EU-Erweiterung Wenn Träume wahr werden


Aus den Reden der politischen Führer klang unverhohlen Stolz. Niemand geizte mit Superlativen, als sich die 25 Staatsmänner der alten und neuen Union in der antiken Stoa des Attalos versammelten, um die größte Erweiterung in der Geschichte der EU zu beschließen.

Ungetrübte Freude - ein seltenes Glück für die Größen der Europäischen Union in diesen Zeiten. 15 Staats- Regierungschefs genossen es in vollen Zügen. Zur Würdigung der größten Erweiterung in der Geschichte der EU konnte keiner etwas Falsches sagen. Niemand geizte mit Superlativen. Das Wort «historisch» zog sich durch alle Reden. Sichtlich gelöst nach den harten, manchmal wohl auch verletzenden Debatten um den Krieg im Irak versammelten sich die 25 Staatsmänner der alten und neuen Union in der antiken Stoa des Attalos, einem in den 50er Jahren liebevoll restaurierten Warenhaus der Antike.

Erinnerungen an die dunklen Zeiten Europas

Bevor ein jeder den Blick nach vorn richtete, über die Chancen auf mehr Wohlstand und Sicherheit für 450 Millionen Bürger sprach, fehlte es nicht an Erinnerungen an die dunklen Zeiten Europas. Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac ging zurück zur Stunde Null: «Um den Preis von Millionen Menschenleben fand das schrecklichste Kapitel in unserer Geschichte auf den Trümmern eines verwüsteten und durch eine unüberbrückbare Spaltung geteilten Europas seinen Abschluss.» Was danach kam, brachte für viele seiner Kollegen aus dem einstigen Ostblock Tschechiens Premierminister Vladimir Spidla auf den Punkt: «Ein blutiges Kapitel.»

Bundeskanzler Gerhard Schröder machte klar, dass die Erweiterung eben mehr ist als ein lukratives Versprechen auf gute Geschäfte, von dem vor allem Deutschland profitieren wird. Er erinnerte seine Kollegen an die Erfahrungen eines Landes, das der Eiserne Vorhang fünf Jahrzehnte geteilt hatte. Ein geeintes Europa sei eben mehr als nur ein großer Marktplatz.

«Europäische Union des 21. Jahrhunderts»

Angesichts der politischen Leistung, im zähen und komplizierten Verhandlungsprozess mit dem anspruchsvollen Koloss Europäische Union bestanden zu haben, klang aus den Reden der allermeisten politischen Führer unverhohlen Stolz. Esten, Letten, Litauer, Polen, Tschechen, Slowaken, Ungarn und Slowenen gehören nun zur «Europäischen Union des 21. Jahrhunderts». «Polens Träume sind wahr geworden», sagte Aleksander Kwasniewski, ein glücklicher polnischer Präsident. Er war nicht der einzige, der sogar ein wenig Euphorie verbreitete.

Dass sich die EU auch am Mittelmeer ausdehnt, kam fast ein bisschen zu kurz. Auch Malta und Zypern treten offiziell am 1. Mai 2004 bei. Wie gut die Stimmung in Athen war, zeigten die Reaktionen auf das demonstrative Fernbleiben des türkischen Außenministers Abdullah Gül. Niemand regte sich auf. Politischer Hickhack, diplomatische Kleinkriege waren in diesen historischen 90 Minuten einfach nicht gefragt.

Martin Romanczyk DPA

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