Guantanamo US-Wächter filmten Misshandlungen


Ein im März aus dem Gefangenenlager Guantanamo Bay auf Kuba entlassener Brite hat dem US-Militär Misshandlungen vorgeworfen, die von Sicherheitskräften auf Video aufgenommen worden sein sollen.

Er sei im Laufe seiner 22-monatigen Gefangenschaft mehrfach von einer speziellen Bestrafungseinheit angegriffen worden, sagte der 26-jährige Tarek Dergoul aus London der Zeitung "The Observer" (Sonntagausgabe). Er ist einer der fünf im März aus dem Lager freigelassenen Briten. Bei den Vorgängen sei immer jemand dabei gewesen, der alles, was passiert sei, gefilmt habe, sagte er. Einer australischen Untersuchung zufolge soll es keine Belege für die Misshandlung zweier Australier während der Haft in Guantanamo geben. Vertreter Australiens hatten am Wochenende auf Kuba entsprechende Vorwürfe eines dort inhaftierten Australiers geprüft.

Dergoul sagte in der Zeitung: "Sie haben mir Pfeffer ins Gesicht gesprüht und ich begann, mich zu übergeben. (...) Sie banden mich fest und griffen mich an, stießen mir ihre Finger in die Augen und zwangen mich, meinen Kopf in die Toilette zu stecken, um dann zu spülen."

Nicht alle ehemaligen Gefangenen klagen über Misshandlungen

Bereits vor wenigen Tagen hatten zwei weitere Briten, die ebenfalls im März aus dem Lager frei gelassen worden waren, Vorwürfe gegen die USA wegen Misshandlungen erhoben. Die beiden Briten Shafiq Rasul und Asif Iqbal hatten ihre Beschwerden über den Umgang während ihrer Gefangenschaft in Guantanamo US-Präsident George W. Bush in einem offenen Brief mitgeteilt. Sie seien in den mehr als zwei Jahren Haft bei Verhören gedemütigt und geschlagen worden, hieß es darin.

Der australische Ministerpräsidenten John Howard sagte am Sonntag, Australiens Generalkonsul in Washington habe mit dem 28-jährigen David Hicks und dem Australier Mamdouh Habib gesprochen. Hicks, der zum Islam konvertierte, wurde vor mehr als zwei Jahren in Afghanistan, Habib Ende 2001 an der Grenze zu Pakistan festgenommen. "(Er) ist zufrieden, dass es keine unakzeptable Behandlung weder von Hicks noch von Habib gegeben hat", sagte Howard dem Fernsehsender Ten Network.

Das US-Militär hat Missbrauchsvorwürfe von Gefangenen in Guantanamo zurückgewiesen. Dort halten die USA mehr als 600 Menschen fest, die im Zuge des von Bush ausgerufenen Kampfes gegen den Terror zumeist in Afghanistan gefangen genommen wurden. Die Haftbedingungen sind auf breite Kritik gestoßen.


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