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Deutsche Firmen im Irak: "Die Lage ist zu brenzlig"

Die Deutsch-Irakische Mittelstandsvereinigung rät deutschen Unternehmen dringend davon ab, in den Irak zu reisen. Wer dennoch fahren muss, sollte gewisse Regeln beachten.

"Die Lage ist zu brenzlig", sagt Gelan Khulusi. Der Vorsitzende der Deutsch-Irakischen Mittelstandsvereinigung (Midan) rät Unternehmern aus Deutschland dringend davon ab, in den Irak zu reisen. "Wirtschaftskontakte sollten lieber über Deutschland abgewickelt werden."

Allerdings betont er, dass man zwischen Regionen unterscheiden müssen: "Im Norden des Landes ist es ruhiger." In den kurdischen Provinzen gab es schon vor dem zweiten Irak-Krieg funktionierende Sicherheitskräfte. Die Stadt Beidschi dagegen, wo am Dienstag zwei Ingenieure aus dem Raum Leipzig entführt worden, ist dagegen sunnitisch. Immer wieder sei es dort zu Entführungen gekommen, sagt Khulusi.

Alles ablegen, was einen deutschen Unternehmer auszeichnet

Deutschen Unternehmern oder Mitarbeitern deutscher Firmen, die sich noch immer in dem Land befinden, empfiehlt Khulusi, alles abzulegen, was eigentlich einen deutschen Unternehmer auszeichnet: "Keine Sonnenbrillen, Anzüge, Aktentaschen oder Ringe." Man müsse ja nicht schon aus Entfernung als westlicher Ausländer auffallen, betont er.

Der Arabien-Experte des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Jochen Clausnitzer, sagt, dass zurzeit etwa 30 Deutsche für Firmen im Irak arbeiteten. Sie hielten sich vor allem in den kurdischen Provinzen im Norden auf. Wegen der Sicherheitslage greifen demnach die 30 bis 40 deutschen Firmen, die im Irak aktiv sind, vor allem auf einheimische Mitarbeiter zurück.

Sich so weit wie möglich den regionalen Gepflogenheiten anpassen

Auch das Auswärtige Amt warnt auf der eigenen Internetseite eindringlich vor einer Reise in den Irak. Deutschen Staatsangehörigen werde geraten, das Land zu verlassen. Der Deutsch-Iraker Khulusi nutzt bei seinen Besuchen des Landes vorzugsweise ältere Fahrzeuge oder lässt sich mit einem Taxi fahren: "Das fällt nicht so auf." Auf jeden Fall müssten vor jeder Reise in eine Krisenregion ausführliche Informationen beim Auswärtigen Amt oder auch bei seinem Verband eingeholt werden: "Es gibt so viele Dinge, die beachtet werden müssen."

Als Faustregel gelte, sich so weit wie möglich den regionalen Gepflogenheiten anzupassen, sagt der 42-Jährige, der erst vor wenigen Tagen von einer Reise aus dem Land zurückkehrte. Im Norden des Irak habe er viele Baustellen gesehen und von zahlreichen Aufträgen gehört. Khulusi zufolge werden deutsche Angestellte wegen der Sicherheitslage jedoch äußerst selten in den Irak geschickt. Zunächst versuche man immer, Iraker selbst auszubilden oder Inder oder Pakistaner in das Land zu schicken.

Khulusi rät, die Wirtschaftskontakte zum Irak über Deutschland abzuwickeln. Dazu biete sich unter anderem ein Forum im Februar in Köln an. Die im Jahr 2003 gegründete Mittelstandsvereinigung habe mehr als 100 irakische Wirtschaftsvertreter zur Diskussion eingeladen. Das Interesse sei sehr groß.

Gregor Haake/AP

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