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Anna Lindh: Mord fast aufgeklärt

Der Hauptverdächtige im Mordfall Anna Lindh wird heute vor den Haftrichter geführt. Die Staatsanwältin hat auf dringenden Tatverdacht plädiert.

Die schwedische Polizei steht zwei Wochen nach dem Mord an Außenministerin Anna Lindh unmittelbar vor der Aufklärung des Verbrechens. Rundfunk, Fernsehen und mehrere Zeitungen berichteten übereinstimmend, die DNA auf in der Nähe des Tatorts gefundenen Kleidungsstücken habe sich als identisch mit der des Inhaftierten erwiesen. Offen sei aber noch die Frage des Tatmotivs.

"Wir betrachten den Mord als aufgeklärt. Der Mann ist vorwiegend durch technische Beweise an den Mord gebunden", zitierte die schwedische Nachrichtenagentur TT aus Stockholmer Polizeikreisen. Offiziell haben sich die Behörden zu den möglichen DNA-Beweisen allerdings noch nicht geäußert. Am Freitagmorgen wird der 24 Jahre alte Hauptverdächtige in Stockholm dem Haftrichter vorgeführt.

Dringender Tatverdacht

Die Stockholmer Staatsanwältin Agneta Blidberg begründete am Donnerstag ihren Antrag auf zwei Wochen Untersuchungshaft für den Schweden mit "dringendem Tatverdacht". Über den Fahndungsstand wollte sie nichts mitteilen. Bei dem ersten Verdächtigen hatte die Anklägerin lediglich auf Haft wegen eines "hinreichenden Tatverdachts" plädiert, weil es nur Aussagen von Zeugen gegen ihn, aber zu keinem Zeitpunkt technische Beweise gab.

Die Zeitung "Dagens Nyheter" zitierte am Donnerstag ein Mitglied der Fahndungsgruppe mit dem Satz: "Er war es. Und das ist ein richtig gutes Gefühl." Bei der Agentur TT hieß es, Kriminaltechniker hätten auf einer in der Nähe des Tatortes im Stockholmer NK-Kaufhaus gefundenen Baseballkappe die DNA des Verdächtigen gefunden. Zum Vergleich hatten Kriminaltechniker schon vor der Festnahme Haarproben des Verdächtigten analysiert, die er bei einem Friseurbesuch kurz nach dem Attentat gegen Lindh zurückgelassen hatte.

vorbestrafter Messerstecher

Der 24-Jährige bestreitet den Mordvorwurf nach Angaben seines Anwalts Peter Althin. In den Medienberichten hieß es, er habe unmittelbar nach dem Messer-Attentat gegen Lindh am 10. September in einem Stockholmer Kaufhaus sein Äußeres durch einen radikal kürzeren Haarschnitt und das Abrasieren der Augenbrauen verändert. Auch habe er in einer psychiatrischen Klinik Hilfe erbeten, die abgelehnt worden sei. Der als Einzelgänger mit krankhafter Fixierung auf Prominente geschilderte Mann sei von Drogen abhängig und unter anderem wegen Messerstichen gegen seinen Vater vorbestraft.

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