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EU-Außenkommissarin: Olympia-Boykott nicht ausgeschlossen

EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner schließt einen Boykott der Olympischen Spiele nicht aus. Die Spiele müssten in einem Umfeld stattfinden, das den olympischen Geist widerspiegele. Dazu gehörten die Einhaltung der Menschenrechte, Meinungs- und Pressefreiheit.

EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner hat für eine genaue Betrachtung des chinesischen Verhaltens vor einer Entscheidung über einen Olympia-Boykott plädiert. "Wir sollten uns genau anschauen, wie sich Peking in den nächsten Wochen verhält - und dann über Boykottmaßnahmen entscheiden", sagte Ferrero-Waldner der "Bild am Sonntag. "Die Olympischen Spiele können nach meiner festen Überzeugung nur in einem Umfeld stattfinden, das den olympischen Geist widerspiegelt. Dazu gehört die Respektierung der Menschenrechte, ebenso die uneingeschränkte Meinungs- und Pressefreiheit."

Der Dalai Lama rief die internationale Gemeinschaft auf, bei der Bewältigung der Krise in Tibet zu helfen. Barbara Lochbihler, Generalsekretärin von Amnesty International Deutschland, forderte eine unabhängige Untersuchung der UNO zu den Ereignissen.

Diskriminierung des tibetischen Volkes beenden

Zur Tibet-Frage sagte Ferrero-Waldner, die chinesische Regierung müsse Verhandlungen mit Vertretern des Dalai Lama aufnehmen - "mit dem Ziel, die Diskriminierung des tibetischen Volkes zu beenden". Die EU-Kommissarin rief dazu auf, die Tibeter weltweit durch Demonstrationen zu unterstützen.

Ferrero-Waldner erinnerte zugleich an die Verantwortung der Wirtschaft. "Unternehmer, die in China tätig sind, sollten in besonderer Weise die Achtung der Menschenrechte einfordern", sagte sie. "Man kann Geschäfte nicht von heute auf morgen abdrehen. Aber in einer Situation, wie sie in Tibet herrscht, haben auch Unternehmen eine Verantwortung."

Der Dalai Lama sagte in der indischen Hauptstadt Neu Delhi: "Wir haben keine Macht außer der Gerechtigkeit, Wahrheit, Aufrichtigkeit... Deshalb rufe ich die Weltgemeinschaft auf, bitte zu helfen." Zugleich betonte der Dalai Lama erneut, dass er zu einem Dialog mit China bereit sei. Der Friedensnobelpreisträger von 1989 hatte bereits am Freitag betont, dass er einen Boykott der bevorstehenden Olympischen Spiele in Peking ablehne.

DPA/AFP / DPA