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"heute wichtig" Stern-Reporter: "Wir müssen mehr über Kindesmissbrauch sprechen"

Ein Junge im Grundschulalter sitzt auf einem Bett und legt schützende die Arme um seinen Kopf
© Nicolas Armer / DPA
Es ist ein Thema, das im Verborgenen liegt: Kindesmissbrauch. Straftaten mit der Darstellung von sexuellem Missbrauch von Kindern haben zugenommen, zeigt eine aktuelle Statistik des Bundeskriminalamts. Dabei sind wohl nur ein Prozent der Übergriffe bekannt.

"Wir müssen mehr über diese Fälle sprechen", sagt stern-Reporter Matthias Bolsinger in der 337. Folge "heute wichtig". Er hat lange zu Kindesmissbrauch recherchiert – ein Thema, das einem, wie er sagt, von allen Recherchen mit am meisten im Gedächtnis bleibt. Lügde, Münster und zuletzt Wermelskirchen – in Nordrhein-Westfalen sind in den vergangenen Monaten und Jahren große Tatkomplexe von grausamem Kindesmissbrauch bekanntgeworden. Im Fall Wermelskirchen hat der hauptbeschuldigte 44-Jährige seine Dienste als Babysitter angeboten haben, um sich sich so den Opfern nähern zu können. Mit dutzenden Männern habe er dann kinderpornographische Bilder unvorstellbarer Brutalität getauscht, das jüngste Kind soll erst einen Monat alt gewesen sein. Ein Fall, der Anlass gibt, noch einmal zu recherchieren, von welchem Ausmaß dieser Verbrechen auszugehen ist. 

Kindesmissbrauch: Ein verbreiteter Tatbestand

"Dieser Tatbestand ist wahnsinnig verbreitet und nicht nur am Rand der Gesellschaft, wo viele ihn vermuten oder vielleicht auch gerne hin verdrängen möchten", sagt Matthias Bolsinger. "Die Ermittler sagen uns, dass sie eigentlich kaum mehr hinterherkommen." Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sitzen in jeder Klasse ein bis zwei Kinder, die selbst sexuelle Gewalt erfahren haben. Fälle wie in Lügde oder Wermelskirchen seien laut Matthias Bolsinger für viele Ermittelnde und Politiker:innen ein Urknall, ein Augenöffner gewesen. Auch für die Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Kerstin Claus, mit der Matthias Bolsinger gesprochen hat, sei klar: Heute ist die Sichtbarkeit größer, wir schauen genauer hin. In Nordrhein-Westfalen sind die Ermittlungskapazitäten aufgestockt worden – "deshalb ist es auch kein Zufall, dass dort nun mehr ans Licht kommt". 

Michel Abdollahi
© TVNOW / Andreas Friese

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Über Täter sprechen, um Täterstrategien zu erkennen

Wenn es um den richtigen Umgang mit diesem Thema geht, sagt Matthias Bolsinger, sei das Wichtigste, zuzuhören. Den Kindern Glauben zu schenken und aufmerksam zu werden, sobald Veränderungen bei Kindern spürbar werden. Genauso müsse man aber über die Täter sprechen, “weil wir über Täterstrategien Bescheid wissen müssen.” Ein großes Problem dieser Taten ist nach Ansicht des stern-Reporters, dass wir sie für so schrecklich halten und deshalb von uns fernhalten wollen. Dass Menschen eigentlich nicht glauben können, dass es zum Beispiel ein Verwandter oder ein Nachbar sein könnte, aber bei Missbrauchskomplexen – ebenso wie im Fall Wermelskirchen – komme immer wieder heraus, dass der Täter aus dem unmittelbaren Umfeld stammt.

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tkr

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