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Jan Hempel Ex-Weltklasse Wasserspringer: "Ich bin von meinem Trainer missbraucht worden. Alle haben geschwiegen"

Jan Hempel
Jan Hempel (l.) und sein Trainer Werner Langer (M.) auf dem Rostocker Springertag im Jahr 2000.
© Bernd Wuestneck / Picture Alliance
Der frühere Weltklasse-Wasserspringer Jan Hempel ist jahrelang von seinem damaligen Trainer Werner Langer sexuell missbraucht worden. Diesen Vorwurf erhebt der 50-Jährige in einer ARD-Doku über sexualisierte Gewalt im deutschen Schwimmsport.

Jeder dritte Leistungssportler in Deutschland, so haben es Untersuchungen ergeben, hat Erfahrung mit sexuellen Übergriffen oder gar Missbrauch gemacht. Zu den Opfern zählt auch der frühere Weltklasse-Wasserspringer Jan Hempel. In der ARD-Doku "Missbraucht - Sexualisierte Gewalt im deutschen Schwimmsport" erhebt der 50-Jährige schwere Vorwürfe gegen seinen früheren Trainer Werner Langer. 14 Jahre lang, von 1982 bis 1996, habe der sich regelmäßig an ihm vergangen, sagt der Sportler. "Er hat eigentlich keinen Zeitpunkt ausgelassen, um seinen Wünschen und Bedürfnissen freien Lauf zu lassen", so Hempel. Mehrfach muss der Dresdner bei dem eindringlichen Gespräch um Fassung ringen.

Jan Hempel hat dutzende Medaillen gesammelt

Jan Hempel war zwar oft von Verletzungen geplagt, dennoch nahm er bis Ende 2002 an vier Olympischen Spielen teil sowie an vier Weltmeister- und sieben Europameisterschaften. Dabei ersprang er sich bei Olympia-Silber und -Bronze, dazu weitere zwölf internationale und 49 deutsche Medaillen. Auch bei den Turnieren wurde er regelmäßig missbraucht, etwa direkt vor seinem Start bei den Olympischen Spielen in Barcelona 1992. "Lass es uns noch mal tun, dadurch bist du locker und frei", habe der Trainer damals zu ihm gesagt, erzählt der Sportler. Den letzten Sprung, einen dreifeinhalbfachen Auerbachsalto, verpatzte er dann, was ihm einen Podiumsplatz kostete.

Jan Hempel
Jan Hempel in der Dokumentation "Missbraucht - Sexualisierte Gewalt im deutschen Schwimmsport" 
© Screenshot/ARD / stern

Begonnen hatten die sexuellen Übergriffe mit Anfassen als er elf Jahre alt war, "später hat er mich täglich zu sexuellen Handlungen genötigt“, so Hempel. "Ich weiß bloß, dass man das dann am Ende über sich ergehen ließ, weil er eben solche Dinge sagte wie: 'Wenn du das machst, dann hast du heute Nachmittag frei.'"

Dass er mit den schweren Anschuldigungen jetzt an die Öffentlichkeit geht, hat auch damit zu tun, dass der frühere Wasserspringer vor kurzem die Diagnose Alzheimer erhalten hat. "Ich glaube, man ist es anderen auch für die Zukunft schuldig, dass man darüber spricht." Trainer Werner Langer kann sich zu den Vorwürfen nicht äußern, er hat sich 2001 das Leben genommen.

"Alle haben geschwiegen, bis heute“

Hempel hatte sich 1997 der damaligen Bundestrainerin Ursula Klinger anvertraut und ihr von den jahrelangen Vergewaltigungen berichtet. Die wiederum schaltete den Deutschen Schwimmverband ein, der auch reagierte. Allerdings auf spezielle Art. Langer wurde als Trainer rausgeworfen, offiziell wegen "Stasi-Vergangenheit". Mit den Missbrauchsvorwürfen selbst habe sich der Verband nie auseinandergesetzt. "Alle haben geschwiegen, bis heute“, sagt Hempel. Dem langjährigen DSV-Funktionär und heutigen Bundestrainer der Wasserspringer, Lutz Buschkow, wirft er vor, dazu beigetragen zu haben, dass der Missbrauchsfall nie aufgearbeitet wurde.

Die Dokumentation des Investigativ-Journalisten Hajo Seppel beleuchtet noch weitere Missbrauchsfälle im Schwimmsport. Betroffene erheben den Vorwurf, dass der sportliche Erfolg über allem stehe und es flächendeckend an Aufklärungswillen mangle. Manchmal aber kommen dennoch Dinge an die Öffentlichkeit. So hatte das Amtsgericht Würzburg im Februar den früheren Freiwasser-Bundestrainer Stefan Lurz wegen sexueller Übergriffe zu einer Bewährungsstrafe von sechs Monaten verurteilt. Bereits zwölf Jahre zuvor wurde gegen Lurz ermittelt, doch damals hatten Personen aus seinem Umfeld für ihn ausgesagt.

Die Dokumentation: "Missbraucht - Sexualisierte Gewalt im deutschen Schwimmsport" läuft am Samstag, 20. August um 22.40 Uhr und zudem ab sofort in der ARD-Mediathek zu sehen.

nik

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