sie wieder ab. Sie wollten einen neuen Anlauf starten, um über das afghanische Außenministerium die Erlaubnis für eine Teilnahme an dem Prozess zu erhalten.

Auch den afghanischen Mitarbeitern droht die Todesstrafe

Neben den Ausländern sind 16 afghanische Mitarbeiter der Hilfsorganisation angeklagt, denen ebenfalls die Todesstrafe droht. Es wird erwartet, dass ihnen getrennt der Prozess gemacht wird. Ob sie in dem Verfahren gegen ihre ausländischen Kollegen gehört werden, ist offen. Der Fall wurde am Dienstag vor dem Obersten Gerichtshof eröffnet. Moslemische Gelehrte und Richter sollen nach Taliban-Angaben die Beweise prüfen und die Angeklagten falls erforderlich befragen.

Shelter Now geschockt über mögliche Exekutionen

Die Möglichkeit der Todesstrafe für die vier in Kabul inhaftierten Deutschen hat am Mittwoch bei der Hilfsorganisation Entsetzen ausgelöst. »Wir sind geschockt über die Nachrichten und wollen es kaum glauben«, sagte Udo Stolte, Vorsitzender der in Braunschweig ansässigen deutschen Organisation »Shelter Now«. Die teils widersprüchlichen Angaben der Taliban sorgten für große Verunsicherung.