Anti-Terror-Übung Als London den Ernstfall probte


London war im September 2003 Schauplatz der ersten großen britischen Anti-Terror-Übung seit den Anschlägen vom 11. September 2001. Schon damals warnten die Sicherheitsbehörden: "Ein Angriff ist nur eine Frage der Zeit".

Die Londoner Innenstadt war Anfang September 2003 Schauplatz der ersten großen britischen Anti-Terror-Übung seit den Anschlägen vom 11. September 2001. Mit der mehrstündigen Aktion wurde die Reaktion von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten auf eine simulierte Giftgasattacke auf die U-Bahn getestet. Vorbild für die Übung war die Giftgasattacke auf die U-Bahn in Tokio im Jahr 1995, bei der 12 Menschen starben.

Schutzanzüge, Gasmasken und Dekontaminationszelte

Erstmals waren dabei auf den Straßen der britischen Metropole etwa 500 Männer und Frauen in farbigen Schutzanzügen und Gasmasken zu sehen. Ihre Aufgabe war es, die vermeintlichen 60 Opfer aus dem U-Bahnschacht zu retten und in großen Dekontaminationszelten mit Spezialduschen zu entseuchen. Für die Übung wurde die U-Bahn-Station Bank in der Londoner Finanzmeile geschlossen. Dort sollte der U-Bahn-Zug 50 Meter vor dem Haltepunkt zum Stehen kommen. Die "Opfer" - 60 Polizeischüler - wurden auf neuartigen Aluminiumtragen geborgen. Unter einem orangefarbenen Plastikumhang mit Kapuze mussten sie auf der Straße ihre eigene Kleidung ausziehen, bevor der Prozess der Dekontamination beginnen konnte. Erst danach wurden die mit Staubmasken versehenen Betroffenen in ein nahe gelegenes Krankenhaus eingeliefert.

Die "Sunday Times" hatte damals über groß angelegte Evakuierungspläne der Regierung für die sieben Millionen Einwohner Londons berichtet. Bei der Massenevakuierung sollten die Menschen zunächst zu Fuß in "sichere Zonen" und später mit Bahn, Bus, U-Bahn und Autos in "Ruhe- und Empfangzentren" in den umliegenden Grafschaften gebracht werden. "Es gibt Notplanungen. Aber es gibt keinen Grund zur Besorgnis", hatte eine Sprecherin des Innenministeriums zu dem Bericht gesagt.

"Angriff in London nur eine Frage der Zeit"

Der für die Sicherheit Londons zuständige Staatssekretär Nick Raynsford versicherte, die Übung stehe nicht in Zusammenhang mit einer "spezifischen Bedrohung" der Metropole. Vielmehr hätten die neuen Ausrüstungen und die Koordination der Sicherheits- und Rettungsorgane getestet werden sollen. Auch Verkehrsminister Alistair Darling sagte, es gebe keinen Grund für "Alarmstimmung." Der Londoner Polizeichef John Stephens hatte aber noch vor wenigen Tagen gewarnt: "Ein Angriff in London ist nur eine Frage der Zeit."

Fast ein Jahr später, Mitte Juli 2004, hatten hunderte Freiwillige in der mittelenglischen Stadt Birmingham ebenfalls an einer Übung zum Schutz vor einem Giftgasangriff teilgenommen. Die Übung war nach Polizeiangaben die größte ihrer Art in Großbritannien und sollte die Bereitschaft des Katastrophenschutzes testen. Rund 2000 Feuerwehrleute, Sanitäter, Polizisten beteiligten sich daran. Freiwillige von Armee und Rotem Kreuz übernahmen die Rolle von Opfern. Ein Polizeisprecher sagte damals, die Übung sei so realistisch wie möglich gewesen.

vuk mit Material von DPA

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